Referendumsabstimmung

Seon streitet über Tempo 30 und fordert eine Nordspange

Gegen den Stillstand und für flüssigeren Verkehr: Ammann Hanspeter Dössegger setzt sich beim Kanton für Seon ein.

Gegen den Stillstand und für flüssigeren Verkehr: Ammann Hanspeter Dössegger setzt sich beim Kanton für Seon ein.

Seons Ammann Hanspeter Dössegger gibt im Interview Auskunft über Tempo 30, eine Linksabbiegespur und Schleichverkehr.

Hat sich bei der Einstellung des Gemeinderats zu Tempo 30 etwas geändert?

Hanspeter Dössegger: Nein. Wir sind immer noch der Meinung, dass Tempo 30 in den Wohnquartieren Sinn macht.

Wie nehmen Sie die neue 30er-Zone im Unterdorf wahr?

Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Die Unterdorfstrasse ist unsere Ladenstrasse, auf der viel Betrieb herrscht. Die Temporeduktion hat zur Beruhigung beigetragen.

Wie ist die Stimmung im Dorf vor dem dritten Urnengang zu Tempo 30 am 25. November?

Grundsätzlich ist es sehr ruhig. Beide Parteien sind am Mobilisieren, aber fair. Es gibt auch keine gehässigen Briefe oder Einträge im Gästebuch der Gemeindewebsite.

Der Streit um Tempo 30 dauert schon sieben Jahre. Sind die Seoner langsam müde?

Ich glaube, es wären alle froh, wenn wir endlich eine definitive Lösung hätten.

Welches Resultat prognostizieren Sie für die Abstimmung?

Wie bereits an der Gemeindeversammlung im Juni hofft der Gemeinderat, dass Tempo 30 angenommen wird. Es handelt sich um den gleichen Antrag mit den Kosten über 143 500 Franken. Das Resultat wird demokratisch bestimmt und den Willen der Bevölkerung widerspiegeln, auch wenn es heisst, dass eine Seite in den sauren Apfel beissen muss.

Tempo 30 ist nicht das einzige Verkehrsthema in Seon. Wann kommt die Haltestelle Seon Nord der Seetalbahn?

Wir haben damit gerechnet, dass die Haltestelle dieses Jahr kommt. Mitte Jahr haben wir gemerkt, dass dies nicht passieren wird. Nach unseren neusten Informationen wird sie im Jahr 2020 gebaut und soll Ende 2020 den Betrieb aufnehmen.

Wie kam es zu dieser Verspätung?

Bei der Seetalbahnsanierung erlebten wir allgemein viel Verzögerung. Seit Beginn haben wir den dritten Projektleiter. Jeder fing wieder von vorne an, manchmal lag das Projekt monatelang brach. Unterdessen lag der Gestaltungsplan der Zirkusmatte auf und die Überbauung ist nun seit zwei Jahren fertiggestellt und die Seetalbahn ist noch nicht angeschlossen. Das Grundstück für die Haltestelle ist schon länger baureif.

Neben der Haltestelle wartet Seon auch auf die Linksabbiegespur nach Egliswil, die den Knoten Seetalstrasse/Unterdorfstrasse entlasten soll.

Gemäss dem Fahrplan des Kantons soll die Spur 2020 gebaut werden. Der Termin ist jedoch abhängig vom Projektfortschritt Seetalstrasse Nord. Vom Kreisel bis zur Höhe Salzweg soll die Seetalstrasse mit einer Mittelfahrbahn aufgeweitet werden. Für dieses Projekt sind die Kredite gesprochen und die Verträge für den Landabtausch sind in Vorbereitung. Wenn das Projekt noch dieses Jahr gestartet werden kann, würde es vom Gemeinderat gegenüber der Linksabbiegespur nach Egliswil priorisiert, da Bauprojekte, die im Zentrum entstehen, auf die Rechtssicherheit warten.

