Das Boot war in wilden Gewässern: Im letzten Jahr gaben sich beim Krankenpflegeverein des Bezirks Lenzburg die Geschäftsleiter die Türklinke in die Hand. Etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zogen den Hut. Nebst alledem modernisierte die Spitex ihre Gerätschaften. «Wir waren sehr gefordert», sagt Vorstandspräsident Martin Imhof rückblickend.

Heute befindet sich das Boot auf gutem Kurs. An der Mitgliederversammlung am Dienstag, 30. Juni, informieren Vorstand und Geschäftsleiter über das turbulente Jahr 2014.

Allerdings musste die Versammlung neu angesetzt werden: Viele Mitglieder haben die Einladung für die Versammlung später als statutarisch vorgesehen (20 Tage vor Anlass) erhalten. Weil die Einladungen per Massenversand und über Pfingsten verschickt worden waren, flatterten sie zu spät in die Briefkästen.

Dafür freut sich der neue Geschäftsleiter Daniel Lukic (35) über das Interesse der Mitglieder: Rund 50 Personen hätten sich für die diesjährige Mitgliederversammlung angemeldet – doppelt so viele als im letzten Jahr.

17 Leute gingen

Die Unstimmigkeiten in der Spitex begannen vor einigen Jahren. Damals wurde dem Verein Vetternwirtschaft, finanzielle Begünstigungen und Abzockerei vorgeworfen.

Dann kam es zu einer Erneuerung im Vorstand. Im letzten März beendete Geschäftsleiter Markus Büchi sein Arbeitsverhältnis. Seine Nachfolgerin verabschiedete sich bereits in der Probezeit wieder, mit der Begründung, die vorgefundene Situation stimme nicht mit ihren Erwartungen überein.

Die Spitex stellte einen Manager auf Zeit ein und suchte einen neuen Geschäftsleiter. Diese Wechsel riefen bei den Mitarbeitenden Unzufriedenheit und Unsicherheit hervor und brachten das Spitex-System ins Wanken: Mehrere Mitarbeitende verliessen den Betrieb, laut Daniel Lukic kündigten im letzten Geschäftsjahr 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch die hohe Fluktuation mussten die Leute Überstunden leisten und waren überarbeitet. Trotzdem hätten sie grossen Einsatz geleistet, sagt Martin Imhof.

Unabhängig davon führte die Spitex die Modernisierung ihrer technischen Infrastruktur weiter. Diese war schon seit längerem für 2014 vorgesehen und forderten den Ablauf des Betriebs zusätzlich.

Auch kostete die Revision viel Geld. Doch die Investition habe sich gelohnt, finden Vorstandspräsident Martin Imhof und Geschäftsleiter Daniel Lukic: «Die Auslagerung der Informatik und die Einführung von Smartphones unterstützen die Leistungserfassung. Die Mitarbeitenden sparen Zeit ein und haben von jedem Standort Zugriff auf die Daten.»

Geschäftsleiter hört zu

Im Frühling 2014 wurde der Betrieb mit einer externen Organisations-Analyse durchleuchtet. Die umgesetzten Sofortmassnahmen beruhigten den Wellengang innerhalb der Spitex allmählich.

Im September übernahm der neue Geschäftsleiter Daniel Lukic das Ruder. Zu allerst hörte er seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut zu, wie sie sich in der schwierigen Situation fühlen und was sie brauchen. In der Vergangenheit habe man der Personalpflege zu wenig Beachtung geschenkt. «Die Leute hatten ein grosses Bedürfnis, sich auszutauschen», sagt Lukic.

Der Vorstand lud regelmässig zu Mitarbeiterinfos. Das sei nicht immer einfach gewesen, sagt der Präsident, insbesondere wenn er wieder eine neue Demission bekannt geben musste. «Doch unser Ziel war es, sorgfältig mit unseren verbliebenen Mitarbeitern umzugehen.» Die ersten Zeichen setzte die Spitex mit der Einführung der Dienstalterszulagen und der Anpassung ihrer Ferien.

Sie stellte mehr Fachpersonal ein und bauten dadurch Überstunden der Mitarbeiter ab. Heute kann die Spitex auf temporäre Einsätze verzichten. Der Geschäftsführer zieht Fazit: «Bei vier von fünf Teams herrscht wieder mehr Zufriedenheit.»

Der Krankenpflegeverein setzt auch vermehrt auf familienfreundliche Arbeitsmodelle, in denen auf die gewünschten Dienstzeiten und Pensen der Mitarbeitenden eingegangen wird. Dadurch werde die Spitex zu einem attraktiveren Arbeitgeber, sagt der Geschäftsleiter.

Der Lenzburger Krankenpflegeverein kann zwar die Vergangenheit nicht ändern, doch liegt die Zukunft in seinen Händen. «Wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung unserer Spitex», sagt Martin Imhof. «Wir wollen zufriedene Kunden und Mitarbeitende und verfolgen innovative Ziele.»

Über eine Neuerung diskutiert die Mitgliederversammlung am nächsten Dienstag: Sie soll entscheiden, ob die Spitex künftig einen kürzeren, prägnanteren Namen haben soll als der bestehende: Krankenpflegeverein Spitex des Bezirks Lenzburg.