Staufen
Seit drei Generationen fliegen bei den Mosers die Hobelspäne

Eine kleine Quartierschreinerei wächst in fünf Jahrzehnten zu einem anerkannten Küchenbauer in der Region – der Firmengründer blickt zurück.

Ruth Steiner
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Viele Schreinerarbeiten werden heute maschinell erledigt. Doch Felix, Alfred und Markus Moser (v.l.) haben das Hobeln nicht verlernt. Emanuel Freudiger

Viele Schreinerarbeiten werden heute maschinell erledigt. Doch Felix, Alfred und Markus Moser (v.l.) haben das Hobeln nicht verlernt. Emanuel Freudiger

Eine richtige alte Maschine oder ein Werkzeug, das dem Porträt optisch die nostalgische Note verleiht und die fünf Jahrzehnte Existenz der Schreinerei Moser dokumentiert, will sich einfach nicht finden lassen. Firmeninhaber Markus Moser sinniert: Ob wohl in einer verstaubten Kellerecke irgendwo noch ein Relikt aus vergangenen Tagen steckt?

Doch Vater Alfred Moser schüttelt vehement den Kopf und winkt ab: «Man musste schon damals eine richtige Hobelmaschine haben, mit einem Handhobel wäre man wohl auf keinen grünen Zweig gekommen.»

Damals, das war 1964. Eine frei gewordene Werkstatt am Mühleweg in Staufen ebnete dem jungen Fachmann den Weg in die Selbstständigkeit, schon wenige Jahre später wurde an der Esterlistrasse ein Neubau erstellt. Heute noch wird dort produziert.

Jetzt ist Alfred Moser über 80 Jahre alt und blickt zurück auf sein Lebenswerk. Dabei war nicht alles, was passierte, geplant. «Es hat sich halt einfach so ergeben.» Als junger Mann hat er die Chance ergriffen, in die Hände gespuckt und tüchtig angepackt. Das blieb in der Öffentlichkeit nicht verborgen und das Auftragsvolumen der kleinen Schreinerei stieg rasch. So hat Alfred Moser unter anderem Schlafzimmer und Tische geschreinert für eine Möbelfirma in Lenzburg, er hat im Staufner Schulhaus Schränke und Türen gebaut. Bis vor dem kürzlich erfolgten Umbau der Hypi kamen die Holzkonstruktionen in der Schalterhalle der Bank aus Mosers Werkstatt.

Senior zeigte Weitblick

Trotz guter Auftragslage ist Alfred Moser stets ein kühler Rechner geblieben, hat ein straffes Kostenmanagement geführt. So habe er selbst wirtschaftlich schwierigere Zeiten problemlos überstanden, sagt er. An seiner Seite stets seine Partnerin als treuste Mitarbeiterin. Sie lebt nicht mehr. Alfred Moser schweigt einen kurzen Moment, dann meint er anerkennend: «Ich hatte eine ‹gschaffige› Frau.» Und eine talentierte noch dazu, einmal gezeigt, schon habe sie eine Tätigkeit tadellos beherrscht. Auch die Kinder packten mit an, als sie grösser geworden waren oder «sobald sie über die Tischkante gesehen haben», wie es der Senior formuliert. Sohn Markus lacht. So schlimm sei es nicht gewesen. «Wir sind ja gern im Betrieb gewesen», meint er. Gespielt hätten sie viel, aus Holzbrettern in der Werkstatt Hütten gebaut, weiss er noch. Nach der Meisterprüfung hat Markus 1988 den Betrieb übernommen – den Kopf voller neuer Ideen. Vater und Sohn blicken einander an, schmunzeln. Beide denken an dieselbe Geschichte. «Wir mussten ihn anfänglich schon ein wenig bremsen», sagt der Ältere. Markus nickt. Damals sei er wenig erfreut gewesen über Vaters Veto, doch der heutige Firmenchef weiss, dass sein damaliger Investitionshunger und die kurz darauf eingetretene Hochzinsphase einander wohl kaum ertragen hätten.

Der Familienbetrieb hat sich trotzdem prächtig entwickelt: Heute werden 18 Mitarbeitende beschäftigt. Und bereits ist gesichert, dass die Holzspäne in Mosers Werkstatt auch in Zukunft fliegen werden: Mit Felix, dem 25-jährige Sohn von Markus und angehender Werkmeister, steht die nächste Unternehmer-Generation bereits in den Startlöchern.

Junge Generation mit neuen Ideen

Erneut prallen die unterschiedlichen Ansichten zweier Generationen aufeinander. Der künftige Firmenchef möchte die Firma weiter optimieren. Die Produktionsfläche weiter ausbauen und computergesteuerte Maschinen anschaffen, sagt er mit einem Seitenblick auf Vater Markus, als kenne er dessen Antwort bereits. Tatsächlich ist es heute Markus, der den Jungen zur Vorsicht mahnt. Der Bauboom werde nicht ewig anhalten.

Schützenhilfe vom Grossvater kann Felix keine erwarten. «Ich halte mich da raus», lacht er, die beiden sollen jetzt selber schauen. Er sagt dies, obschon er selber noch nie ans Aufhören gedacht hat. Zwar tritt der Firmengründer heute etwas kürzer, doch trifft man ihn noch jeden Tag im Betrieb an, wo er Türen fertigt. «Man kann sich das Leben nicht auslesen, man muss es nehmen, wie es kommt», sagt er bestimmt, faltet seine Hände und legt sie auf den Tisch. Sie sind gezeichnet von der jahrzehntelangen harten Arbeit. Seine wachen Augen blicken aufmerksam auf das Gegenüber. Wenn er spricht, schwingt der Berufsstolz in der Stimme des Seniorchefs ungebrochen mit. Er freut sich über die Entwicklung des Familienunternehmens.

Der Vater war ein Generalist, Markus hat den Betrieb später auf Küchen und Türen spezialisiert. Dieser Fortschritt widerspiegelt sich heute in der Firmierung: Zur Schreinerei ist der Begriff Küchen hinzugekommen. Zudem wurden 2010 an der Aarauerstrasse neue Ausstellungsräumlichkeiten mit einem integrierten Kochstudio eröffnet. Die «Kochburg» ist der Stolz des Familienunternehmens. Und sie macht den Glauben der Firma an eine wachsende Wirtschaftsregion deutlich.