Schafisheim

So stressig waren die letzten Tage für Gartenpionier Labhart

Daniel Labhart und Claudia Schorro freuen sich über die Blütenpracht in den Testgärten.

Daniel Labhart und Claudia Schorro freuen sich über die Blütenpracht in den Testgärten.

Am Montag öffnet die grüne Branche die Türen. Für den Gärtnereibetrieb in Schafisheim ging es schon diese Woche los.

Es mag etwas paradox klingen: Doch es gibt tatsächlich Gewerbe, bei denen die teilweise Stilllegung der Schweizer Wirtschaft in den vergangenen sechs Wochen zu einem Mehr an Arbeit geführt hat. Zu ihnen gehört die Staudengärtnerei D. Labhart in Schafisheim.

Labhart ist spezialisiert auf die Produktion von pflegeleichten Pflanzen für Gärten und Dächer. Grossverteiler bis zu Privathaushalten versorgen sich bei der Gärtnerei mit Pflanzen. Zu seiner Situation sagt Firmeninhaber Daniel Labhart: «Durch den Lockdown fiel das Mengengeschäft der Grossverteiler weg. Anderseits haben die Kleinaufträge sprunghaft zugenommen.» Unter dem Strich jedoch fehlt Labhart Geld in der Kasse. Doch wollen er und seine Partnerin Claudia Schorro sich nicht darüber beklagen. «Im Gegensatz zu anderen Branchen und Betrieben kommen wir mit einem blauen Auge davon.»

Einzigartige Pflanzenkonzepte

Ab Montag weht in der Branche wieder ein anderer Wind. Blumengeschäfte, Gärtnereien, Gartencenter und die Baumärkte der Grossverteiler sind ab kommendem Montag, 27.April wieder offen. «Wir sind sehr froh darüber», so Labhart und Schorro. Die anstehende Lockerungsmassnahme des Bundesrats macht sich in Labharts Betrieb bereits seit einigen Tagen bemerkbar. Die rund 20 Mitarbeitenden haben mit dem Rüsten von grösseren Bestellungen alle Hände voll zu tun. Die Grossverteiler wollen parat sein, wenn die Hobbygärtner wieder in die Gartenabteilungen strömen.

Unter welchen Schutzvorkehrungen das bei Labhart selber möglich ist, erklärt er so: «Eine Person im Kassenhaus und ebenfalls eine Person pro Gartenabteil im Gärtnereiladen. Auf dem gesamten 550 Quadratmeter grossen Gärtnereiladen dürfen sich maximal 20 Personen auf einmal aufhalten.»

Inhaber Daniel Labhart ist kein gewöhnlicher Pflanzenproduzent. Sein Betrieb ist einzigartig in der Schweiz. Mit ausgeklügelten Pflanzenkonzepten hat er sich einen Namen gemacht. Auf dem Rundgang durch den rund zehn Hektaren umfassenden Betrieb macht sich seine Passion für das Handwerk auf Schritt und Tritt bemerkbar. Da sind rund 40 Testgärten angelegt, in denen Labhart mit verschiedenen Pflanzenmischungen nach ganz bestimmten Kriterien experimentiert. «Immer mit dem Ziel, eine üppige, pflegeleichte Staudenrabatte zu entwickeln, die vom Frühling bis im Herbst blüht.» Diese finden hohen Anklang bei den Kunden, erzählt er.

Eröffnung Gärtnerkafi muss warten

Seit Daniel Labhart vor zwanzig Jahren den Betrieb von seinem Vater übernommen hat und 2003 an den heutigen Standort im Schofiser Wil gezogen ist, beschäftigt er sich mit dem Erforschen und Kultivieren von pflegeleichten Pflanzen für den Garten und öffentliches Grün. Er betont sein Anliegen: Fachpersonen, wie auch privaten Pflanzenliebhabern die reichhaltige Welt der Pflanzen wieder nahe zu bringen. In den vergangenen Jahrzehnten hätten bedauerlicherweise viele Pflanzen und Tiere durch den Wechsel zur Monokultur ihren Lebensraum verloren und seien deshalb verschwunden. Dagegen kämpft Labhart seit Jahren an. Angetrieben von einem Pioniergeist, dessen Ursprung in der Liebe zur Natur und zur Artenvielfalt wurzelt.

Aus dieser jahrelangen Forschungsarbeit sind zudem die Sellana-Pflanzenziegel entstanden. Eine Weltneuheit, die Labhart hat patentieren lassen. Die vorproduzierten sechseckigen Pflanzenziegel sind in Mischungen zu haben, die sich nach der Bodenbeschaffenheit beziehungsweise dem Kundenbedürfnis richten.

Eine weitere Neuerung steht an im Hause Labhart: das Gärtnerkafi. Im Selbstbedienungsbetrieb können Kunden sich bei Kaffee und Kuchen zum Plauderstündchen treffen. Das kleine blaue Holzhaus am nördlichen Ende des Grundstücks mutet an wie eine Ferienoase mitten in farbig blühenden Blumenbeeten und spriessenden Stauden. Das Gärtnerkafi kann jedoch erst eröffnet werden, wenn es zu Lockerungen im Gastrobereich kommt. Daniel Labhart und Claudia Schorro hoffen, dass es bald so weit ist und alles wieder in normalen Bahnen laufen kann.

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