Niederlenz
Sinfonische Tänze mit dem musiXmaX

Première der zweiundzwanzigsten Saison des «Harmonieblasorchesters des Mittelaargaus».

Von Daniel Willi
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65 Musikerinnen und Musiker spielen aktuell im Harmonieblasorchester musiXmaX.

65 Musikerinnen und Musiker spielen aktuell im Harmonieblasorchester musiXmaX.

zvg

Fast jede Gemeinde im Aargau hat seine eigene Blasmusikformation, welche in verschiedensten Aktionsformen an die Öffentlichkeit tritt.

Daneben gibt es leistungsfähigere, regionale Ensembles, welche ambitionierteren Musikanten die Möglichkeit geben, Musik auf höherem Niveau zu machen, ohne deren Stammvereine konkurrenzieren zu wollen, indem sie projektweise – häufig auch mit eigens engagierten Gastdirigenten – arbeiten. So auch das «Harmonieblasorchester des Mittelaargaus» mit dem lustigen Namen «musiXmaX», welches sich nach einer jeweils zweimonatigen Probephase und drei Konzerten bis zum nächsten Jahr wieder in einen «Dornröschenschlaf» begibt.

Die Vorteile des musiXmaX in musikalischer Hinsicht liegen auf der Hand: Man hat einen guten Probenbesuch mit hoch motivierten Mitgliedern und kann gezielt eine Besetzung zusammenstellen, die nicht dem Zufall überlassen ist.

musiXmaX tritt aktuell mit rund 65 Spielende auf – davon rund zwei Drittel Holzbläser, wie es Werke der Höchsten und 1. Stärkeklasse, die auf dem Programm der diesjährigen Premiere in Niederlenz standen, verlangen. Das Orchester verfügt auch über eine Handvoll professioneller Registerleiter, welche zusammen mit dem umsichtigen und technisch tadellosen Dirigenten Roland Fröscher, der nun schon zum sechsten mal am Pult steht, das Programm in aufwändiger Detailarbeit einstudieren. Dieses Programm 2016 steht unter dem Titel «Sinfonische Tänze» – ein Thema, zu dem eine Überfülle an originaler Blasorchestermusik zur Verfügung steht. Fröscher eröffnete mit der rund 10-minütiger Fantasie «Noah’s Ark» des Belgiers Bert Appermont. Appermonts viersätziges Werk (wo sind die Satzüberschriften im überhaupt etwas dürftigen Programmblatt?) von 1998 kommt im Stil einer gut gemachten Filmmusik daher, erreicht aber nicht die Tiefe von Alfred Reeds «Armenian Dances – Part II», dem Hauptwerk des Abends.

Reeds zweiteilige Armenische Tänze gehören zum Standardrepertoire leistungsfähiger Blasorchester. Der selten gespielte, zweite Teil ist in sich dreisätzig und würde in den Intentionen des Komponisten zusammen mit dem ersten Teil eine viersätzige Suite ergeben. Schade, dass letzterer, welchen musiXmaX natürlich schon früher aufgeführt hat, hier fehlte.

Solisten überzeugten

Fröscher lieferte eine packende und spannungsgeladene Interpretation des Werkes, auch wenn der klangmalerische Beginn etwas zu klar erschien und man gelegentlich die Solisten (etwa das Englischhornsolo im 1. Satz) in der Klangbalance besser herausschälen könnte. Blitzsauber geriet der 2. Satz (Hochzeitstanz) in der für die Blasmusik ungewohnten Tonart G-Dur, und im überlangen 3. Satz blieb die Spannung bis am Schluss gewahrt.

Nach der Pause, in Adam Gorbs bekannten «Yiddish Dances» hatte das Orchester ausgiebig Gelegenheit, seine überzeugenden Solisten zu präsentieren – allen voran die Piccolo-Klarinette im typischen Klezmer-Stil.

Mit Kenneth Hesketh’ «Danceries» über Renaissance-Tanzmelodien rundete musiXmaX sein in sich überaus stimmiges Tanz-Programm ab und fügte zwei passende Zugaben (eine «Riverdance»-Fantasie und ein Satz aus Reeds zweiter Suite – «Latino-Mexicana») an.

Der Gemeindesaal Niederlenz ist für den Auftritt einer derart hochkarätigen Formation nur bedingt geeignet. So hat das Publikum kaum eine Sicht auf das ganze Orchester und man kämpfte mit technischen Problemen – störende Geräusche der Saal-Lüftung etwa, und zu gedämpftes Licht im Zuschauerraum.

Konzerte: Samstag 29. Oktober, 20.15, Saalbau Stein AG – Sonntag 30. Oktober, 18.30, Löwensaal Beinwil am See