Lenzburg
Sicher über die gefährliche Strasse – die Eltern braucht es jetzt nicht mehr

Der Schülerlotsendienst entschärft die heikle Situation an der Ringstrasse West, doch er ist nur eine von rund 40 Massnahmen zur Sicherheit.

Ann-Kathrin Amstutz
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Ann-Kathrin Amstutz

Dienstagmorgen, 8 Uhr: Das erwerbstätige Volk ist auf dem Arbeitsweg. So reiht sich auf der Ringstrasse West Auto an Auto. Mit 50 Kilometern pro Stunde fahren sie vorbei. Es ist die Horrorvorstellung aller Eltern, dass ihr Kind hier unter die Räder kommen könnte. Diese Sorge betrifft alle Kinder aus dem Lenzburger Westquartier, die hier täglich mehrmals über die Strasse müssen. Kein Weg in die Schule Angelrain führt daran vorbei. Seit Beginn des neuen Schuljahres ist das «Angelrain» Standort der Primarstufe.

Der Lotsendienst ist eine von rund 40 Massnahmen, mit welchen der Stadtrat in Lenzburg die Sicherheit auf den Schulwegen verbessern will.

Enya und Nathan stehen am Zebrastreifen ohne Ampelregelung. Aber nicht, um selbst die Strasse zu überqueren. Die beiden Achtklässler sind da, um den jüngeren Schülern über die Strasse zu helfen. Mit Leuchtweste und Lotsenkelle bewaffnet, treten sie furchtlos auf die Strasse hinaus, sobald ein Kind am Zebrastreifen steht. Manch eines ruft im Vorbeilaufen «Danke!» oder winkt den Lotsen zu. Das freut die beiden. «Wir wollen, dass die Kinder sicher zur Schule kommen», sagen sie.

Enya und Nathan sind eines von zehn Lotsenteams, die in Lenzburg im Einsatz sind. Sekundarschulleiter Edgar Kohler erklärt, wie der Dienst organisiert ist: «Zwei- bis dreimal täglich während zwanzig Minuten sind die Lotsen da: frühmorgens, mittags um zwölf und nach ein Uhr, falls die Primarschüler am Nachmittag Schule haben.» Jedes Team hat seinen wöchentlichen Fixtermin. Dafür gibt es ein Sackgeld von 60 Franken pro Semester.

Rundum erfolgreicher Start

Nach drei Wochen im neuen Schuljahr wird eine erste Bilanz gezogen. «Bisher funktioniert alles problemlos», sagt Schulleiter Kohler. Was aber denken die Primarschüler selbst? «Es ist schon besser jetzt», sagen drei Drittklässler. Sie wissen um die Gefährlichkeit der Strasse und sind froh um die Lotsen. Auch Enya teilt die positive Einschätzung: «Zu Beginn waren noch viele Eltern dabei. Seit sie uns gesehen haben, kommen viel mehr Kinder allein.»

Auch die Autofahrer scheinen den Lotsendienst positiv aufzunehmen. Viele lächeln, wenn sie vor dem Zebrastreifen angehalten werden. Beruhigende Aussichten für das Westenquartier.