Lenzburg

Sie küssen sich gegen Diskriminierung: Homosexuelle demonstrieren für mehr Toleranz

Küssen gegen Diskriminierung

Küssen gegen Diskriminierung

Weil sie zwei Väter haben, wurden Rahul und Rafael von einer Spielgruppe abgelehnt. Um sich gegen diese homophobe Haltung zu wehren, versammelten sich mehrere Demonstranten zu einer Kuss-Demo.

Eine Lenzburger Spielgruppe wies die Zwillinge eines schwulen Paares ab. Die Begründung der Betriebsleiterin: Sie findet eine solche Familienkonstellation weder normal noch natürlich. Dagegen demonstriert jetzt die Juso — sie rief heute spontan zu einem «Kiss-In».

Zwei Frauen stehen mitten in der Lenzburger Altstadt und küssen sich. In der Hand halten sie eine Regenbogenfahne. Eine von ihnen ist Juso-Mitglied Mia Jenni. Die Frauen sind Teil der heutigen Demonstration, dem sogenannten «Kiss-In».

Der Anlass ist die Antwort auf einen Vorfall von vergangener Woche. Zwei schwule Papis aus Lenzburg wollten ihre beiden Söhne in eine Spielgruppe geben. Die Betriebsleiterin lehnte aber ab. Sie fände ihre Familienkonstellation weder normal noch natürlich. Der Fall, über den der «Lenzburger Bezirks-Anzeiger» zuerst berichtet hatte, löste vielerorts Empörung aus.

«Dieser Fall zeigt, dass systematisch noch viel gemacht werden muss», sagt Mia Jenni gegenüber Tele M1. Sie und die anderen Teilnehmer wollen dem homophoben Hass nun mit Liebe entgegentreten. Der Sinn eines «Kiss-In» sei nämlich, dass man Menschen küsst, die anwesend sind. «Man setzt somit gemeinsam ein Zeichen gegen die heteronormative Welt», sagt Jenni.

Trotz wenig Teilnehmern: Die Aktion kommt gut an

Bei den Passanten kommt die Aktion anscheinend gut an: «Ich finde, das ist ein guter Ansatz», sagt eine junge Frau gegenüber dem Regionalsender. Eine andere Passantin sagt: «Es bewegt vielleicht etwas. Das finde ich gut.»

«Sie sagte, die Kinder könnten gemein sein untereinander»: Tele M1 besuchte die Väter und ihre Buben am vergangenen Donnerstag und fragte bei der Spielgruppenleiterin nach.

Tele M1 besuchte die Väter und ihre Buben am vergangenen Donnerstag.

Unter den Demonstranten befindet sich auch Antonia Iten aus Baden, die auf der queer-feministischen Liste der SP für den Nationalrat kandidierte. Sie habe gute Erfahrungen gemacht, indem sie offen auf die Leute zugeht und das Gespräch sucht. Zwar liessen sich nicht alle auf ein Gespräch ein, doch die positiven Erfahrungen überwiegen. Iten weiss: Viele fänden Homophobie nicht angebracht. «Die meisten haben sich nicht vertieft mit dem Thema befasst, aber der Grundtenor ist durchaus, dass das Phänomen nicht mehr in die heutige Zeit passt.»

Trotz dem Namen «Kiss-In», viel geküsst wurde heute nicht. «Eigentlich schade», findet Iten und lacht. 

Meistgesehen

Artboard 1