Dintikon
Sorge um die Zukunft der Dintiker «Eieraufleset»

In Dintikon sorgt man sich um die Zukunft der «Eieraufleset». Viele Leute kennen den uralten Brauch nicht mehr. Zudem lassen sich Jugendliche nicht mehr so leicht für die «Eieraufleset» begeistern wie früher.

Isabelle Schab
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Für das dicht besiedelte Unterdorf brauchten die Eieraufleser besonders viel Spreu.
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Dieser Junge Mann kannte den Brauch zwar nicht, zeigte sich aber dennoch grosszügig
Während Patrick Turnherr die Eier sicher im Spreu verteilt, schreibt Severin Brun ein Dankeschön auf den Flyer.
In den Wohnblöcken leben zumeist frisch zugezogenen junge Familien - sie kennen den Dintiker Brauch noch nicht.
Weisse Eier scheinen eine Seltenheit zu sein - Dabei bräuchten die Sammler genau diese für die Eierauflesete am nächsten Sonntag
Teils wurden die jungen Eieraufleser ungeduldig erwartet
«Gageln» vor der «Eieraufleset» in Dintikon
Voller Inbrunst gagelten die jungen Männer - so wussten auch die Nachbarn schon dass sie die Eier bereitstellen können

Für das dicht besiedelte Unterdorf brauchten die Eieraufleser besonders viel Spreu.

Isabelle Schwab

«Ga, ga, gagagagagaga», hallte es am Samstag unüberhörbar durch das Dorf. In drei Gruppen sammelten die «Eieraufleser» beim «Gageln» weisse Eier. Diese werden für die «Eieraufleset» am nächsten Sonntag gebraucht. Der Brauch ist Männern vorbehalten: Nur die 16- bis 20-Jährigen dürfen teilhaben und «Eieraufleser» sein. 14 der rund 70 Dintiker in diesem Alter machen mit.

Die «Eieraufleset» ist ein alter alemannischer Brauch, wurde aber über die Jahre modernisiert und angepasst. Durchgeführt wird er jeweils am zweiten Sonntag nach Ostern. In Dintikon messen sich dann zwei Hauptfiguren, die «Weissen», in einem Wettkampf. Sie stellen Winter und Frühling dar, ringen um die Oberhand. 101 der beim «Gageln» gesammelten Eier werden aufgereiht und müssen vom «Frühling» eingesammelt werden. Strenge Regeln und das Treiben der restlichen, ebenfalls maskierten «Eieraufleser» machen ihm diese Aufgabe schwer.

Heute Montag werden die traditionsreichen Kostüme verteilt: Darunter sind unter anderem das Fraueli und das Herrlein: Sie ziehen als Paar durchs Dorf. Eine besondere Ehre ist es, das Kostüm der «Weissen» zu tragen. Die jungen Männer werden aus dem ältesten Jahrgang der Eieraufleser erkoren. «Wer welches Kostüm trägt ist aber noch geheim», erklärt Patrick Turnherr. Er ist zum zweiten Mal beim «Gageln» und «Eierauflesen» dabei. «Das erfährt man erst am Ende der Eieraufleset.» Nach einer Pause fügt der 16-Jährige an: «Die Mütter wissen es wohl schon vorher. Sie müssen ja die Kleider flicken.» Turnherr spricht aus Erfahrung.

Urs Gloor organisiert die Eieraufleset zusammen mit Brauchtumspfleger Kai Meier. Er ist etwas besorgt um deren Fortbestand: «Die Leute kennen den Brauch nicht mehr oder es scheint ihnen einfacher, den Jungs Geld in die Hand zu drücken.» Auch liessen sich die Jugendlichen nicht mehr so leicht begeistern.

Der eigens gegründete Verein «Freunde des Eierauflesens» bemüht sich deshalb um den Fortbestand des Brauches. «Bis jetzt hat es aber noch jedes Jahr funktioniert.» Und schliesslich fanden diejenigen, die weder Geld noch Eier für die Eieraufleset spenden, am Samstag eine Handvoll Spreu vor ihrer Haustüre: Das soll sie für das nächste Jahr mahnen, das «Gageln» nicht zu vergessen.

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