«So wenig Wasser haben wir seit den Vierzigerjahren nicht mehr gemessen», sagt Ueli Haller, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft. Die MS «Hallwil» konnte für die anstehende Winterrevision gerade noch so aus dem See gezogen werden. «Es reichte auf den Zentimeter», so Haller.

Die Werft des 59-jährigen Michael Männich holt jeden Herbst rund 350 Boote aus dem Wasser. Dieses Jahr hat sie besonders viel zu tun: Weil viele Boote nicht mehr ohne Weiteres aus dem Wasser gezogen werden können, kommt zum Beispiel oft ein Kran zum Einsatz. Aus dem Wasser müssen auf jeden Fall alle Boote, denn weil der See zufrieren kann, schreibt dies das Reglement für Bootshalter auf dem Hallwilersee vor.

Kein einziger Sommersturm

«Für uns hat das Wetter zwei Seiten: Weil es im Sommer so schön war, hatten wir mit der Bootsvermietung sehr viel zu tun», erzählt er, während er ein kleines Arbeitsboot über den See steuert. «Dafür hat es ungewöhnlich wenig Reparaturaufträge gegeben, denn es hat den ganzen Sommer über kein einziges Mal gestürmt.» Für diesen Winter erwartet Männich wieder mehr Reparaturarbeiten: Bei den aufgelaufenen Booten werde es den einen oder anderen Schadenfall geben.

Tiefer Wasserstand im Hallwilersee fordert mehr Krantransporte

Tiefer Wasserstand im Hallwilersee fordert mehr Krantransporte (Beitrag vom 4. November 2018)

Grosse Herausforderung für Bootbesitzer: Wegen des momentan tiefen Wasserstandes, können Bootbesitzer ihr Boot nicht wie gewohnt mit einem Anhänger aus dem See ziehen.

Bei Männich arbeiten inzwischen zehn Angestellte. Zwei von ihnen sind die Kinder von Michael Männich. Jenny, 30, ist stellvertretende Geschäftsführerin und Yves, 27, arbeitet in der Werft und ist für die Instandhaltung der Immobilien verantwortlich.

Was für Pläne hat Männich noch? «Die Pensionierung!», lacht er. «Es wäre zumindest schön, wenn ich nicht mehr arbeiten müsste, sondern dürfte.» Dann würden die Kinder übernehmen – hoffentlich zumindest, denn so sicher ist das noch nicht. Allerdings sind beide schon fast zehn Jahre im Betrieb, kennen ihn längst in- und auswendig.

Und auch die zunehmend trockenen Sommer bereiten der Unternehmerfamilie keine grösseren Sorgen: «Spätestens im Frühling kommt das Wasser ja wieder», sagt Männich. Selbst für die im trockenen liegenden Schilfgürtel gibt es Hoffnung. Wie schnell es gehen kann, hat in diesen Tagen der Lago Maggiore gezeigt.

Der Lago Maggiore ist über die Ufer getreten

8. November: Nach heftigen Regenfällen ist in Locarno der Lago Maggiore über die Ufer getreten. Die Seepromenade steht komplett unter Wasser.

Im Tessin regnet es soviel, dass der Wasserspiegel in den vergangenen zwölf Tagen um ganze drei Meter angestiegen ist. Männich und Ueli Haller haben trotzdem wenig Verständnis dafür, dass der Kanton 500 Liter pro Sekunde in den Aabach ablässt. «Wir werden noch einmal zusammensitzen müssen», sagt Haller. Susette Burger, Sektionsleiterin Landschaft und Gewässer, weist die Kritik zurück: «Für die Erhaltung der Lebensräume braucht es diese Menge.»

Bereits im August war die Schifffahrt auf dem Hallwilersee schwierig:

Schifffahrt auf Hallwilersee wird zur Herausforderung

18. August 2018: Schifffahrt auf Hallwilersee wird zur Herausforderung