Burgherr
Sie herrschen über Schloss Lenzburg – Peter und Renate Jud

Die schöne Aussicht aus ihrer Wohnung in den Schlosshof bereitet ihnen heute genauso Freude wie früher. Peter und Renate Jud feiern das 20-Jahr-Jubiläum auf Schloss Lenzburg. Nach wie vor ist das Ehepaar voll motiviert.

Heiner Halder
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Renate und Peter Jud sind seit 20 Jahren Schlosswarte auf der Lenzburg, hier posieren sie im kleinen Rittersaal

Renate und Peter Jud sind seit 20 Jahren Schlosswarte auf der Lenzburg, hier posieren sie im kleinen Rittersaal

Chris Iseli

Geografisch ist Peter Jud zweifellos der höchste Lenzburger, den Titel Schlossherr trägt er mit Vorbehalt, Landvogt-Allüren sind ihm völlig fremd, die offizielle Bezeichnung für das Engagement des Ehepaares lautet «Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg».

Seit 20 Jahren bereits betreuen Renate und Peter Jud den Betrieb im Ritterhaus, das Kassenwesen, die Instandhaltung der Anlagen, das Hof-Handling sowie die Pflege der Parkanlage und des Waldanteils. Mit ihrem 80-Prozent-Pensum ist die Schlossherrin an der Kasse, im Garten, als «Mädchen für alles Schöne» hinter den Kulissen zuständig. Zwei Dutzend Teilzeitangestellte stehen ihnen bei.

Präsenz rund um die Uhr

Von Amtsmüdigkeit ist den beiden Unermüdlichen nach zwei Jahrzehnten nichts anzumerken. Obwohl: «Unser Job bedeutet in der Saison Arbeit und Präsenz rund um die Uhr», hält Jud fest. Die Saison dauert vom 1. April bis Ende Oktober. Im Hinblick auf die Winterpause, welche das Schloss allerdings nicht in den Dornröschenschlaf versinken lässt, sagt Renate Jud: «Es ist schön, wenn es fertig ist – und schön, wenn es wieder anfängt».

Mächtig: Schloss Lenzburg
4 Bilder
Renate und Peter Jud
Rebberg beim Schloss Lenzburg
Schlossberg im Jahr 1905

Mächtig: Schloss Lenzburg

AZ

An schönen Sonntagen in den Sommermonaten besuchen an die 1000 Besucher das Schloss, während der Saison sind es insgesamt rund 100 000 Touristen, welche das Museum und das Ritterhaus heimsuchen; Tendenz steigend.

In den beiden Rittersälen und im Hof finden fast pausenlos etwa 160 Anlässe statt. Das sind bei Tag und bei Nacht, werktags und sonntags, Veranstaltungen wie Firmen-Events, Gelage, Delegiertenversammlungen, Trauungen, Hochzeiten, Geburtstage, politische, polizeiliche und militärische sowie Schulfeiern, Konzerte, und mehrere Grossveranstaltungen des Museums.

Drinnen oder draussen?

Vor besondere Herausforderungen stellt den Betriebsleiter das launische Wetter: Drinnen oder draussen? lautet die Frage. Die Nachfrage für den lauschigen Schlosshof kann nicht immer befriedigt werden, das wissen die Lenzburger zumindest von den Jugendfest-Serenaden, an welchen oft Orchester und Zuhörer nach wenigen Takten schon chaotisch mit Instrumenten und Stühlen fluchtartig in den Rittersaal rannten. Die 350 Plätze reichen dann nicht für alle aus, weshalb im Zweifelsfall ein Notfall-Ticketsystem für Gerechtigkeit sorgt.

Mittelaltermarkt 2016 auf Schloss Lenzburg:

Musik mit Schellmerÿ
30 Bilder
Hier wird zu Mittelaltermusik getanzt
Hier wird zu Mittelaltermusik getanzt
Wolfsnetz
Schreiben mit Schwester Judenta
Spreu vom Weizen weggeblasen
Moster mit Kundschaft.
Fein: Frittierter Spinat
Peter Stump wird geköpft.
Hier wird Papier geschöpft
Der Schmied hat Nachwuchs
Neues Fussband für den Uhu.
Mit der Armbrust wird auf den Wolf gezielt
Knopfwerkstatt.
Junge Schmiedin
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Mittelaltermarkt 2016 auf Schloss Lenzburg
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Fechternachwuchs
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Applaus für die Gaukler
Fechten mit Freywild
Drehleier
Der Werwolf
Annelis mit der Wolfsverkleidung
Fechten für Anfänger
Fechten mit Freywild
Der Kürbisflaschenverkäufer

Musik mit Schellmerÿ

Peter Weingartner

Aus Erfahrung klug geworden, sagt Peter Jud bestimmt: «Was wo gespielt wird, entscheide ich»; er hat sich, dank Übersicht von hoher Warte, zum zuverlässigen Wetterpropheten weitergebildet.

Trotz dem reichhaltigen Pflichtenheft ist das Ehepaar nach wie vor voll motiviert: «Man muss in das Schloss verliebt sein, und man muss die Mauern lesen können. Die Aussicht aus unserer Wohnung in den Schlosshof und hinaus in die schöne Welt macht mir immer noch Freude», sagt er; und: «Man muss sich identifizieren mit Ort und Beruf», sagt sie. Sie geniessen die Schloss-Herrlichkeiten und teilen sie mit den zahlreichen Besuchern.