Bezirksgericht Lenzburg
Sein Fahrausweis wurde ihm entzogen – trotzdem war der Töff-Mech immer wieder motorisiert unterwegs

Ein 26-jähriger Töff-Mechaniker musste sich vor dem Richter verantworten, weil er trotz Führerausweisentzug mehrfach mit Motorrad und Auto unterwegs war.

Janine Gloor
Drucken
Teilen
Der Beschuldigte war auch mit Motorrädern von Kunden unterwegs. (Symbolbild)

Der Beschuldigte war auch mit Motorrädern von Kunden unterwegs. (Symbolbild)

Pixabay.com

Als er diesen Strafbefehl gelesen habe, sei ihm schlecht geworden, sagte der Beschuldigte (26) vor Gericht. Fünf Monate Haft stand dort, unbedingt. Das habe er nicht verdient. Diejenigen, die dort sitzen, hätten bösere Sachen gemacht als er.

Die Justiz argumentiert nicht mit dem Wort böse, aber die Staatsanwaltschaft fand das Verhalten des Beschuldigten schon recht unangebracht. Der junge Mann aus dem Freiamt fuhr mit seinem Auto zu einer Waschanlage in der Nachbargemeinde. Dort wurde eine Polizeipatrouille auf sein «extravagantes Auto», wie ein Zeuge berichtete, aufmerksam.

Bei der Überprüfung der Kontrollschilder stellte sich heraus, dass der Beschuldigte gar keinen Führerausweis hatte. Dieser war ihm vor mehreren Monaten entzogen worden – auf unbestimmte Zeit. Als die Polizisten dies realisierten, hatte sich der Beschuldigte schon zu Fuss aus dem Staub gemacht. In einer angrenzenden Shishabar sei er noch gesehen worden. Tags darauf fanden ihn die Polizisten im Haus, das er mit seinem Vater zusammen bewohnt. Sie konnten das Treffen kaum erwarten, ein Beamte weckte den schlafenden Mann in seinem Bett.

Ohne Billett mit dem Töff von Kunden unterwegs

Und der Beschuldigte war auch mit Motorrädern von Kunden unterwegs. Als Motorradmechaniker gehört es zu seinem Beruf, nach einer Reparatur eine Testfahrt zu machen. Das tat er auch ohne Billett und Versicherungsschutz und unterliess es, seinem Arbeitgeber die Wahrheit zu sagen. Das übernahm der eifrige Polizist für ihn, worauf der Beschuldigte die fristlose Kündigung erhielt.

Der Beschuldigte wirkte vor Gericht nicht wie ein rüpeliger Autoposer. Er legte als Erstes ein Geständnis ab und gab sich reuig. Doch der lange Ausweisentzug lässt es vermuten – er ist bereits vorbestraft. Einmal einschlägig. Deshalb auch der Strafbefehl mit der schockierenden Aussicht, ins Gefängnis zu müssen. Bis jetzt, so scheint es, war er es sich gewohnt, dass man solche Probleme mit Geld lösen konnte, indem man die Bussen bezahlte.

Bei der Arbeit macht er einen guten Eindruck

Der Beschuldigte hatte trotz seiner Taten auch Argumente, die für ihn sprachen. «Ich mache meinen Job mit Herzblut und bin gut darin», sagt er. Das scheint nicht nur seine Einschätzung zu sein. Er hat eine neue Festanstellung gefunden, trotz Führerausweisentzug bis mindestens 2023. Die Kontrollfahrten übernehmen seine Chefs, nach der Probezeit wurde er zum Werkstattleiter befördert und bildet auch Lehrlinge aus. Eine Übernahme des Geschäfts sei eine Möglichkeit, wenn er statt Schulden Kapital habe.

Auch privat gab es Veränderungen. Sein neues Hobby ist Fitness. Er trainiere fünfmal in der Woche, hat Gewicht verloren und neue Freunde gefunden. Privat trägt er ebenfalls Verantwortung und kümmert sich um den gesundheitlich angeschlagenen Vater sowie den gemeinsamen Haushalt. Als letztes Wort versprach er, keine Probleme mehr zu machen. «Das reicht mir jetzt so.»

Der Beschuldigte schaffte es, die drohende Gefängnisstrafe abzuwenden. Doch wehtun sollte die Strafe trotzdem. Gerichtspräsidentin Eva Lüscher verurteilte ihn wegen mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Ausweisentzugs sowie ohne Versicherungsschutz zu einer Geldstrafe von 18000 Franken, 150 Tagessätze à 120 Franken, mit drei Jahren Probezeit. Dazu eine Verbindungsbusse von 3000 Franken. Und es greift eine Strafe aus der Vergangenheit: Die 10000 Franken von der letzten Verurteilung muss er jetzt bezahlen.

Aktuelle Nachrichten