Egliswil

Seit 28 Jahren im Geschäft: Dieser Mann pflegt und verkauft Christbäume

«Es gibt auch einen Baum, wenn man das alles nicht macht, aber der wird nicht so schön», sagt Ulrich Holliger.

«Es gibt auch einen Baum, wenn man das alles nicht macht, aber der wird nicht so schön», sagt Ulrich Holliger.

Ulrich Holliger ist seit 28 Jahren im Christbaum-Geschäft. Der Egliswiler bewirtschaftet vier Plantagen auf zwei Hektaren Land. Das nötige Wissen über Tannenbäumen hat er sich selbst angeeignet.

Über eine Million Christbäume schmücken jährlich die Schweizer Haushalte, wie Wald Schweiz schreibt. Früher wurden die Bäume pünktlich zu Heiligabend in die Stube geholt und geschmückt, heute werden sie immer öfters bereits in der Adventszeit aufgestellt. Nach wenigen Tagen oder Wochen werden die grünen Bäume meist wieder abgeschmückt. Wie viel Arbeit hinter den stolzen Tannen steckt, wissen die wenigsten. Viele von ihnen wurden rund acht Jahre gepflegt, bevor sie in der Weihnachtszeit in die Schweizer Stuben einziehen.

Einer, der viel über Christbäume weiss, ist Ulrich Holliger. Seit 28 Jahren ist der Egliswiler im Christbaum-Geschäft. Ulrich Holliger nennen ihn die wenigsten. Die einen kennen ihn als Sox, einen Spitznamen aus der Schulzeit, wie er sagt. Die anderen kennen ihn als Grizzly, den Spitznamen hat er von dem Protagonisten Grizzly Adams aus der Kultserie «Mann aus den Bergen». Begonnen mit dem Tannenbaumgeschäft hat er «aus lauter Langeweile», wie er sagt. Hauptberuflich führt Holliger eine Firma für Stahlkonstruktionen und Elementdoppelbödenverlegung.

Die Feinarbeit beginnt bereits im Mai

Holliger bewirtschaftet vier Plantagen auf zwei Hektaren Land. Unterstützt wird er von seinem Sohn Michael und den zwei Enkeln Migguel und Pablo. Das nötige Wissen über Tannenbäumen hat er sich selbst angeeignet: «Viel weiss ich aus Büchern oder von Leuten, die bereits Tannenbäume aufziehen und verkaufen.» Zudem reist der Egliswiler seit vielen Jahren regelmässig nach Kanada. «Dort sind die Plantagen so weitläufig, dass man meint, der Horizont fällt drauf.» Auch wenn die Verkaufssaison der Christbäume erst im Dezember beginnt, haben die, die eine Plantage betreuen, das ganze Jahr über zu tun.

«Im Januar wird die Anlage aufgeräumt. Nicht verkaufte oder unförmige Christbäume mit Frostschäden werden gehäckselt und dem Wald übergeben», sagt Holliger. Im Februar und März werden die Jungpflanzen gesetzt. Dafür bohrt Holliger ein 30 Zentimeter tiefes Loch in die Erde. «Da es in den letzten Jahren immer trockener geworden ist, pflanze ich die Bäume vier Zentimeter unter die Grasnarbe, damit ich die Jungpflanzen giessen kann», erklärt er.

Ab Mai fängt die Feinarbeit im Christbaumgeschäft an. Mit einer speziellen Zange ritzt Holliger die Rinde, auch Cambium genannt, der Triebspitze des Baumes an, sobald diese ungefähr fünf Zentimeter lang ist. Der Sinn dahinter: Der Christbaum soll keine zu lange Triebspitze erhalten und sich auch gleichmässig in die Breite entwickeln. Zur selben Zeit werden zudem die Vogelständer auf die Bäume gesetzt: «Sie halten die Vögel davon ab, sich auf die Triebe zu setzen, die dann abbrechen würden. Vögel neigen dazu, sich immer auf dem höchsten Punkt niederzulassen», sagt er.

Ab dem Sommer kürzt Holliger die Bäume ab und an auch von Hand. Mit einer Hand- oder Heckenschere schneidet er unförmige oder zu breite Bäume zurecht. Ziel ist eine Kegelform. Auch die Wiese rund um die Plantage will gemäht werden: «Damit die Jungpflanzen genug Licht erhalten», sagt er.

Nicht alle mögen sich bis Dezember gedulden

Ab September werden die Bäume, die zwei Monate später verkauft werden, mit Etiketten markiert. Zu diesem Zeitpunkt standen sie sechs bis zehn Jahre auf der Plantage. «Es gibt auch einen Baum, wenn man das alles nicht macht, aber der wird nicht so schön», sagt Holliger. «Man muss den Bäumen halt einfach luege, wenn es einem nicht genug interessiert, dann lässt man es lieber.» Für ihn sei die Tannenbaumpflege pure Entspannung nach einem längeren Arbeitstag. «Dann steig ich in die kurzen Lederhosen und fahre auf die Plantage. Bei der Arbeit kann ich den Kopf abschalten», sagt er.

Seine Tannenbäume verkauft er direkt ab Hof. Einen Lieferservice bietet er auch an. Ab Mitte Dezember gibt es zudem eine Festwirtschaft. Doch nicht alle sind geduldig genug, bis Dezember mit der Auswahl zu warten: «Einige kennzeichnen ihre Bäume schon unter dem Jahr auf der Plantage mit einem Schild», sagt Holliger.

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