Die Blumensträusse sind riesig: Olga Wassmer ist überwältigt, weiss kaum, wie ihr geschieht, als ihr Gemeindeammann Ruedi Hediger am Donnerstagabend die zwei Blumengebinde in die Arme legen will. «Es isch mir z’schwär, Sie müend mir hälfe», bittet sie. Hediger schmunzelt, der Anlass ist auch für den Rupperswiler Ammann kein alltäglicher: Er überbringt seiner ältesten Dorfbewohnerin, die im Alters- und Pflegeheim Länzerthus in Rupperswil ihren 100. Geburtstag feiert, Glückwünsche vom Gemeinderat und gleichzeitig auch von der Aargauer Regierung. Die Freude über Mutters Feiertag ist auch bei Sohn und Tochter von Olga Wassmer gross, beide sind zur kleinen Feier gekommen, der Sohn ist mit seiner Frau aus Asien angereist.

Olga Wassmer sitzt im Kreis ihrer Gratulanten. Das Apéro-Häppchen auf ihrem Teller bleibt praktisch unberührt. Mit einem stillen Lächeln im Gesicht und wachen Augen blickt die 100-Jährige in die Runde, geniesst den feierlichen Augenblick offensichtlich. Ausführliche Gespräche führen mag sie nicht mehr. Sie ermüdet rasch, seit sie vor zwei Jahren eine gesundheitliche Zäsur erlitten hat. Seither lebt Olga Wassmer im «Länzerthus». An ihrer Stelle erzählt Tochter Heidi Rufli: Im Dorf sei die Mutter bekannt als «s’Metzger-Olgi». Olga Wassmers Vater gehörte die Metzgerei Berner, heute ist der Denner an diesem Standort untergebracht. Die Mutter habe praktisch das ganze Leben in Rupperswil verbracht, dürfe auf gute Jahre zurückblicken, sagt Heidi Rufli. Sie berichtet über die Bergwanderungen, welche die Mutter in ihrer Jugend mit den Eltern gemacht habe.

Das Hobby hat Olga Wassmer auch später mit der eigenen Familie gepflegt. Eine Ausbildung konnte Olga Wassmer nicht machen, ihre Hände wurden in der elterlichen Metzgerei benötigt. Umso mehr frönte sie ihrer Leidenschaft, dem Nähen. Ihre eigene Garderobe hat Olga Wassmer selber genäht und die ihrer Kinder auch. Heidi Rufli erinnert sich noch heute an Jugendfest- und später Maienzugkleider, welche die Mutter ihr genäht und dafür stets edle St.-Galler-Stickerei verwendet hat. Auch den Ehemann habe die Mutter im Dorf kennen gelernt, 1942 wurde geheiratet. Zu Sohn Alfred und Tochter Heidi gesellten sich zwei Enkel. Und dann, so verrät Tochter Heidi Rufli, werde die 100-Jährige schon bald Urgrossmutter. Zum ersten Mal.