Beinwil am See
Sind die Wellen zu hoch? Keiner will Ammann im Seedorf werden

Auch die Ortspräsidenten von Beinwil am See waren auf ihrer Suche nach einem neuen Gemeindeammann glücklos. Grund ist der hohe Zeitaufwand und der tiefe Lohn. Die Hoffnungen liegen auf spontane Kandidaten im zweiten Wahlgang.

Isabelle Schwab
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Blick auf Beinwil am See

Blick auf Beinwil am See

Toni Widmer

Mit drei Rücktritten tut sich diesen Wahlherbst ein Loch im Gemeinderat Beinwil auf. Der bisherige Gemeindeammann Johannes Eichenberger, Vizeammann Christian Merz und Gemeinderätin Claudia Holliger hören allesamt auf. Für das Amt des Vizeammanns gibt es einen Kandidaten, ein potenzieller Gemeindeammann liess sich aber nicht finden.

Die Präsidenten der Ortsparteien FDP, SP und SVP suchten schon vor Anmeldeschluss nach Kandidaten, erhielten jedoch nur Absagen. Den rund 3000 Einwohnern der Gemeinde fehlt nach wie vor ein fünfter Gemeinderat und Gemeindeammann.

Hoher Zeitaufwand, wenig Lohn

«Es ist vor allem eine Frage der Zeit», sagt SP-Ortsparteipräsident Harri Widmer. Kaum jemand sei bereit, beruflich zurückzustecken. Als Gemeindeammann habe man ein Pensum von 30 Prozent und würde, im Vergleich zu anderen Gemeinden, nur dürftig entlöhnt. «Es wird niemand nur aus Selbstlosigkeit Gemeindeammann», so Widmer.

Mit Gemeinderätin Jacqueline Widmer, die bereits eine Amtsperiode waltet, sei die SP ausserdem bereits gut vertreten. Man habe keine Kampfwahl zwischen zwei SP-Kandidaten provozieren wollen. «Rein vom Wähleranteil her kann ich mir gut vorstellen, dass ein SVP-Mitglied Gemeindeammann wird», gibt Widmer einen Tipp für den 22. September ab.

Der SVP-Ortsparteipräsident Christoph Giger ist selbst Kandidat für den Gemeinderat, kann sich aber nicht als Ammann zur Verfügung stellen. «Ich habe vor kurzem eine 100-Prozent-Stelle angenommen»; es würde schwierig, mit dem Arbeitgeber neu zu verhandeln. Ausserdem sei auch für ihn der finanzielle Aspekt ein Problem. «Ich muss schliesslich für zwei Kinder und eine Frau sorgen.»

Aufgegleiste Zukunft

Auch in der SVP liess sich kein zusätzlicher Kandidat finden. «Nach der knappen Niederlage in der ‹Löwen›-Abstimmung sind viele nicht bereit, sich für die Umsetzung einzusetzen.»

In der Abstimmung im Herbst 2012 war die SVP gegen den Umbau des Hotels Löwen in die Gemeindeverwaltung und die damit verbundene Immobilienstrategie der Gemeinde. «Wir sind immer noch der Meinung, dass dieser Umbau ein Fass ohne Boden wird», so Giger.

Zudem seien viele Projekte angedacht und es gehe in den nächsten Jahren nur noch um deren Umsetzung. «Zum Teil bekommt man als Böjuer das Gefühl, dass man nichts mehr verändern kann», sagt er weiter. Er selbst will sich trotzdem oder gerade deshalb für die Gemeinde einsetzen und zur Zukunft beitragen.

Anspruchsvolle Aufgaben

Mit zwei Kandidaten, Matthias Räber und neu Thomas Wiederkehr, startet die FDP in die Gemeinderatswahlen. Matthias Räber ist bereits drei Jahre im Amt und diesen Herbst Kandidat für das Vizeammann-Amt.

FDP-Ortsparteipräsident Samuel Wiederkehr sagt, dass bei den beiden freisinnigen Kandidaten bedingt durch die berufliche Belastung kein Interesse am Ammann-Amt bestehe. «Ein Kandidat braucht die Möglichkeit, sein berufliches Pensum zu reduzieren, um auch unter der Woche Termine wahrnehmen zu können.»

Zudem wolle man sich an den bevorstehenden Projekten nicht die Finger verbrennen. Die Mitglieder des Gemeinderats würden in Zukunft grosse Aufgaben erwarten.

Für die Wahlen könne er keine Prognose machen. «Wir haben aber die leise Hoffnung, dass sich jemand nach dem ersten Wahlgang bereit erklärt, das Amt zu übernehmen», sagt Wiederkehr.

Hoffnung auf zweitem Wahlgang

Auch Matthias Räber, wie erwähnt Kandidat der FDP für das Vizeammann-Amt, schliesst seine Kandidatur als Gemeindeammann aus. Dies läge bei seinem beruflichen Pensum nicht drin, sagt er. Ob für mögliche Bewerber der Lohn als Gemeindeammann im Vordergrund stehe, kann Räber nicht beantworten. «Die Entschädigung war bei meiner Entscheidung aber kein Kriterium».

Die bereits angedachten Projekte wie die in den letzten Jahren erarbeitete Immobilienstrategie sehe er auch nicht als Hindernis für einen Neueintritt in den Gemeinderat. «Es ist wie bei jedem Beruf, es braucht einfach eine gewisse Einarbeitungszeit.» Man müsse natürlich den Volkswillen umsetzen, aber: «Es gibt noch viele Dinge, die man anpacken kann.»

Wer Gemeindeammann und/oder fünfter Gemeinderat wird, kann Räber noch nicht sagen: «In einem zweiten Wahlgang wird sich im Dorf hoffentlich jemand finden, der bereit ist, die Zukunft der Gemeinde in der Exekutive mitzugestalten.»

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