Hallwilerseelauf
Silvio Bertschi ist der schnellste «Pöstler» am Hallwilersee

Hallwilerseelauf Silvio Bertschi fehlte an keiner der 38 Austragungen. Auch diesmal kam der 61-Jährige direkt von der Arbeit zu «seinem» Rennen, selbst wenn die Teilnahme noch nie derart auf der Kippe stand wie in diesem Jahr.

Rainer Sommerhalder
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Silvio Bertschi am Hallwilerseelauf

Silvio Bertschi am Hallwilerseelauf

Alexander Wagner

Silvio Bertschi ist eine Wynentaler Laufsport-Legende. 28mal schulterte er das Gewehr für den Reinacher Waffenlauf, rund 30mal nahm er am Engadin Skimarathon teil. Doch nie ist er vor einem Rennen derart nervös wie vor dem Hallwilerseelauf. Diesmal war es besonders schlimm, denn bis zuletzt konnte sich der Postbote aus Pfeffikon nicht sicher sein, ob er es erstmals in der Geschichte des Laufs nicht ins Ziel schaffen würde.

Eine hartnäckige Zerrung begleitet ihn seit Monaten. „In den letzten zwei Wochen konnte ich überhaupt nicht trainieren", sagte Bertschi vor dem Lauf, «deshalb kann ich auch nicht abschätzen, wie lange ich brauche». Da kam es ihm ganz gelegen, dass er noch am Morgen des Rennens im Startort Beinwil am See die Post verteilte. „Da kann ich abschalten und werde nicht noch nervöser", erklärt Bertschi. An den Ausnahmezustand im Dorf wurde er auf seiner Tour trotzdem immer wieder erinnert. Sei es durch die restlos zugeparkten Quartierstrassen, sei es durch die vielen persönlichen Glückwünsche seiner „Kundschaft".

Jahrelang lag Bertschis persönlicher Richtwert für die Seeumrundung bei 90 Minuten. 33mal in Serie unterbot er diese Zeit, sein Rekord liegt bei beachtlichen 1:17,30. Im letzten Jahr wuchs er nochmals über sich hinaus, lief in 1:31 ins Ziel. Diesmal ging es ihm nicht um die Zeit, sondern ums Ankommen. «Ungefähr ab der Passage beim Hotel Delphin spürte ich, dass ich Tempo rausnehmen musste, aber immerhin habe ich es ins Ziel geschafft.» 1:49 Stunden benötigte er.

Die Erleichterung war Bertschi ins Gesicht geschrieben. Er, der wegen des Hallwilerseelaufs auch schon früher aus den Ferien zurückkam, der nie krank oder verletzt war, wollte die weisse Weste unbedingt behalten. Jetzt ist er in Gedanken bereits im übernächsten Jahr, wenn es zum vierzigsten Mal wettkampfmässig rund um den See geht. Für die Anekdoten-Sammlung in der Jubiläumsbroschüre gibt es keinen besseren Lieferanten als den Wynentaler. Zum einen, weil er keinen Lauf ausgelassen hat. Zum andern, weil Silvio Bertschi die Post nicht nur liefert, er produziert sie auch mit. Als Laufsport-Journalist überzeugt er seit Jahren ebenso sehr wie als aktiver Läufer.