Niederlenz
Sie haben für die BBZ bis zum Schluss gekämpft: «Es ist ein harter Entscheid»

Nach dem Verlust der Trägerschaft herrscht in der Gartenbauschule Bestürzung und Ratlosigkeit

Ruth Steiner
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Am Eidgenössischen Schwingfest 2007 in Aarau schmückte die Gartenbauschule das ganze Festgelände.

Am Eidgenössischen Schwingfest 2007 in Aarau schmückte die Gartenbauschule das ganze Festgelände.

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Bestürzung, Wut, Trauer, Frust mischen sich mit den Tränen, die viele nicht mehr zurückhalten können. «Wir haben um das BBZ gekämpft. Bis zum Schluss. Vergebens.» Marianne Zimmermanns Stimme stockt.

Gut zwölf Stunden zuvor hatte die Schulvorstandspräsidentin ad interim des Berufsbildungszentrums Niederlenz (BBZ) persönlich miterlebt, wie der Dachverband der Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen in einer ausserordentlichen Generalversammlung am Dienstagabend mit grosser Mehrheit die Aufhebung der Trägerschaft auf Ende des Schuljahres 2018/19 beschlossen hatte (az vom 31.8.). Zimmermann hat nun die Hiobsbotschaft den Mitarbeitenden zu überbringen. 19 sind es in den drei Werken, welche zum BBZ gehören: Die Gärtnerei, das Blumengeschäft und das Mode-Atelier Elle. Alle werden sich nach einer neuen Stelle umsehen müssen.

Doch bis es soweit ist, dauert es noch drei Jahre. Theoretisch bestünde also für die Niederlenzer eine Möglichkeit, sich nach einem andern Träger, allenfalls gar einem Investor umzusehen. Dieser Weg bleibt jedoch versperrt. Weshalb gibt es für das BBZ in Niederlenz definitiv keine Zukunft? Der Schulvorstand hat auf ein entsprechendes Begehren, dem BBZ das Land zu überlassen, vom Zentralvorstand der Gemeinnützigen Frauen abschlägigen Bescheid erhalten. Diese haben mit Areal an strategisch optimaler Stelle im aufstrebenden Niederlenz offensichtlich etwas anderes vor. Was, ist nicht noch bekannt. Man wolle eine Lösung erarbeiten, welche finanzielle Entlastung bringe, lässt der Dachverband verlauten. Mit andern Worten: Ein Verkauf von Land und Gebäuden ist zumindest eine Option.

Auf knappen Entscheid gebaut

In Niederlenz herrscht derzeit grosse Ratlosigkeit. Man hatte im Schulvorstand bis zuletzt gehofft, dass die ausserordentliche Generalversammlung letzten Endes doch an ihrem letzten Werk festhalten würde. Man habe mit einem knappen Entscheid gerechnet, gesteht Marianne Zimmermann. Doch die Unterstützung der Aargauer und Berner Verbände reichte nicht aus. Bei weitem nicht. «Es ist ein harter Entscheid», sagt sie.

Auch BBZ-Geschäftsleiterin Brigitte Vogel, seit fast dreissig Jahre im Betrieb und dort schon die Lehre zur Zierpflanzengärtnerin gemacht hat, musste an der Generalversammlung feststellen: «Die Werke Niederlenz haben für diejenigen, die nicht wissen, was hier passiert, keinen Wert.» Das spüren zu müssen, habe sehr weh getan. Vieles, was über das BBZ gesagt wurde am Dienstagabend im alten Gemeindesaal, sei nicht richtig gewesen. Auch in ihren Augenwinkeln glänzen Tränen. Der Frust nimmt überhand: «Der SGF ist unwürdig, ein Werk wie Niederlenz unter seinem Dach zu haben», platzt aus ihr heraus.

Kein Plan B vorhanden

Allem Anschein nach haben sich in den vergangenen Monaten die Fronten zwischen dem Dachverband und dem Schulvorstand zunehmend verhärtet. Korrespondenzen blieben unbeantwortet, sagt Zimmermann. Sie wirft dem Dachverband vor, auf die per Einschreiben zugestellte Zusammenstellung über die finanziellen Folgen einer Auflösung, welche der BBZ-Schulvorstand seiner Trägerin zugestellt hatte, bis heute keine Antwort erhalten zu haben.

Fakt ist: Im Schulvorstand hat man sich in den vergangenen Monaten keine weiteren Gedanken über allfällige Alternativen gemacht. Das scheint nun nicht mehr notwendig. Nur wenige Tage vor der ausserordentlichen Generalversammlung kam eine Hiobsbotschaft aus Aarau.

Kantonsbeiträge massiv gekürzt

Dem BBZ wurden lebenswichtige finanzielle Mittel entzogen. Das Departement für Kultur, Sport und Bildung (BKS) teilte dem Dachverband nämlich mit, dass das Schulgeld auf das Schuljahr 2017/18 um fast die Hälfte gekürzt werde. Auf Anfrage erklärt Marc Aurel Hunziker von der Abteilung Berufsbildung, man habe in den vergangenen Monaten anlässlich von Kontakten sowohl mit der Trägerschaft als auch dem Schulvorstand wiederholt darauf hingewiesen, dass das BKS von einer deutlichen Kürzung der Subventionen ausgehe.

Die Gartenbauschule hat in der Vergangenheit zunehmend schulisch schwächeren jungen Menschen eine anerkannte Ausbildungsmöglichkeit geboten. Alle Jahre haben rund 20 eine Ausbildung in Angriff genommen. Wo sind diese Ausbildungsplätze nun zu finden? Dazu Hunziker: «Die zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest kann in den meisten Berufen mit betrieblichem Kontext erworben werden.»

Schwierige Jahre

Die Verantwortlichen des BBZ sind nun gefordert. Es stehen drei schwierige Jahre an. «Wir müssen den Betrieb weiter aufrechterhalten. Das sind wir den Lernenden schuldig», sagt Marianne Zimmermann. Das dürfte jedoch zunehmend anspruchsvoller werden, denn schon ab dem kommenden Schuljahr werden im Betrieb viele Hände fehlen, da keine neuen Lehrverhältnisse mehr eingegangen werden können. Auf der andern Seite, so die Schulvorstandspräsidentin, müsse man auch damit rechnen, dass Mitarbeitende, die eine neue Stelle in Aussicht haben, das BBZ vorzeitig verlassen werden.