Lenzburg
SP hofft mit Quereinsteigerin Beatrice Burgherr auf zweiten Sitz

Die Linken steigen mit Beatrice Burgherr in die Stadtratswahlen. Stadtammann Daniel Mosimann tritt wieder an

Ruth Steiner
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Zielstrebig marschiert Kulturkommissionspräsidentin Beatrice Burgherr durch die Rathausgasse in Richtung Rathaus.

Zielstrebig marschiert Kulturkommissionspräsidentin Beatrice Burgherr durch die Rathausgasse in Richtung Rathaus.

Pascal Meier

Kommt jetzt etwas Stimmung in den Lenzburger Wahlsommer? Nach dem Grünliberalen Beat Hiller und dem Freisinnigen Andreas Schmid melden sich nun auch die Linken und erweitern den Anwärterkreis für den frei werdenden Stadtratssitz mit einer eigenen Kandidatur. Mit der Kommunikationsfachfrau Beatrice Burgherr will die SP den Wahlkampf in den kommenden Monaten befeuern. Sie bringt mit Burgherr die bisher ausgebliebene Frauenkandidatur ins Spiel.

Die SP begründet ihren Entscheid für eine Kandidatur aus den eigenen Reihen damit, dass dem Stadtrat, bedingt durch das Ausscheiden von Heidi Berner (EVP), eine einseitige Zusammensetzung drohe. «Die Wählerinnen und Wähler haben Anrecht auf eine ausgewogene Auswahl, sprich auf eine Kandidatur von Mitte-Links», schreibt Thomas Schär, Präsident der SP Lenzburg-Ammerswil, in einer Mitteilung. Zudem setzt die Partei mit Beatrice Burgherr auf die Karte Frau. Dazu erklärt die SP: «Ein fünfköpfiger Stadtrat mit nur einer weiblichen Vertretung ist nicht zeitgemäss und widerspiegelt auf keinen Fall die Stadt Lenzburg.»

Von den aktuellen Einwohnerräten (fünf Männer und vier Frauen) will sich offenbar niemand um das Exekutivamt bewerben. Alle treten jedoch wieder zu den Gesamterneuerungswahlen für den Einwohnerrat an. Auf der Kandidatensuche wurden die Sozialdemokraten in einem andern Gremium fündig: in der Kulturkommission. Diese wird seit vier Jahren von Beatrice Burgherr präsidiert. Obwohl Burgherr keine klassische politische Laufbahn vorweist, sieht sie sich keinesfalls als politisches Greenhorn. Politik habe sie praktisch das ganze bisherige Leben hindurch begleitet. «Angefangen im Elternhaus. An unserem Familientisch wurde viel politisiert», sagt die als Tochter eines ehemaligen Bauverwalters in Lenzburg aufgewachsene 57-Jährige. Als junge Studentin habe sie sich in nationalen und internationalen Jugendverbänden politisch engagiert, erzählt sie. Burgherr hat Sprachen, Literatur und Geschichte studiert (zuerst wollte sie Bezirksschullehrerin werden), dann das Lizentiat in Zürich absolviert und später ein Nachdiplom Kulturmanagement in Basel. In ihrer Tätigkeit bei verschiedenen Non-Profit-Organisationen hat Beatrice Burgherr unter anderem ein Beschäftigungsprogramm für Stellenlose mit Einsatz in Alters- und Pflegeheimen aufgebaut und geleitet. Im Falle einer Wahl als Stadträtin könnte sie sich durchaus vorstellen, das Ressort Soziales zu übernehmen – «oder auch ein anderes, wählen dürfen ja zuerst die Bisherigen».

Beatrice Burgherr ist mit einem Isländer verheiratet und Mutter von zwei 16- und 18-jährigen Söhnen. Sie steht für ein weltoffenes, interessiertes Lenzburg. Damit sei sie eine klare Bereicherung für den Stadtrat, ist Stadtammann Daniel Mosimann überzeugt.

Den Anspruch auf einen zweiten SP-Sitz im Stadtrat hält Mosimann für gerechtfertigt. «Bei den Grossratswahlen erhielt die SP die meisten Stimmen in Lenzburg – dies ist auch ein Auftrag der Wählerschaft, eine angemessene Vertretung im Stadtrat anzustreben.»

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