Seenger
Seenger Musikgesellschaft spielt virtuos auf Schreibmaschine

Mit dem Jahreskonzert hat die Musikgesellschaft Seengen ihren Einstand in der neuen Mehrzweckhalle gefeiert. Als zusätzliches Instrument wurde kurzerhand eine Schreibmaschine ins Ensemble integriert.

Markus Christen
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Beim Stück «The Typewriter» kam auch eine Schreibmaschine zum Einsatz. Bild: Markus Christen.

Beim Stück «The Typewriter» kam auch eine Schreibmaschine zum Einsatz. Bild: Markus Christen.

Ihm sei vor längerem einmal nachdrücklich klar gemacht worden, erklärte Dirigent Albin Stöckli dem Publikum, dass zum Abschluss eines Jahreskonzerts der Musikgesellschaft Seengen die Darbietung des Seengener Marsches gehöre. Um also einem möglichen Tumult oder gar Protestmarsch zum Gemeindehaus vorzubeugen, ertönte dieses Mal wieder die in der Gemeinde so bekannte Melodie in der Mehrzweckhalle – und liess einen rundum gelungenen Konzertabend gebührend und traditionsbewusst ausklingen.

Allerdings ist es mit Traditionen so eine Sache. Erweisen sie sich als zu starr und abgeschottet, kann sich der Zahn der Zeit ganz schön tief in sie einfressen und aushöhlen. Deshalb hat sich die Musikgesellschaft entschlossen, den Gemeindemarsch mit der Zeit gehen zu lassen. Der Perkussionist Diego Roth griff zum Mikrofon und überraschte die Zuhörer mit einer spritzigen, witzigen Sprechgesangseinlage, die er über den Grundrhythmus legte.

Schon zu Beginn des Jahreskonzerts vom Freitagabend wartete auf die Besucher eine spezielle Überraschung. Der Apérotisch im Foyer bot Gelegenheit, bei einem Glas Wein die im letzten Jahr eingeweihte Mehrzweckhalle mit ihrer grossen Panoramafensterwand im Eingangsbereich in Augenschein zu nehmen.

«Fantasie schweifen lassen»

In diesem aufgewerteten Ambiente fühlten sich auch die Musikerinnen und Musiker sichtlich wohl und präsentierten einen Abend mit konzertanten und unterhaltsamen Kompositionen. Dabei war insbesondere einer Aussage von Präsident Ruedi Hauser voll und ganz zuzustimmen, als er nach dem Vortrag des berühmten Florentiner Marschs bemerkte: «Das Beste an der Musik finden Sie nicht in den Noten, sondern wenn sie ihre Fantasie schweifen lassen.» Gelegenheit dazu bot auch gleich das nachfolgende Stück «High Flyers» aus der Feder von Andrew R. Mackereth. Geprägt von einem hymnischen Charakter wurden hier die Grenzen verschoben und Horizonte in abenteuerlichem Gestus aufgeklärt.

Während des gesamten Konzertes überzeugte das Ensemble durch einen sowohl dynamisch als auch harmonisch stimmigen Ausgleich zwischen den Registern. Für einige Schmunzler im Publikum sorgte schliesslich «The Typewriter» vom tüftlerischen Komponisten Leroy Anderson. Als zusätzliches Instrument wurde kurzerhand eine Schreibmaschine ins Ensemble integriert.