Unweit der Lenzburger Altstadt, im Gebiet Ziegelacker/Burghalde, sind die Tiefbauarbeiten für die Überbauung Burghalden-Ring in vollem Gang. Die Firma Terrial realisiert hier etappiert bis im Sommer 2013 in zwei Baukörpern total 31 Wohnungen «in gehobenen Standard», eine Tiefgarage und Gewerberäume.

Während dieser Grabarbeiten wird Rücksicht genommen auf ein Relikt aus dem 17. Jahrhundert: Der hier erst im Jahre 1984 gefundene, bald 400 Jahre alte Sodbrunnen soll der Nachwelt erhalten bleiben und nachher weiterhin sichtbar sein, wie schon sein viel älterer «Bruder» in der Rathausgasse.

Abgetragen und rekonstruiert

Zu diesem Zweck werden die oberstenfünf Meter des Sodbrunnens nun beim Abgraben sorgfältig demontiert. Die einzelnen Bruchsteine des Schachts werden in grossen Säcken gesammelt. Dies geht relativ glatt, weil die Brunnenwände ohne Einsatz von Mörtel erstellt wurden.

Im weiteren Verlauf der Bauarbeiten werden spezialisierte Trockenmauerbauer (wie sie bereits am Lenzburger Schlosshügel im Einsatz standen) den Sodbrunnen rekonstruieren und über dem Erdgeschossniveau für alle sichtbar machen. Aufmerksam begleitet werden diese Arbeiten vom Lenzburger Stadtbauamt; zuständig ist Christian Brenner Abteilungsleiter Tiefbau.

Auf dem Stadtbauamt existiert auch eine Zeichnung des Sodbrunnens aus dem Jahre 2005. Vor sechs Jahren wurde eine Tiefe von rund 18 Metern gemessen; der lichte Durchmesser betrug rund 80 Zentimeter.

Fund im Jahr 1984

Gefunden wurde der Sodbrunnen im Gebiet Burghalde 1984 im Rahmen von Abbrucharbeiten eines alten Waschhauses hinter der ehemaligen Schmitte (Restaurant Burghalde). «Als das baufällige Gebäude im Zusammenhang mit dem Realit-Neubau an der Burghaldenstrasse dieser Tage abgebrochen wurde, verfing sich der ‹Baggerzahn› an einer mächtigen Mägenwiler Steinplatte», schrieb das damalige «Aargauer Tagblatt» am 1. Dezember 1984 über den «historischen Moment» der Entdeckung.

Das Areal gehörte der Lenzhof AG, die noch an Ort und Stelle entschied, «auf einige Parkplätze zu verzichten», um den Fund der Nachwelt zu erhalten. Der damalige Vizeammann Rolf Klauenbösch sicherte die Unterstützung der Stadt zu; bezeichnete dies als «Selbstverständlichkeit» angesichts der «weiteren Attraktion der Stadt».

Nun werden es 28 bis 29 Jahre seit dieser spontanen Zusage sein, bis der Fund für die Öffentlichkeit sichtbar sein wird. Der zweite Lenzburger Sodbrunnen wurde von der Kantonsarchäologie gemäss einer Notiz aus dem Jahr 1985 ins 17. Jahrhundert datiert und mit dem Vermerk versehen: «Der Nachwelt zu erhalten!»

Auf dem Boden des Sodbrunnens wurden damals Scherben geborgen, aus denen Jaroslav Jilek vom Museum für Urgeschichte in Zug einen Tontopf rekonstruierte und das Gefäss «auf die Zeit um 1800» datierte. Der innen olivgrün glasierte Topf gehört inzwischen zum Fundus des Lenzburger Museums Burghalde.