Der Gemeinderat Staufen tagt im neuen Gemeindehaus. Der grosszügige Raum, ein Sitzungstisch mit eingelassenem Gemeindewappen und die feudalen schwarzen Ledersessel zeugen von Wohlstand. Hier empfängt Gemeindeammann Otto Moser seinen Besuch. Im Sitzungszimmer stapeln sich derzeit Kistchen; darin fein säuberlich abgepackt die «Büechli» mit den Geschäften der Wintergmeind am 14. November, bereit zum Versand an die Stimmbürger.

Herr Moser, Sie stehen auf dem Staufberg und blicken über die Gemeinde. Worauf sind Sie besonders stolz?

Otto Moser: Ich bin stolz auf das hervorragende Zusammenleben in dieser Gemeinde. In meiner Behördenarbeit habe ich bisher grosse Anerkennung erfahren; während der gesamten nun bald neun Jahre dauernden Amtszeit hat es weder Anfeindungen noch anonyme Telefone gegeben.

Das sind alles sehr schöne, weiche Faktoren. Wie steht es um die harten Fakten?

Ich freue mich über das schöne Gemeindehaus, das in meiner bisherigen Amtszeit entstanden ist, ebenso über die Sanierung und Anpassung der Schulräumlichkeiten. Es ist nun genug Platz vorhanden, um sämtliche Klassen (Primarstufe) in zwei Zügen führen zu können. Bis dahin dauert es jedoch noch eine ganze Weile. Zudem haben wir in der Gemeinde Tempo 30 umgesetzt; alles ohne grosse Nebengeräusche. Erfreulicherweise hat der Schleichverkehr seitdem abgenommen.

Bei der Jahrhundertwende wohnten 2213 Personen in Staufen, jetzt sind es deren 3303. Das entspricht einem Bevölkerungswachstum von nahezu 50 Prozent in knapp zwei Jahrzehnten. Geht es weiter so?

(Schmunzelt). Als wir vor sechs Jahren mit der Überbauung des Esterli-Flöösch-Areals zwischen Staufberg, Fünflinden und Kiesgrube starteten, lag die Einwohnerzahl bei 2600. Ich habe damals gesagt, dass dieses Quartier Staufen rund 1000 zusätzliche Bewohner bringen wird. Die laufende Bautätigkeit eingerechnet, sollte sich die Bevölkerung bei rund 4000 Personen einpendeln. Danach sind die Baulandreserven in der Gemeinde erschöpft; bis auf einige wenige kleinere Flächen sowie die Rodelmatte (an der Hauptstrasse zwischen Lindenplatz und dem Einkaufszentrum Lenzopark Anm. Red.). Dort werden einst Einfamilienhäuser gebaut. Ich muss jedoch betonen, dass Staufen einen Nachholbedarf hatte an Wohnraum. Nicht zuletzt seitens junger Staufner, die gerne ins Dorf zurückgezogen wären, war der Vorwurf da, dass es keine freien Wohnungen gebe in der Gemeinde. Mit der Überbauung Esterli-Flöösch wurde dieser ausgeräumt.

Sie beantragen der kommenden Gmeind am 14. November eine Steuerfusssenkung auf 76 Prozent. Bemerkenswert ist dabei: Gleichzeitig mit dem hohen Wachstum in zwei Jahrzehnten fällt der Steuersatz um satte 14 Prozent (90 Prozent im Jahr 2000). Wie schafft es Staufen, seine Wohnungen mit guten Steuerzahlern zu füllen?

(Lacht). Von Behördenseite haben wir keinen Einfluss darauf, wer in die Gemeinde zieht. Es sind die Vermieter der Liegenschaften, die ihre Mieter auswählen. Zum Vorteil gereicht uns jedoch sicher die geografische Lage mit einem guten Anschluss ans Verkehrsnetz, das einen mit dem öV oder dem Auto rasch in die grossen Zentren in der Schweiz führt. Zugegebenermassen ist das jedoch ein Vorzug, den die ganze Region hat.

Reicht die vorhandene Infrastruktur aus, wenn alle Bautätigkeiten abgeschlossen sind. Oder müssen noch Investitionen getätigt werden?

Bis auf die geplante neue Turnhalle sind wir tatsächlich fit, was die Infrastruktur anbelangt. Man darf nicht vergessen, dass das bereits erwähnte Grossprojekt «Esterli-Flöösch» die Planer schon seit den frühen 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigt hat. Bei jeder Infrastrukturerweiterung wurde mit eingerechnet, dass dort einmal rund 1000 Menschen wohnen werden. Zudem haben wir mit dem Wasserreservoir Staufberg, das aktuell saniert wird, genügend Wasserreserven bis 2050; dies bei einem durchschnittlichen Bevölkerungswachstum gerechnet.

