Seengen
Seenger Unternehmen auf dem Höhenflug

Die Firma Chestonag Automation Seengen feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag und erhielt im Jubiläumsjahr gleich auch noch den ersten Rang des Aargauer Unternehmenspreises.

Fritz Thut
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Bei der Chestonag Automation in Seengen steht die gesamte Belegschaft als Team im Vordergrund, hier vor dem Eingang des Firmensitzes.

Bei der Chestonag Automation in Seengen steht die gesamte Belegschaft als Team im Vordergrund, hier vor dem Eingang des Firmensitzes.

Zur Verfügung gestellt

Grund zum Feiern gibt es gleich mehrere: Die Firma Chestonag Automation in Seengen feierte eben im grösseren Rahmen ihren 25. Geburtstag und zudem durfte man im Jubiläumsjahr den ersten Preis beim Aargauer Unternehmerpreis von Kantonalbank und Gewerbeverband in der Kategorie Dienstleistungs- und Handelsunternehmen bis 250 Mitarbeitende entgegennehmen.

Ein Grund für diese hohe Auszeichnung ist sicher die etwas spezielle Unternehmensstruktur. «Wir sind eigentlich keine Aktiengesellschaft, sondern eine Kolchose», tönt Markus Möhl schon bei der Terminvereinbarung am Telefon die Besonderheit an.

Mitarbeiter sind Teilhaber

Beim Treffen erläutern die Geschäftsleitungsmitglieder ihr spezielles Modell. «Wir bestehen nur aus den Mitarbeitern», hält Geri Heusi, neben Möhl das zweite Gründungsmitglied der Firma, das Besondere einer Software- und Ingenieursfirma fest: Hier werden keine Produkte hergestellt, sondern Projekte abgewickelt; das Wissen in den Köpfen ist das wichtigste Betriebskapital.

Man habe eine Lösung gesucht, so Heusi weiter, wie Mitarbeiter an die Chestonag gebunden werden können. Mit dem stetigen Wachstum der Firma hat sich immer mehr Wissen angesammelt. «Die besten Mitarbeiter könnten sich durchaus selbstständig machen», haben Möhl und Heusi früh erkannt und so Mitarbeiter zu Partnern gemacht.

Unternehmer-Gen ist nötig

Momentan sind rund zwei Dutzend Mitarbeiter der 53-köpfigen Belegschaft (davon etwa 10 Lernende in den Bereichen Informatik und KV) an der Firma beteiligt, und bilden auch gleich den Verwaltungsrat der AG. Die Möglichkeit, Aktien zu erwerben, steht Mitarbeitern zu, die über 30 Jahre alt und seit 5 Jahren bei der Chestonag sind. Zudem müssen alle Bisherigen der Aufnahme eines neuen Aktionärs zustimmen.

Wichtig sei von Anfang an eine hohe Transparenz gewesen. Bei diesem Modell kann man den Partnern, «nicht verheimlichen, dass es dem Betrieb gut geht», so Heusi: «Durch die Beteiligung begann das unternehmerische Mitdenken aller.» Allerdings, räumt Peter Bruderer, das dritte Geschäftsleitungsmitglied, ein, habe man auch erkennen müssen, «dass nicht alle das nötige Unternehmer-Gen haben».

Das Beteiligungsmodell der Chestonag Automation funktioniert. Man habe eine extrem tiefe Fluktuation; lediglich zwei Teilhaber haben das Unternehmen bisher verlassen.

Wertschöpfung entscheidend

Die extrem flachen Hierarchien wirken sich natürlich auch in der täglichen Arbeit aus. Bei einem Projekt habe zwar jemand den «Lead»; aber im Betrieb «zählen Titel nicht so viel», so Möhl. Und Heusi wird noch deutlicher: «Wir bezahlen nicht den Titel und nicht die Zeit, die jemand bei uns absitzt, sondern die Wertschöpfung für das ganze Unternehmen.»

Motivation und Einsatz steigen so automatisch; Stempeluhren kennt man bei der Chestonag Automation nicht. «Wir schreiben keine Stunden auf; deshalb arbeiten wir natürlich alle viel zu viel», hält Heusi fest.

Vor allem in der Schlussphase eines Projektes, vor der Abgabe einer Anlage, ist ein geregelter Feierabend natürlich die Ausnahme. Neckisches Detail am Rand: Man schaut dafür, dass die jeweiligen Lebenspartner die jährlichen Zielvereinbarungen ebenfalls zur Kenntnis nehmen.

Fehlerkultur ist wichtig

Um als Firma erfolgreich zu sein, ist es laut Aussagen der Geschäftsleitungsmitglieder enorm wichtig, den Informationsaustausch unter den Technikern sicherzustellen. Die Fehlerkultur innerhalb des Betriebes sei «enorm wichtig»: «Jeder darf Fehler machen; die Firma als Ganzes einen Fehler jedoch nur einmal», so Heusi. Laut Bruderer werde «das Vertrauen der Kunden durch unsere Fehlerkultur entscheidend gesteigert».

Die Kunden, zu denen oft Vertreter der öffentlichen Hand gehören, dürfen auf diese Weise stets sicher sein, eine Anlage zu bekommen, die funktioniert. Der zuständige Chestonag-Ingenieur ist über die Inbetriebnahme hinaus verantwortlich für das Projekt: Unterhalt und Anpassung an neue Entwicklungen gehören da dazu: «Bei uns wird man sein Projekt nie los.»

Kompetenzen breit verteilt

Bei der Chestonag werden parallel etwa 250 Projekte bearbeitet; pro Ingenieur ergibt dies so 5 bis 6. Diese Projekte können einen Umfang von einigen tausend Franken bis zu 10 Millionen Franken umfassen. In den meisten Fällen ist ein Techniker von A bis Z für das Projekt verantwortlich, was von der Offertstellung bis zur Abnahme reicht.

Die Mitarbeiter sind mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet. Bedingt durch die Strukturen können sie schnell vor Ort entscheiden. Dies führt teilweise zu ungewöhnlichen Situationen, etwa wenn Kunden wegen einem Detail unbedingt «den Chef» sprechen wollen; der Mann an der Front jedoch selbst entscheiden kann – und soll.