Seengen

Sie stach 27 Mal auf ihn ein: War ein Medikamenten-Cocktail Schuld?

Verhängnisvoller Medi-Cocktail

Agnes J. stach 27 Mal auf ihren Lebenspartner ein und verletzte ihn schwer.

Agnes J. stach 27 Mal auf ihren Lebenspartner ein und verletzte ihn schwer. Ihr drohen fünf Jahre Gefängnis. Nun erklärt ihr Anwalt die Tat. 

Eine Frau stach 27 Mal auf ihren Lebenspartner ein und verletzte ihn schwer. Heute sind sie nach wie vor zusammen. Doch ihr drohen 5 Jahre Gefängnis - die Staatsanwaltschaft hat vor kurzem Anklage erhoben. Nun gibt ihr Anwalt eine mögliche Erklärung.

Am Samstag, dem 23. März 2013, soll eine heute 61-jährige Schweizerin in einem Einfamilienhaus in Seengen ihren schlafenden Partner mit einem Küchenmesser attackiert haben. 27 Schnitt- und Stichverletzungen fügte sie ihm zu, wie die Ermittlungen ergaben. Einige der Verletzungen des Mannes waren lebensgefährlich, doch der Mann überlebte. 

Der heute 60-jährige Schweizer erwachte ob der Verletzungen. Es gelang ihm, seiner Lebenspartnerin das Messer wegzureissen und ins Bad zu flüchten. Dort brach er ohnmächtig zusammen.

Doch als er wieder zu sich kam und das Badzimmer verlassen wollte, stand seine Partnerin wieder mit einem Messer vor ihm. Wieder stach sie auf ihn ein. Als sie von ihm abliess, rief sie selber die Ambulanz, ehe sie in der Küche auf sich selbst einstach. 

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Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat vor kurzem Anklage erhoben gegen die Frau und fordert wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Gefängnisstafe von 5 Jahren sowie die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme. 

Kurios: Der Mann und die Frau sind nach wie vor ein Paar. «Es tut ihr wahnsinnig Leid. Er hat ihr verziehen», sagt ihr Anwalt Wilhelm Boner. 

Seine Mandantin verstehe es nicht, dass sie, die keine Vorstrafen habe, «so etwas habe tun können».

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Laut einem psychiatrischem Gutachten war die Schuldfähigkeit der heute 63-Jährigen zur Tatzeit «in schwerem Grade vermindert». Wie konnte es also zu dieser Tat kommen?

Vor der Tat hatte sie sich in den Skiferien einen schweren Beinbruch zugezogen, so TeleM1. Sie konnte sich kaum bewegen, hatte starke Schmerzen. Dazu kamen Schlafstörungen und ein labiler Gemütszustand. 

Laut Anwalt Boner nahm sie Medikamente gegen die Schlafstörungen und die Schmerzen. Sie habe in der Tatnacht einen regelrechten Medikamenten-Cocktail intus gehabt, auch das Beruhigungsmittel Temesta habe sie genommen. 

Laut der Vize-Präsidentin des Aargauer Apothekerverbandes Ursula Egloff könne dieses psychische Nebenwirkungen haben: «Erregbarkeit, Wutausbrüche oder Aggressionen.» Und die Kombination mit anderen Medikamenten könnten die Nebenwirkungen noch verstärken. 

Das könnte eine plausible Erklärung für den Tötungsversuch an ihrem Lebenspartner sein. Darüber werden die Richter zu entscheiden haben. Bis zu ihrem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. (pz)

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