Der Kies soll weiter sprudeln. Deshalb planen die Niederlenzer Ortsbürger jetzt die nächsten Schritte, um den Kiesabbau für die kommenden Jahre sicherzustellen.

Die in Zukunft vorgesehene Kiesabbaufläche «Herrengasse» ist im aktuell gültigen Bauzonen- und Kulturlandplan der Gemeinde als Landwirtschaftszone geführt. Aus diesem Grund muss in einem ersten Schritt der Kulturlandplan aus dem Jahr 2013 angepasst werden. Auf der Gemeindeverwaltung liegt derzeit das Gesuch für eine entsprechende Teiländerung der Kiesabbauzone im Kulturlandplan vor. «Es handelt sich um eine vorübergehende Umnutzung», erklärt Gemeindeammann Jürg Link. Die vorgesehene Abbauzone werde anschliessend wieder rekultiviert.

Das Kieswerk Niederlenz mit der bestehenden (orange/blau/rot) und vorgesehenen (gelb) Abbauzone. CSD Ingenieure, Aarau

Das Kieswerk Niederlenz mit der bestehenden (orange/blau/rot) und vorgesehenen (gelb) Abbauzone. CSD Ingenieure, Aarau

Aktuell wird im südlichsten Teil der Neumatte (in der Karte blau und rot markiert) Kies gefördert. Die Reserven von 190 000 Kubikmeter reichen noch für zwei bis drei Jahre. Dann sind die bewilligten Abbaurechte ausgeschöpft. Das ist voraussichtlich Mitte 2020 der Fall. Deshalb wird nun gehandelt: «2020 wollen wir parat sein für den weiteren Kiesabbau», erklärt Heinrich Haller, Präsident der Kieswerkkommission.

Mit der Teiländerung der Kiesabbauzone «Herrengasse» im Kulturlandplan wollen die Ortsbürger den Kiesabbau sichern. Laut Haller sollen auf dem «Herrengasse»-Areal dereinst rund 700 000 Kubikmeter Kies abgebaut werden (in der Karte gelb markiert). Der jährliche Kies-Ausstoss im Werk Niederlenz beträgt derzeit rund 80 000 Kubikmeter. Die tatsächliche jährliche Abbaumenge kann variieren. Sie hänge von der Nachfrage des Marktes ab, erklärt Haller. Nicht zuletzt aus diesem Grund will man die bisherige Abbaupraxis beibehalten und auch an der «Herrengasse» den Kies in Etappen abbauen. Die übrige Fläche soll in der Zwischenzeit weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden.

Unbewilligte Rodungen

Ein zweites Gesuch der Ortsbürgergemeinde, das derzeit aufliegt, hat einen etwas delikaten Hintergrund. Bei dem als «Rodung der Parzellen 1050 und 1321» bezeichneten Antrag handelt es sich nämlich um ein eigentliches Versäumnis aus früheren Jahren. So hat man bei den laufenden Planungsarbeiten festgestellt, dass auf dem Kieswerkareal vor längerer Zeit mehr Wald gerodet wurde als ursprünglich bewilligt. Pendenzen gibt es zudem in der Aufforstung bei abgeschlossenen Rodungsgeschäften. Lücken, die man nun schliessen will. «Es wird in Niederlenz in Zukunft mehr Waldfläche geben als heute», verspricht Kieswerkkommissionspräsident Haller und erklärt, dass die Ortsbürgergemeinde grosse Investitionen in den ökologischen Ausgleich tätigt. Damit könne einer grossen Artenvielfalt an Flora und Fauna der wertvolle Lebensraum nachhaltig gesichert werden. Im vergangenen Jahr wurde auf dem Areal 70'000 Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial deponiert.

Damit der ertragsreiche Rohstoff nicht ausgeht, befasst man bereits heute mit der längerfristigen Planung. Seit 2015 betreiben die Ortsbürgergemeinden Lenzburg und Niederlenz ihre Kieswerke gemeinsam. Mit Sondierbohrungen wurde in den zwei Gemeinden die Qualität neuer Kiesvorkommen evaluiert.