Vor 20 Jahren brachte die Entwicklungsorganisation Helvetas das weltweit erste zertifizierte T-Shirt aus biologischer Baumwolle auf den Markt, ein T-Shirt der englischen Designerin Katherine Hamnett mit der Botschaft «Green Cotton Now» - und leitete damit eine Erfolgsgeschichte ein. Der Seenger Tobias Meier, in diesem Bereich die treibende Kraft bei Helvetas, wurde am Freitag mit dem Prix nature Swisscanto 2011 ausgezeichnet. Belohnt wurden damit die Projekte von Helvetas, die auf Ökologie, Entwicklungsökonomie und Sozialverträglichkeit setzen und dafür im Norden bereits eine Sensibilisierungsebene geschaffen haben. Seit bald 17 Jahren bei Helvetas tätig, wurde Tobias Meier mit seiner Pionierarbeit in Sachen Bio-Baumwolle zu einer der anerkanntesten Personen. «Die mit 10000 Franken dotierte Auszeichnung ist für mich und Helvetas eine Anerkennung für die geleistete Arbeit. Dieser Preis verstärkt unsere Verantwortung, den Weg konsequent weiterzugehen.»

Der Ökonom Tobias Meier übernahm 1994 die Leitung des Versandhandels von seinem Vorgänger Hansjörg Zumsteg. Er ist ausserdem für die Vermarktung der Bio-Baumwolle aus den Projekten zuständig. Tobias Meier gewinnt Käufer aus der Privatwirtschaft, die Bio-Baumwolle aus den Helvetas-Projekten abnehmen.


Seit Mitte der 90er-Jahre referierte Tobias Meier daher bei verschiedenen Workshops zur Förderung der Bio-Baumwolle in Europa. Zudem initiierte er im westafrikanischen Mali ein Pilotprojekt mit 20 Bauern, die erste Kooperation mit lokalen Partnern und Partnerinnen. Im Jahre 2000 fand Tobias Meier mit der Migros und dem Kleiderhersteller Switcher die ersten kommerziellen Partner und Abnehmer. Die beiden Firmen erklärten sich dazu bereit, die Ernte in der Aufbauphase je zur Hälfte zu kaufen und bessere Preise zu zahlen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) finanzierte die Projektarbeit mit. Im Laufe der Zeit kamen Partner wie Hess Natur, Manor, Victoria Secret, Marks & Spencer und viele andere dazu. Immer mehr Organisationen engagieren sich als Geldgeber in dem Projekt.


Mit Fairness zur Auszeichnung

Unterdessen hat Helvetas seine Projekte auf die Länder Burkina Faso, Benin, Kirgistan und Tadschikistan ausgeweitet. Heute wirken 15 000 Bauernfamilien bei den Projekten «Anbau Bio-Baumwolle und fairer Handel» mit. «Die eigentlichen Modeopfer sind die Baumwollbauern in Entwicklungsländern», gibt Tobias Meier zu bedenken. «Fair gehandelte Bio-Baumwolle garantiert ihnen ein existenzsicherndes Einkommen und schützt ihre Gesundheit.» Das neuste T-Shirt in der breiten Kollektion aus Bio-Baumwolltextilien nimmt dieses Thema auf. Entworfen wurde es wiederum von der englischen Designerin Katherine Hamnet, die bekannt ist für T-Shirts mit Politbotschaften. Auf dem neuesten Helvetas T-Shirt aus fair gehandelter Bio-Baumwolle aus dem Helvetas-Projekt in Mali prangt in grossen Lettern: «No more fashion victims» (keine Modeopfer mehr). Dieses T-Shirt ist Teil einer umfassenden Textilkollektion, die Helvetas im Internet und in der Boutique an der Weinbergstrasse 22 in Zürich verkauft.

Tobias Meier, der schon mehrmals in die westafrikanischen Entwicklungsländer reiste, strebt ein neues Konzept an: Er möchte eine vertikale Produktionslinie aufbauen, in der von den Bäuerinnen, Bauern und Spinnereien bis hin zu den Kleiderproduzenten und den Verkaufsstellen alle durch langfristige Verträge miteinander verbunden sind. «Damit könnte die Qualität verbessert und die Produktion langfristig zu fairen Bedingungen gesichert werden», erklärt Tobias Meier. «So würden am Ende alle profitieren.»