Kolumne

Soziale Medien: Sind sie nur ein temporäres Phänomen?

Sind soziale Medien nur ein temporäres Phänomen? (Symbolbild)

Sind soziale Medien nur ein temporäres Phänomen? (Symbolbild)

Die Stars unserer Zeit kommen aus Youtube und Instagram, Werbung wird von Bloggern und Influencern gemacht. Kolumnist Felix Bertram fragt sich, was dieses Phänomen für unsere Zukunft bedeutet.

Der Aargauer Herbst mit seinen Nebelschwaden und den farbigen Kürbissen hat bereits Einzug gehalten. Das ist immer eine gute Zeit, aufgeschobene Dinge zu erledigen. Ich nehme den 7.31-Zug von Lenzburg nach Zürich und die Tramlinie Nummer 3 bis zum Stauffacher, um dort im «grünen Saal» des Volkshauses einen ganzen Tag zu verbringen.

Nicht etwa, um mir neueste Forschungsergebnisse zu den modernen Biologicals in der Psoriasistherapie anzuhören, sondern um zu lernen, wie man mit dem Natel Videos filmt, diese schneidet und mit Musik hinterlegt. Ja, Sie hören richtig! Willkommen im Jahr 2019.

Der Grund für diesen Tages-Workshop ist ein Phänomen, dass in den letzten Jahren rasant über uns hereingebrochen ist: Social Media. Facebook, Instagram, Youtube und LinkedIn heissen diese Applikationen (neudeutsch: Apps) und Plattformen im Internet. Keine Marketingabteilung und kein modernes Unternehmen dieser Welt kann es sich heute noch leisten, dieses Phänomen zu ignorieren.

Das Phänomen ist mittlerweile derartig gewachsen, dass die Stars dieser Zeit zunehmend nicht mehr aus der TV- und Filmwelt kommen, sondern von Youtube und Instagram. Firmen schichten grosse Teile ihres Werbebudgets um – weg von den klassischen Printmedien und PR hin zu Bloggern und Influencern. Einzelne Personen haben Follower im zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenbereich und verdienen mit Werbung ein gigantisches Vermögen.

Doch was macht dieses Phänomen mit uns, und was bedeutet es für die Zukunft? Sicher gilt es mal kritisch zu betrachten, dass diese «Sozialen Medien» für viele Menschen ein wahrer Zeitkiller geworden sind, weil man täglich Stunden damit verbringt und sein Sozialleben vernachlässigt.

Also müsste man an dieser Stelle eher von «Asozialen Medien» sprechen. Auch die geschönte und falsche Darstellung eines vermeintlich glamourösen Lebens und unrealistischer Schönheit ist zweifelsohne eine Gefahr für junge Leute, die diesen Phänomenen unkritisch nacheifern.

Aber wie vieles auf der Welt gibt es nicht nur schwarz und weiss, nicht nur gut und böse. Social Media finde ich persönlich zunächst einmal eine sehr spannende Entwicklung, und ich sehe hier durchaus auch positive Seiten und Vorteile, gerade für Firmen, Organisationen und Menschen mit einem wahren und wichtigen Anliegen.

Wo man früher auf gute Kontakte zu den Medien hoffen oder einen teuren PR-Berater zahlen musste, kann man heute sein Anliegen über seine eigenen Medienkanäle transportieren und formen. Und erfreulicherweise sehe ich in der Tat einen Trend weg von den gefilterten, gestellten und bearbeiteten Inhalten hin zu authentischen Beiträgen. Und erstaunlicherweise wollen Menschen das auch sehen.

Zu praktisch jedem Thema gibt es spannende Beiträge; ich bin zum Beispiel weltweit mit Ärzten vernetzt, sehe wie Kollege Otto Placik in Chicago eine spezielle Operationstechnik durchführt, unter Umständen sogar live. Ich kann ihm Fragen stellen und Fälle diskutieren. Ich verabrede mich mit Kollegen aus Brasilien zu einem Kongress in Paris und bereite via Social Media einen gemeinsamen Vortrag vor.

Die Welt rückt buchstäblich ein wenig zusammen. Menschen, denen man sonst nie begegnet wäre, sind nun lediglich einen Klick entfernt. Komme ich irgendwo nicht weiter – etwa bei einem technischen Problem – gibt es bei Youtube garantiert ein Video, das mir die Lösung zeigt.

Für uns bei Skinmed ist Social Media nicht mehr wegzudenken. Ich glaube sogar, es wird zunehmend bedeutender. Wir können unsere Mitarbeiter in kleinen Clips vorstellen, Fragen von Patienten beantworten, gewisse Eingriffe zeigen. Schlicht und einfach vermitteln, kommunizieren und einen engen Kontakt zu unseren Patienten pflegen – und dies wird ausgiebig genutzt und geschätzt. Es ist im Grunde unsere hauseigene Radio- und TV-Station.

Ob Social Media die Welt verbessern wird? Schwer zu sagen. Verschlechtern? Wohl auch nicht. Es wird die Welt aber verändern, neue Möglichkeiten schaffen und ein Teil der Evolution sein. Ob wir wollen oder nicht – ob es uns gefällt oder nicht.

Als interessierter Mensch und als junger Unternehmer wäre ich schlecht beraten, mich dieser neuen Technologie zu verweigern. Und deshalb besuche ich auch in Zürich einen Workshop für Videoclips. Bei dem ich übrigens viel gelernt habe und der wirklich Spass gemacht hat.

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