Schloss Hallwyl
So wird die Oper geprobt: «Steigen wir ein bei ‹Sterben will ich…›»

Am Freitag in einer Woche ist Premiere. Die Proben für die Open-Air-Oper «Die Zauberflöte» laufen auf Hochtouren. Auch im kulinarischen Umfeld.

Fritz Thut
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Regisseurin Regina Heer (ganz rechts) instruiert die Knaben der Luzerner Kantorei über die nächste Szene.

Regisseurin Regina Heer (ganz rechts) instruiert die Knaben der Luzerner Kantorei über die nächste Szene.

Chris Iseli/AZ

Staunen bei den Besuchern im Schloss Hallwyl: Neben dem üblichen Angebot an lebendiger Geschichtsvermittlung gibt’s aktuell eine tüchtige Portion Kultur: Die finalen Proben für die fünfte Open-Air-Opern-Produktion finden nun am Spielort, im Hof bei der grossen Linde, statt. Hier wurden das Orchesterpodium und das Bühnenbild für «Die Zauberflöte» von Wolfgang Amadeus Mozart aufgestellt.

Einem grossen Puzzle gleich werden am Nachmittag und Abend die einzelnen Szenen geschliffen, teils nur mit Klavierbegleitung, teils mit dem gesamten argovia philharmonic. Die Reihenfolge der Auftritte stimmt noch keineswegs mit dem späteren Ablauf überein. Die einzelnen Mosaiksteinchen werden erst bei den Haupt- und Generalproben (die an diesem Wochenende beginnen) an den richtigen Ort gesetzt.

Bestimmt, wenn nötig energisch, aber stets mit viel Feingefühl sorgt Regisseurin Regina Heer dafür, dass ihre Vorstellung des Opernklassikers auf die Freiluftbühne übertragen wird. «Stopp», ist zu hören, wenn ein Detail nicht stimmt. Mit wenigen Worten werden die Akteure instruiert – weiter geht’s: «Steigen wir ein bei ‹Sterben will ich ...›».

Wo bleibt die Stimme?

Erstmals mit von der Partie waren diese Woche die «Drei Knaben». Buben der Luzerner Kantorei singen diese Partien. Wie alle Mitwirkenden mussten sie zuerst eine Sicherheitsinstruktion über sich ergehen lassen: «Die meisten Unfälle passieren während der ersten Probe.» Angesichts der Treppentürme im Bühnenbild wurde gar die Frage nach der Schwindelfreiheit der Kinder gestellt.

Passiert ist nichts, doch die Mitglieder der Luzerner Sängerknaben wunderten sich nach den ersten Einsätzen über ein Phänomen, das alle Open-Air-Debütanten feststellen: Wo bleiben unsere Stimmen? «Ich habe nur mich gehört», stellt einer fest. An der Abstimmung, der Lautstärke und dem möglichst unauffälligen Blick auf die Monitore mit dem Dirigenten wird weiter gearbeitet. Zur Premiere am 24. Juli wird alles bereit sein.

Schlummerbecher und Brunch

Während die Vorbereitungsarbeiten auf und hinter der Bühne vorangetrieben werden, wurden diese Woche auf dem Kiesplatz am Aabach die Einrichtungen für die Verköstigung der Opern-Besucher installiert. «Alles verläuft nach Plan», hält Giuliano Caranci vom Boniswiler «La Deliziosa» fest.

Das «Ristorante Italiano» ist bei der fünften Freilichtoper im Schloss Hallwyl erstmals für das Catering verantwortlich. Mit viel Herzblut arbeitet man hier daran, die Besucher vor, während und nach der Vorstellung zu versorgen. Richtig, auch «nach»: «Zum ersten Mal bieten wir auch einen Schlummerbecher an», so Caranci.

Auch sonst ist man um Innovationen bemüht. So gibt es an den beiden letzten regulären Aufführungssonntagen «einen gepflegten Brunch am Wasser», so der «Deliziosa»-Geschäftsführer. Neben feinen Happen gibt es am 9. und 16. August zum späten Zmorge musikalische Unterhaltung. Als Privatperson oder als Teil einer Gruppe kann man sich verköstigen lassen. Je genauer die Voraus-Reservation ist, desto präziser ist der Service: «Wir wollen lange Wartezeiten möglichst vermeiden», so Caranci.

Obwohl die Zufahrt zum Schloss wegen der Baustelle in Boniswil nur über Seengen erfolgen kann, ist «La Deliziosa» von allen Seiten erreichbar; man kann gut von Seengen her zum Parkplatz im Zentrum von Boniswil fahren.

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