Seetal
Seetaltourismus soll das Info-Büro führen

Der Trägerverein setzt zum 20-Jahr-Jubiläum zu einem organisatorischen Quantensprung an.

Fritz Thut
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Das Info-Büro am Lenzburger Kronenplatz soll künftig vom Verein Seetaltourismus geführt werden.

Das Info-Büro am Lenzburger Kronenplatz soll künftig vom Verein Seetaltourismus geführt werden.

Der Verein Seetaltourismus steht vor einer wichtigen Weichenstellung: Nachdem er in seinem 20. Jahr mit der in anderthalb Monaten startenden «Herzschlaufe Seetal» erstmals von einer reinen Marketing-Organisation zu einem Tourismus-Anbieter wird, soll der Verein mit der Führungsfunktion bei der Geschäftsstelle eine ganz neue Rolle ausfüllen.

Seetaltourismus-Präsident René Bossard informierte die rund 30 anwesenden Mitglieder an der 20. Generalversammlung im luzernischen Hohenrain über das Ergebnis einer vom Gemeindeverband «Lebensraum Lenzburg Seetal» eingesetzten Arbeitsgruppe, die sich unter Beizug eines spezialisierten Büros mit der «Stärkung der Geschäftsstelle» befasst hatte.

Das «Büro Tourismus Lenzburg Seetal» am Kronenplatz in Lenzburg besteht seit Mai 2008. Verschiedene Organisationen haben sich hier zusammengefunden und bilden eine hochgeschätzte Anlaufstelle für alle Fragen rund um Mobilität und Tourismus in der Region.

Nachhaltige Finanzierung wichtig

Die nahezu organisch gewachsenen Strukturen weisen, wie Bossard ausführte, verschiedene Schwachstellen auf: «Es gibt kein Pflichtenheft für das Büro als Ganzes und zudem gibt es keine klaren Zuweisungen der Zuständigkeiten.» Das Büro oszilliert zwischen Seetaltourismus, Stadt Lenzburg, Regionalbus Lenzburg und «Lebensraum Lenzburg Seetal». Ziel der Arbeitsgruppe war es, aufzuzeigen, wie diese Unzulänglichkeiten durch klare Strukturen und eine Bündelung der Kräfte behoben werden können: «Der Auftritt des Tourismusmarketings gegen aussen soll für die gesamte Region Lenzburg Seetal durch eine einzige Institution erfolgen», formulierte es Bossard in seinem Jahresbericht.

Für die dadurch nötige Führungsposition wurden verschiedene Möglichkeiten erwogen, doch die Arbeitsgruppe schlägt einstimmig den Verein Seetaltourismus als Lead-Organisation vor. Der Vorstand von Seetaltourismus hat sich bereit erklärt, dieses Engagement intensiv zu prüfen. «Es wäre für unseren Verein ein bedeutender Schritt», so Bossard, «vor allem die Frage der nachhaltigen Finanzierung wird entscheidend sein.»

Seetaltourismus würde neu direkt zu einem Arbeitgeber, mit allen Konsequenzen und der gebotenen Verantwortung. Aktuell arbeiten vier Personen mit einem Pensum von 240 Stellenprozenten im Tourismusbüro.

Nach diesen Informationen verlangte an der Generalversammlung niemand das Wort; stillschweigend wurde dem Vorstand grünes Licht für die nötigen Vorabklärungen gegeben. Im Vorfeld der Versammlung hatte Bossard gegenüber der az noch durchblicken lassen, dass «bei fundamentaler Kritik seitens der Mitglieder» die Übung abgebrochen werden müsste. Dies ist nun nicht der Fall. Die endgültige Entscheidung wird wieder die Generalversammlung fällen, entweder die 21. im Frühling 2017 oder eventuell sogar eine ausserordentliche noch in diesem Jahr.

«Herzschlaufe» ist startklar

Ansonsten stand die Anfang Mai startende «Herzschlaufe Seetal» im Zentrum der 20. GV. Projektleiterin Diana Fry wurde einstimmig als neues Mitglied in den Vorstand gewählt und stellte anschliessend das Projekt nochmals vor.

Die 120 Kilometer lange E-Bike-Rundstrecke zwischen Eschenbach im Süden und Lenzburg im Norden führt durch 28 Gemeinden in zwei Kantonen. Diese Woche ist die letzte Bewilligung, jene des Kantons Aargau, eingetroffen. Im April montieren Spezialisten die rund 500 Wegweiser der Veloland-Route Nummer 599, ehe am 30. April und 1. Mai die offizielle Einweihung erfolgt.

Engagiert von diesem und vielen weiteren Projekten habe man das 20-Jahr-Jubiläum des Vereins «fast verpasst», so Bossard. In seinem kurzen Rückblick betonte der aktuelle Präsident, dass man stolz sei, «als erste Organisation die Kantonsgrenze aufgehoben» zu haben: «Die Gründungsväter hatten die Vision, das Seetal als Gesamtes zu vermarkten.»

Hans Peter Danuser

Der «Traum» über Markenstrategie

Als «prägende Figur im Schweizer Tourismus» kündigte Seetaltourismus-Präsident René Bossard den Gastreferenten an: Hans Peter Danuser war 30 Jahre Kurdirektor von St. Moritz und deshalb prädestiniert über «Markenstrategie und -pflege» zu sprechen. Heute hat der begeisterte Alphornbläser einen Lehrauftrag an der ETH Zürich für Markenmanagement und sitzt zudem im Verwaltungsrat der Herzroute AG.

Marken, und dazu gehören auch touristische Destinationen, müssten im Markt Vertrauen gewinnen, sagte Danuser und fuhr fort: «Nur wenn sie dieses Vertrauen über Jahre rechtfertigen, wird die Marke stark.»
Als erste Querstrecke zur schweizquerenden Herzroute attestierte der Referent der «Herzschlaufe Seetal» ein grosses Potenzial. Er persönlich kenne das Seetal noch nicht so gut. Immerhin erinnerte sich Hans Peter Danuser an seinen ersten Aufenthalt vor vielen, vielen Jahren: «Ich war damals in einem Pfadilager in Meisterschwanden und erhielt dort meinen Pfadinamen ‹Traum›.» (tf)