Der 13. Februar ist der bisher grösste Tag im Leben von Slopestyler Fabian Bösch. Der Spitzensportler vertritt die Schweiz an den Olympischen Spielen in Sotschi.

Im ersten Lauf ist er gestürzt. Nun steht er vor dem alles entscheidenden Run zum zweiten Mal im Starttor: «Die Nervosität hielt sich in Grenzen, ich wollte einzig einen guten Lauf hinunterbringen», schildert Bösch die letzten Sekunden vor dem zweiten Lauf.

Ein kräftiger Stockstoss später ist er auf der Piste – er bleibt vom Sturz verschont, macht jedoch zwei kleine Fehler zu viel und scheidet in der Qualifikation aus. Zwei Wochen später blickt der Engelberger auf das Erlebnis zurück und nimmt es gelassen: «Sotschi war ein Riesenerlebnis, das extrem Spass gemacht hat».

Fünf Jahre alt war Fabian Bösch, als er von Lenzburg nach Engelberg zog. Sein Vater wechselte die Stelle und die Familie übersiedelte in die Innerschweiz. Seine Grosseltern leben aber noch immer in Staufen und Bösch erinnert sich gut an das Schloss Lenzburg und die Strafanstalt.

Inzwischen hat sich für den 16-Jährigen viel verändert. Im neuen Daheim in den Innerschweizer Bergen entdeckte er seine Faszination für den Skisport, trat bald dem Skiklub bei und steigerte sein Können kontinuierlich. Bösch fuhr so gut, dass er vor zwei Jahren in seiner Altersklasse gar Schweizer Meister im Slalom wurde.

Genug von Slalomstangen

Doch Bösch hatte nach einigen Jahren genug vom Umkurven der Slalomstangen. «Es machte keinen Spass mehr. Im Slalom war ich zu stark eingeschränkt», so Bösch. Er begann, Trainings auszulassen, um am Wochenende mit seinen Kollegen im Freien Ski fahren zu können. Dabei entdeckte er seine Leidenschaft für Freeski und hängte die verheissungsvolle Alpin-Karriere an den Nagel.

Dort hatte der ehrgeizige Sportler mehr Freiheiten. Was er im Freestyle zeigt, ist ihm überlassen. In nur drei Jahren wurde Bösch zu einem der besten Slopestyle-Fahrer in der Schweiz. Olympia war aber lange kein Thema. Slopestyle war bis zu den Spielen in Sotschi keine olympische Disziplin. «Erst Anfang Jahr erfuhren wir, dass vier von uns nach Sotschi reisen können».

Bösch nutzte die Chance und holte einen der begehrten Startplätze. Einige Tage vor dem Olympia-Start flog er mit seinen Kollegen ans Schwarze Meer. Eine Woche blieb ihm bis zum grossen Wettkampf. Er nutzte die Zeit, sich einzuleben, zu trainieren und die Region zu erkunden. «Unten im Tal war es etwas karg und man merkte nicht wirklich, dass hier Olympische Spiele stattfinden», stellte er bei der Ankunft fest. Doch nach einer einstündigen Busfahrt in die Berge war er beeindruckt von der Landschaft in Rosa Khutor.

Nun ist der Alltag zurückgekehrt. Bösch ist wieder zurück in Engelberg. Er besucht dort die Sportmittelschule: «Morgens drücke ich die Schulbank, am Nachmittag wird trainiert», so der 16-Jährige. Damit er in Zukunft wieder Erfolge feiern kann.