Geheimstufe rot gilt derzeit in Seengen. In vielen Scheunen und Schuppen wird fleissig gewerkelt. Diesmal entstehen nicht nur quartierweise die traditionell originellen und aufwändigen Jugendfest-Strassenbogen, sondern auch allerhand supponiertes Kriegsgerät.

Die Freischaren bereiten für übernächsten Samstag die handstreichartige Übernahme des Dorfes vor. Das Drehbuch sieht einmal mehr die Entführung einer Haremsdame aus den Gemächern von General Il Grandioso Adriano Capo di Gerbiverdi y Geranio y Tagetas vor.

Nun ein Freilichtspektakel

Wie bei allen Konflikten gibt auch diesmal ein Wort das andere und die Kriegserklärung auf dem Kreuzplatz am Ende des Umzugs durchs Dorf bildet den Startschuss zum elften Seenger Freischarenmanöver. Das erste Manöver fand am 6. Oktober 1867 noch mehr als militärische Ertüchtigung der Dorfjugend statt.

Inzwischen ist das Ganze zu einem historisch angehauchten, farbenprächtigen Freilichtspektakel geworden. Die früher an allen Bezirksschulen üblichen Kadettenkorps sind inzwischen abgeschafft und müssen ad hoc jeweils wieder belebt werden. Immer am Mittwoch-Nachmittag wurden die gut 100 freiwilligen Schüler, Knaben und Mädchen, mit Trockenschiessübungen und Zugschule gedrillt. Dabei dominiert ganz eindeutig der Spass.

Nun wurden mehr oder minder basisdemokratisch die Anführer gewählt. Jeder der vier Züge und auch das Gesamtkorps bekamen einen Anführer und einen Fahnenträger. Während Korpsfähnrich Tobias Zollinger sich in einer Kampfwahl durchsetzte, war Christoph Bruder als Kadettenhauptmann unbestritten. Es macht sicher Sinn, dass der Sohn des Gemeindeammanns das Dorf gegen die wilden Horden verteidigt.