Auch in Richtung Schafisheim muss nach links abgebogen werden. Dies führt zu Stau auf der Seetalstrasse, Autos weichen aufs Trottoir aus. Gibt es hier auch eine Linksabbiegespur?

Für die Verbindung der Schafisheimerstrasse und der Lenzburgerstrasse ist im Bereich Birren eine Nordspange vorgesehen. Die Einmündung von der Seetalstrasse in die Aarauerstrasse würde bei der Realisierung von diesem Teilstück für den Durchgangsverkehr geschlossen. Der Gemeinderat ist gegen eine provisorische Kreisellösung in diesem Einmündungsbereich, die zum Providurium werden kann. Wir halten klar an den Umfahrungsprojekten fest.

Wie ist der Stand bei diesen Plänen?

Die Spange ist im Richtplan vorgemerkt.

Das heisst, es handelt sich um Jahrzehnte, bis sie kommt?

Die Spange muss eine andere Priorität bekommen, sie muss vorgezogen werden. Wir sind mit dem Kanton und mit der Regionalplanung daran, eine Lösung zu finden. Eine Ortsumfahrung mit Tunnellösung ab Hunzenschwil unter dem Lotten und dem Scheuerberg durch wäre für das Seetal wegweisend. So könnten das Wynental und das Seetal direkt an die A1 angebunden werden. Die Nordspange ist für Seon mit der Anbindung unserer Industrie in der Birren wichtig. Eine Lösung mit einem Verkehrsmanagement misst der Entwicklung von Seon nicht die richtige Bedeutung zu.

Wieso?

Im Richtplan wird angezeigt, dass Seon ein ländliches Zentrum ist und das Seetal eine ländliche Entwicklungsachse. Hier gibt es Potenzial für räumliche Entwicklung. Doch wie man anhand der Prioritätensetzung sieht, werden Seon und das Seetal nicht nach ihrem Entwicklungspotenzial behandelt.

Seon leidet unter dem Schleichverkehr. Würde sich dieses Problem lösen, wenn der Verkehr im nördlichen Bereich der Seetalstrasse flüssiger besser würde?

Das Problem mit dem Schleichverkehr können wir erst lösen, wenn die Umfahrung da ist. Wenn sich die Autos auf der Seetalstrasse stauen, sucht sich der Durchgangsverkehr den Weg durch die Quartiere. Das zeigen auch die Zahlen: Im Bereich vom Teppich Gehrig bis zum Knoten Schafisheimerstrasse wird zwar das grösste Verkehrsaufkommen gemessen. Die Zahlen bleiben aber konstant. In den Quartieren dagegen hat der Schleichverkehr zugenommen.

Kann man heute schon etwas gegen den Schleichverkehr tun?

Wenn man dem Schleichverkehr heute den Riegel schieben würde – zum Beispiel mit Fahrverboten mit Ausnahme für Zubringerdienst – würde das zum Chaos auf der Seetalstrasse führen. Auch Tempo 30 wird das Problem nicht lösen.

Seon hat aufgrund seiner Lage eine Pförtnerfunktion für den Verkehr aus dem ganzen Seetal.

Genau und deshalb müssen wir beim Thema Verkehr an die ganze Region appellieren. Zusammen mit den kantonalen Fachstellen müssen wir Lösungen für unser Dorf und für das gesamte Seetal suchen.

Die Verkehrsprojekte zögern sich hinaus. Fühlen Sie sich vom Kanton im Stich gelassen?

Zusammen Lösungen zu suchen ist grundsätzlich spannend. Aber es ist auch sehr zermürbend, wenn man nicht weiterkommt und Projekte auf die lange Bank geschoben werden. Vor allem, wenn in anderen Gemeinden Projekte umgesetzt werden. Zum Beispiel bei der Seetalbahnsanierung, die in vielen Gemeinden umgesetzt wurde. In Boniswil ist in der Zwischenzeit ein neues Gleis gelegt worden. In Seon ist nichts passiert. Dieser Stillstand ist hart.

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