Fahrwangen

Sie war die erste Frau Gemeindeammann im Kanton Aargau

Anni Lanz, am Ende ihrer Amtszeit als Gemeindeammann. zvg

Anni Lanz, am Ende ihrer Amtszeit als Gemeindeammann. zvg

Anni Lanz war von 1984 bis 1989 in Fahrwangen die erste Frau Gemeindeammann im Kanton Aargau. Nun ist sie vor einer Woche 85-jährig verstorben.

Vor einer Woche ist in Meisterschwanden einen Tag nach ihrem 85. Geburtstag Anni Lanz-Maurer verstorben. Zwischen 1984 und 1989 wirkte sie in ihrer damaligen Wohngemeinde Fahrwangen als Gemeindeammann – als erste Frau im Aargau in dieser Funktion.

In der jüngsten Ausgabe von «fazit – Fahrwanger Zitig» würdigte Kurt Leuenberger das politische Wirken der Verstorbenen. Der Artikel wird in der Folge mit Einwilligung des Autors leicht modifiziert wiedergegeben.

«Am 7. Februar 2011 jährte sich die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen zum 40. Mal. Grund genug, eine Frau in Erinnerung zu rufen, welche als erste Frau Gemeindeammann des Kantons Aargau in die Geschichte einging und sechs Jahre die Geschicke der Gemeinde Fahrwangen leitete. Anni Lanz interessierte sich bis zuletzt für das Zeitgeschehen.

Anni Lanz ist in Meisterschwanden aufgewachsen und hat in Fahrwangen die Bezirksschule besucht. Sie war 13 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Diese schwierige Zeit hat eine ganze Generation stark geprägt und auch das politische Interesse geweckt.

Beide Elternteile waren berufstätig und die Kinder lernten bereits in jungen Jahren, selbstständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Nach der Schulzeit folgte ein Welschlandjahr. Der Kontakt zu den Eltern beschränkte sich in jener Zeit auf Briefwechsel, da Urlaub kein Thema und das Telefonieren zu teuer war.

Zurück im Seetal arbeitete sie als kaufmännische Angestellte während neun Jahren bei der Firma Alpinit in Sarmenstorf. Eine Berufslehre mit Besuch der Gewerbeschule war für Mädchen in jener Zeit noch nicht üblich. So eignete sich Anni Lanz die notwendigen Kenntnisse in Abendkursen an. Oft fuhr Sie dafür mit dem Velo nach Wohlen und spät abends wieder zurück.

Das erste politische Mandat

Im Jahre 1955 zog sie mit ihrem Mann und den Kindern nach Fahrwangen. 1962 galt es, in der Schulpflege eine Vakanz neu zu besetzen. Eine sehr engagierte, langjährige Unterstufenlehrerin setzte sich damals sehr für die Sache der Frauen ein. Sie lud Fahrwanger Frauen zu einer Informations-Veranstaltung ein.

Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte man fest, dass Anni Lanz als Mutter von drei schulpflichtigen Kindern die Voraussetzungen für dieses Amt mitbringen würde. Wenige Tage später besuchte sie die Präsidentin des gemeinnützigen Frauenvereins und fragte, ob sie die Aufgabe als Schulpflegerin annehmen wolle. Sie sagte zu und engagierte sich fortan 12 Jahre für diese Aufgabe.

Diese Ära war sehr interessant und lehrreich und bildete zudem eine ausgezeichnete Basis für kommende Aufgaben.

Wahl in den Gemeinderat

1973 wurde Anni Lanz von der FDP für das Mitwirken im Gemeinderat angefragt. In dieser Zeit gab es drei Ortsparteien und an Kandidaten fehlte es nicht. Für den 2. Wahlgang bewarben sich nicht weniger als 8 Kandidaten für 4 Sitze. Der Wahlausgang war äusserst knapp. Es resultierte der 4. Rang und damit die Wahl als Gemeinderätin.

Die Akzeptanz im Männergremium war von Beginn weg vorhanden und mit dem Ressort Schule, Gesundheitswesen, Soziales war Anni Lanz rasch vertraut. Mitunter wirkte sie 12 Jahre als Präsidentin des Altersheimvereins und war 11 Jahre in der Amtsvormundschaft des Bezirks Lenzburg tätig.

Im Jahre 1981 wurde Anni Lanz als Vizeammann gewählt und so war drei Jahre später der Vorschlag als Gemeindeammann die logische Konsequenz.

Mit ihrer Weltoffenheit, ihren Kenntnissen der Kommunalpolitik und ihrem Verständnis für Familienprobleme wurde Anni Lanz von allen Bevölkerungsschichten anerkannt und geschätzt. Der Vorschlag als Gemeindeammann wurde dann auch durch alle Parteien unterstützt.

Ende Februar 1984 wurde Anni Lanz mit einem glanzvollen Resultat zum Gemeindeammann von Fahrwangen und damit zur ersten Frau Gemeindeammann des Kanton Aargau gewählt.

Der Blick zurück

Auf ihre politische Laufbahn angesprochen sagte Anni Lanz, dass es sich dabei um die schönsten Jahre ihres Lebens gehandelt habe. Sie habe sich von Beginn weg im Männergremium wohlgefühlt, habe Ideen einbringen und verwirklichen können und sei von Gemeindeschreiber Fredi Fischer und Finanzverwalter Martin Freiburghaus immer sehr gut unterstützt worden. Einer der Höhepunkte war sicher die Einweihung des Bezirksschulhauses im Juni 1985.

Auf Ende 1989 gab Anni Lanz nach 16 Jahren den Rückritt aus der Kommunalpolitik bekannt. In ihrer Abschiedsrede zitierte sie den Text eines bekannten französischen Chansons von Edith Piaf: ‹Non – je ne regrette rien.

Auch wenn das Frauenstimmrecht heute längst eine Selbstverständlichkeit ist, riet Anni Lanz jüngeren Frauen, sich für die Politik zu interessieren und zu engagieren. Die wichtigste Voraussetzung für die Übernahme eines politischen Mandats sei jedoch die hundertprozentige Unterstützung durch den Partner.» (az)

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