Lenzburg
Sein Tambourenspiel perfektionieren: Diese Lenzburger frönen ihrem Hobby im Militär

Die Tambouren in Lenzburg haben tüchtigen Nachwuchs – Aaron Wullschleger hat kürzlich die Rekrutenschule abgeschlossen, Loris Erdin rückt bald ein. Das Auswahlverfahren für den Militärdienst als Tambour ist allerdings nicht ganz ohne.

Peter Weingartner
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Loris Erdin und Aaron Wullschleger sind zwei leidenschaftliche Tambouren.

Loris Erdin und Aaron Wullschleger sind zwei leidenschaftliche Tambouren.

Peter Weingartner

Wer glaubt, ein Tambour müsse ein überdurchschnittlicher Fan des Militärs sein, irrt. Er braucht sicher ein ausgeprägtes gutes Rhythmusgefühl, und wenn er dasselbe pflegt und die technischen Grundvoraussetzungen des Trommelhandwerks lernt und dies als Könner beherrscht, kann er im Militär sein Hobby perfektionieren. Als Tambour im Militärspiel.

«Ich wollte zuerst Schlagzeug lernen», sagt der 20-jährige Aaron Wullschleger, der das KV gemacht und kürzlich die Rekrutenschule als Tambour abgeschlossen hat. Als Erstklässler war er zu jung fürs Schlagzeug, also schloss er sich den Tambouren an.

Am Anfang stand das Üben auf einem Böckli auf dem Programm, bevor im dritten Jahr die Schweizer Trommel lockte. «Das hat schon motiviert; ich habe mich darauf gefreut», sagt Aaron. Und er ist bei den Trommeln, die man sich umhängt, und anderen Perkussionsinstrumenten geblieben.

Loris Erdin, 20, Automatiker mit Berufsmatura, steht vor der Lehrabschlussprüfung. «Der Sohn meiner Gotte hatte ein Schlagzeug, und ich fand es cool, darauf zu spielen», erinnert er sich an eine frühe Begegnung mit Schlaginstrumenten.

Für ihn, wie für Aaron, waren die Tambourenauftritte am Jugendfest prägend: vorneweg marschieren, Applaus einheimsen, gefilmt werden, die Freude des Publikums spüren. Loris hat bei den Tambouren mitgemacht und Schlagzeug gelernt. Jugend- und Tambourenfeste, aber auch Lager, vereinsinterne wie eidgenössische, hätten motiviert: «Fünf Tage üben – fünf Tage auf Tournee.»

Ziele motivieren

«Ohne Krisen kann man nicht über viele Jahre mit gleicher Begeisterung trommeln», sind sich Aaron und Loris einig. In Lenzburg sind sieben Klassen zu durchlaufen, bis man in den Verein aufgenommen werden kann. «Normal», findet Loris.

Er habe auch mal mit Fussball geliebäugelt. «Bequemlichkeit, andere Angebote», sagt Aaron. Bei den beiden waren die Krisen offensichtlich nicht nachhaltig. Immerhin wird jeden Mittwoch geübt. Es sind konkrete Ziele, die helfen: zum Beispiel die Aufnahmeprüfung für Militärtambouren. «Funk-Jazz-Sachen» spielt Loris in der Band «Flavorous», wo er das Schlagzeug bedient. Tambourenverein und Pop-Musik: Zwei Genres, die einander befruchten, meint er.

Auch Tambouren machen heute weit mehr als nur Marschmusik. In ihren Showprogrammen, mit Rhythmus und Melodien, so Markus Moser, Trommellehrer und Sektionsleiter von 1981 bis 1995, kommen auch andere Instrumente wie Xylofon, Pocahontas, Snare, Hi-Hat, Congas, Bongos, Glocken zum Einsatz.

Strenges Auswahlverfahren

Wer seinen Militärdienst als Tambour absolvieren will, muss ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen, denn pro Jahr brauchts schweizweit bloss zwei Dutzend Tambouren, weiss Benjamin Rüfenacht, seit 2017 Präsident des 100-jährigen Vereins. Ab 14 kann man sich beurteilen lassen – es gibt ein Leistungsbüchlein – letztlich aber zählt die Leistung am Tag der Aufnahmeprüfung in Bern.

Militärmusik, und damit das Trommeln, ist ein Teil des Militärwesens. «Die Militärmusik hat ein grosses Interesse an einer guten Ausbildung und wird vom VBS gefördert», sagt Markus Estermann, Präsident von 1983 bis 2000.

Reisecar statt Lastwagen

Aaron hat die RS in diesem Jahr absolviert. Heute gehe es vor allem um Repräsentation, sagt er. «Es ist ein Privileg, dabei zu sein», meint er. Das Militärspiel reist im Reisecar durch die Schweiz, nicht auf der Lastwagenbrücke. Dann folgt eine Stellprobe mit Konzert. Die Grundausbildung in der RS, die ersten sechs Wochen, sei mit derjenigen eines Füsiliers vergleichbar. Und wer die Zwischenprüfungen nicht bestehe, riskiere die Streichung des Ausgangs.

Und warum hat sich Loris für ein Armeeleben als Tambour entschieden? Der nahe Ausbildungsort, Aarau, ist neben der Tatsache, dass er seinem Hobby frönen kann, ein wichtiger Punkt. Wenn ein Zivildienst als Schlagzeuglehrer in Brasilien nicht gestrichen worden wäre, hätte er sich wohl dafür beworben, meint er.

Lenzburg hat 40 Militärtambouren hervorgebracht

Seit 1915 (Ruedi Ott) sind 40 Tambouren des Tambourenvereins Lenzburg Militärtambouren geworden. Aaron Wullschleger und Loris Erdin sind die letzten. Während Ott erst 1942 einen Nachfolger fand, absolvieren in diesem Jahrtausend regelmässig Lenzburger diese Rekrutenschule: 14 seit 2002. Die Verantwortlichen führen das auf eine durchdachte Ausbildung zurück, die mit sieben Jahren beginnt und eine siebenklassige Jugendarbeit umfasst. Seit 1962 seien, so Ehrenpräsident Markus Estermann, rund 300 Tambouren ausgebildet worden.

Zurzeit umfasst der Verein 45 Jungtambouren und 36 Aktivmitglieder; acht Personen sind an beiden Orten dabei. Das Ausbildungskonzept interessiere auch andere Länder. So habe man zuweilen Amerikaner zu Gast, und das Schweizer Lehrmittel werde sogar in der schwedischen Armee verwendet. Das Trommeln und Pfeifen hat im Alpenraum eine lange Tradition und auch die Volksmusik geprägt, weiss Markus Estermann. Tambouren gebe es in der Schweiz etwa 7000, Pfeifer rund 5000. Nationale Juniorencamps – alle zwei Jahre – verbinden die Regionen. (wpo)

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