Wann wird die neue Turnhalle eingeweiht?

Das sollte planungsgemäss auf das Schuljahr 2022/23 der Fall sein. Wir sind nun daran, die Ausschreibung für den Projektwettbewerb aufzugleisen.

Gestern fand der Polit-Apéro statt. Welches sind die wichtigsten Geschäfte, die an der Gmeind behandelt werden?

Zum einen ist es das Budget 2019 mit der angesprochenen Steuerfusssenkung. Wir rechnen im nächsten Jahr mit Steuereinnahmen von 6,5 Millionen Franken (250'000 Franken mehr als für 2018 mit einem höheren Steuersatz budgetiert. Anm. Red.). Bei einem Umsatz von 13 Millionen Franken wird ein Gewinn von 225 000 Franken erwartet.

Im Weitern haben die Stimmbürger über eine Anpassung des Musikschulreglementes zu befinden. Hier geht es primär darum, den Kostenverteiler zu klären. Das bisherige Reglement sah je eine hälftige Beteiligung von Gemeinde und Eltern vor. Das war in der Praxis jedoch nicht realisierbar. Dazu hätten wir die Kosten jedes Jahr anpassen müssen. Klar ist zudem, dass die Musikunterrichtsstunden nicht gekürzt werden und weiterhin 35 Minuten dauern.

Als weiteres Geschäft ist das neue Kinderbetreuungsgesetz zu behandeln. Es kommt bei uns erst jetzt an die Gmeind. Dadurch haben wir jedoch den Vorteil, dass wir von den Erfahrungen anderer Gemeinden profitieren können. Generell subventionieren wir bis zu Einkünften von 69'999 Franken bei Betreuungskosten von weniger als 10'000 Franken. Für die Berechnung der Einkommensgrundlage werden verschiedene Parameter berücksichtigt. Es ist richtig, dass am Polit-Apéro die Bevölkerung über die Traktanden der Gemeindeversammlung informiert wird. Der Anlass dient jedoch auch dazu, das Ohr auf die Schiene zu halten und zu hören, wo der Zug langgeht. Oder anders gesagt: Die Bürger sollen bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit haben, ihre Anliegen direkt bei der Behörde zu deponieren.

Will Staufen die meisten anfallenden Aufgaben bis auf Kooperationen beim Forst (Forstdienste Lenzia) und der Feuerwehr (Regio Feuerwehr mit Ammerswil und Lenzburg) weiterhin im Alleingang bewältigen?

Ja. Wo wir können und die Leute finden, die sich engagieren, werden wir das auch in Zukunft tun. Dabei gibt es erfreulicherweise immer wieder auch Neuzuzüger, die sich für ein Amt zur Verfügung stellen. In der Kulturkommission zum Beispiel arbeiten gleich vier neue Staufner mit.

Staufen profitiert viel von den Vorzügen der Zentrumsgemeinde Lenzburg. Was trägt Staufen dazu bei?

Staufen beteiligt sich dort, wo wir für unsere Bürger einen Nutzen sehen. Wir leisten finanzielle Beiträge an Bauprojekte, welche die Gemeinde betreffen, selbst wenn diese ganz auf Lenzburger Boden sind. Ich denke da an die Sanierung der Strassen Willigraben und Wässermatten. Hier verläuft die Gemeindegrenze haarscharf am Gartenzaun der Häuser auf Staufner Boden. Weiter hat Staufen einen Beitrag bezahlt an die neue Bushaltestelle «Esterli-Flöösch» und an Bahnübergänge für Fussgänger. Zudem leistet die Gemeinde À-fonds-perdu-Beiträge an das Schwimmbad und die Stadtbibliothek. Das scheint mir manchmal in gewissen Kreisen nicht geläufig zu sein. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, dass auch die Einkäufe von Staufner Bürgern in Lenzburg zum Steuerfranken unseres Nachbarn beitragen.

Wann wird das mentale Kriegsbeil gegen Lenzburg aus den Nachkriegsjahren endlich begraben?

(Lacht). Ich sage es so: Die Zeit heilt Wunden. Wobei ich der Meinung bin, dass die gewisse Rivalität zwischen Staufen und Lenzburg nicht einmalig ist. Ich möchte dies aber doch auf der Ebene des Wettbewerbs verstanden wissen. Zudem finden wir bei gemeindeüberschreitenden Projekten immer wieder einen Konsens.