Dorers nächster Halt

Sesam öffne dich!

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Wer einen Bus lenkt, kann kleine Wunder erleben. Zum Beispiel vor einer Verkehrsampel: Da springt sie mir vor der Nase auf Rot - und wechselt innert Sekunden wieder auf Grün zurück. Und das selbst im Feierabendverkehr.

So kann ich oft ohne anzuhalten durchziehen, während man als Autofahrer an derselben Kreuzung eine halbe Ewigkeit warten muss.

Der Grund für diese ständigen kleinen Wunder ist ein tellergrosses Gerät, das im Boden des Busses eingebaut ist. Sein Name: Sesam - angelehnt an den Spruch «Sesam öffne dich!» aus dem Märchen «Ali Baba und die vierzig Räuber». Das Gerät sendet eine Frequenz aus, diese steuert die Ampel an. Ohne diese Hilfe wäre es oft unmöglich, den Fahrplan einzuhalten. Weniger lustig finden es zuweilen die Autofahrer.

Für Baustellen haben wir Chauffeure ein weiteres kleines Wunderding - bzw. sogar zwei: Handsender in der Grösse von Smartphones. Damit können wir die temporären Ampeln vor Baustellen ansteuern. Zwei Geräte sind es deshalb, weil es zwei verschiedene Systemtypen gibt, und jede Baufirma das eine oder das andere hat. Ein Glück nur, gibt es nicht zehn verschiedene Systeme ...

Kürzlich hatte ich das Pech, dass der Handsender defekt war - und ich ausgerechnet auf der Linie via Niederlenz fuhr, wo rund um den Dorfplatz gerade mächtig gebaut wird. So stand ich also im Stau wie die Autos auch. Der entgegenkommende Kurs rettete mich schliesslich, indem dieser Chauffeur auch meine Ampel ansteuerte. Drei Minuten Verspätung hatte ich trotzdem eingefahren.

Aber zurück zum Sesam, der die fest installierten Ampeln ansteuert. Früher gab es landesweit ein einziges System; als ich vor Jahren einmal mit einem RBL-Bus eine Extrafahrt nach Zürich ausführte, sprangen auch dort alle Ampeln auf Grün. Das ist heute anders: Derzeit wird ein neues, intelligenteres System eingeführt. Dieses erkennt den Bus und dessen Ziel - und damit auch, ob er überhaupt im Linienverkehr unterwegs ist, ob er nach links oder rechts abbiegen will, etc.

Damit können sich auch Private keinen Sesam mehr basteln. Es ist mal vorgekommen, dass ein Pizza-Kurier sich die Frequenz beschafft und seinen ganz persönlichen Sesam gebaut hat - mit der Absicht, so die Lieferzeiten seiner Pizzen zu senken. Ein Sesam-Gerät kostet übrigens rund 2000 Franken. Die Herstellerin, die C+S AG in Arni, verkauft diese aber selbstredend nicht an Private. Und nein: Ich werde auch keines heimlich aus einem Bus ausbauen. Obwohl mich schon diverse Kollegen darum gebeten haben ...

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