Lenzburg

Sind Killerspiele die Ursache für Gewalttaten?

Missionserfüllung: In der virtuellen Welt bringt jeder tödliche Schuss den Spieler seinem Ziel näher. AZ ARCHIV

Missionserfüllung: In der virtuellen Welt bringt jeder tödliche Schuss den Spieler seinem Ziel näher. AZ ARCHIV

Befürworter und Gegner diskutieren im Zeughaus über den Umgang mit Killerspielen. Sie waren sich in vielen Punkten nicht einig. Klar ist aber: Die Diskussionen rund um die Spiele haben viele mit Reibung zwischen Jungen und Alten zu tun.

«Ist eine Welt ohne Killergames eine bessere Welt?» Mit dieser Frage eröffnete Moderator Detlef Vögeli am Montagabend die Diskussionsrunde zu «Gewalt in Computerspielen: Macht virtuelles Töten gewalttätig?» Seine Gesprächspartner im Zeughaus Lenzburg, in der Ausstellung «Home», waren der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl, der Berner SP-Grossrat Roland Näf und Thomas Riediker, Präsident des Vereins «Game-Rights».

Weniger Gewalt, mehr Mitgefühl

Näf, der 2007 eine Standesinitiative zum «Verbot von Killerspielen» eingereicht hatte, geht davon aus, dass in einer «Welt ohne Killergames» die Gewalt ab- und das Mitgefühl zunimmt. Guggenbühl hatte zwar Verständnis, dass «uns die Jugendgewalt besorgt». Killerspiele aber erachtet er nicht als Ursache für die «grässlichen Vorfälle», die sich in jüngster Zeit ereignet hatten. Viel wichtiger, meint er, sei bei solchen Gewalttaten das soziale Umfeld. Er nennt als typischen und wichtigsten Faktor das Aufwachsen in einem schwierigen Milieu. «Wenn zu Hause niemand schaut und auch Lehrpersonen wegschauen», dann seien Jugendliche besonders gefährdet.

«Niemand», entgegnete Näf, «würde behaupten, dass solche Gewalttaten auf einen einzigen Faktor zurückzuführen sind. Killerspiele hingegen wirken als Verstärker und sind eine Trainingsmöglichkeit.» Das wiederum wollte Gamer Riediker so nicht stehen lassen: «Solche Spiele sind keine Trainingsspiele.» Der physische Aspekt fehle. Eine Waffe sei schwer. Anders als beim Computerspiel müsse man eine Waffe halten und handhaben können.

Für die meisten unproblematisch

Punkte aber erhalte man bei diesen Spielen fürs Töten von Menschen, blieb Näf beharrlich. Riediker hielt dagegen, dass die Spiele eine Story hätten. Wie beim Lesen eines Buches erlebe der Spieler in einer fiktiven Welt ein Abenteuer. Und: «Punkte erhält der Spieler mit dem fortschreitenden Erfüllen einer Mission.» Die Grenze zwischen Realität und Fiktion zieht auch Guggenbühl. Er betrachtet es als Fortschritt, wenn Gewalt statt real lediglich auf einer symbolischen Ebene im Spiel geschieht: «Diese Art von Freizeitbeschäftigung, bei der man Aggressionen abreagieren kann, ist für die meisten unproblematisch.»

Massnahmen zum Jugendschutz

Macht es somit wenig Sinn, Verbote für Killerspiele zu fordern? Riediker, der sich ganz klar gegen ein absolutes Verbot für Killerspiele wie etwa «Call of Duty», «Counterstrike» oder «Battlefield» ausspricht, befürwortet dennoch Altersbeschränkungen nach Pegi (Pan European Game Information). Pegi ist ein europaweites System mit Altersempfehlung und Inhaltsbeurteilung. Hersteller und Händler in der Schweiz haben sich freiwillig verpflichtet, die Pegi-Einstufungen beim Verkauf einzuhalten.

Trotzdem aber geht Riediker einen Schritt weiter und fordert: «Die Grundsätze von Pegi sollten gesetzlich verankert werden.» In diesem Punkt finden sich denn auch Gegner und Befürworter von Killerspielen. Näf, der es zunächst als Erfolg wertet, dass dank der Diskussion rund um die Initiative der Verkauf von Killerspielen eingeschränkt wurde, sieht von einem absoluten Verbot ab. Trotz allem aber betont er: «Es gibt keinen strafrechtlichen Entscheid zum Jugendschutz.»

Streit zwischen Generationen

Auf die Publikumsfrage schliesslich, weshalb Killerspiele immer wieder zu Diskussionen führen, haben Guggenbühl und Näf die gleiche Antwort. Für Näf sind «der Streit gut und die Reibung nötig» und Guggenbühl meint: «Generationen müssen sich gegenseitig aufregen.» Sie sind sich aber auch einig, dass Erwachsene klare Grenzen setzen müssen.

Ausstellung«Home – willkommen im digitalen Leben» bis 27. November im Zeughaus Lenzburg.
www.stapferhaus.ch

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