Seetal
Start des Mitfahrsystems Taxito im Seetal: «Taxito lebt vom Grundgedanken der Gemeinschaft»

Seit dem 1. Juni verbindet Taxito die aargauischen und luzernischen Seetal-Gemeinden. Das spontane Mitfahrsystem soll Löcher im ÖV-Netz füllen. Gestern eröffneten die Gemeinden das System offiziell.

Valérie Jost
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Christian Budmiger (Gemeindepräsident Aesch), Gabi Lauper (KEK), Martin Beutler (Taxito) und Ständerat Damian Müller (v.l.).

Christian Budmiger (Gemeindepräsident Aesch), Gabi Lauper (KEK), Martin Beutler (Taxito) und Ständerat Damian Müller (v.l.).

marcoleu.ch

«Autostöpple 4.0» nannte der Luzerner Ständerat Damian Müller (FDP) das Mitfahrsystem Taxito gestern beim Eröffnungsanlass in Aesch LU. «Die moderne Technik hat aber den Daumen ersetzt.» In anderen Regionen der Schweiz, etwa in Genf und Graubünden, gibt es das Angebot bereits. Nun kommt es ins Seetal: Acht Aargauer und Luzerner Seetal-Gemeinden sind am Projekt beteiligt. Wegen Corona startete es ein Jahr später als ursprünglich geplant. Seit dem 1. Juni finden Fahrten statt.

Zwischen Meisterschwanden beziehungsweise Fahrwangen und Hitzkirch sowie Muri gibt es momentan keine direkte ÖV-Verbindungen. Hier soll Taxito helfen: «Taxito lebt von einem der Schweizer Grundgedanken, dem der Gemeinschaft», so Ständerat Müller. Es entstünden dank Taxito auch Begegnungen mit neuen Menschen, was der Vereinsamung auf dem Land entgegenwirke. Zudem sei das Angebot umweltfreundlich, da es halb leer fahrende Autos besser ausnütze.

Das Prinzip ist simpel: Wer mitfahren will, geht zu einer Haltestelle. Momentan gibt es elf: in Aesch, Bettwil, Buttwil, Fahrwangen, Hitzkirch (drei Haltestellen in Hitzkirch: Dorf, Gelfingen und Mosen), Hochdorf, Meisterschwanden und Schongau. Jene in Muri verzögert sich momentan wegen einer Strassensanierung.

Zur Sicherheit wird das Kennzeichen gespeichert

An der Haltestelle schickt man Taxito ein SMS mit dem gewünschten Zielort (mögliche Zielorte sind an den Haltestellen aufgeführt). Der Zielort erscheint oben auf der Solar-Anzeigetafel und jedes vorbeifahrende Auto kann einen mitnehmen. «Die Wartezeit beträgt erfahrungsgemäss etwa drei Minuten», sagt Taxito-Geschäftsführer Martin Beutler.

Vor dem Einsteigen schickt man nochmals ein SMS mit dem Kennzeichen des Mitfahrautos an Taxito – eine Sicherheitsmassnahme: «Die Daten werden den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt, falls dies nötig würde. Für andere Zwecke werden die Daten nicht verwendet.»

Eine Fahrt kostet 2,90 Franken

Das Ganze funktioniert ohne Registrierung. «Es braucht keine App oder Ähnliches, das Angebot ist niederschwellig und spontan», so Beutler. Nur um den Beitrag ans Benzin zu erhalten, müssen Fahrerinnen und Fahrer bei Taxito ein Konto erstellen, um ein Überweisungskonto angeben zu können.

Der Beitrag ans Benzin beträgt pro Fahrt einen Franken und geht von den 2,90 Franken ab, den Mitfahrende bezahlen: «Das entspricht einem Halbtax-Kurzstreckenbillet im Kanton Luzern», sagt Gabi Lauper, Vorsitzende der Begleitgruppe KEK (kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept) Seetal. Der Preis ist fix, Distanz oder Anzahl Mitfahrende sind egal.

Die Pilotphase von März 2021 bis September 2023 wird vom Verkehrsverbund Luzern (VVL) und den Gemeinden finanziert. Der Kanton Aargau und die SBB unterstützen das Projekt mit einer Anschubfinanzierung.

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