Bezirksrichterwahlen

Sechs Sitze, sieben Kandidaten: Junger GLP-Mann im Wettrennen

Zwei Juristen und ein Polizistensohn wollen neu Lenzburger Bezirksrichter werden. Vier der bisherigen Richterinnen und Richter treten wieder an — es kommt zur Kampfwahl. Gewählt wird in zweieinhalb Wochen.

Sechs Sitze, sieben Kandidaten: Am 27. September kommt es in Lenzburg bei den Gesamterneuerungswahlen des Bezirksgerichts zu einer Kampfwahl. Vier der bisherigen Richterinnen und Richter treten wieder an; Marianne ­Bitterli (SVP); Seon, Regula Kyburz-Bucher (EVP), Lenzburg; René Müller (SVP), Rupperswil; Katharina Eichenberger Bryner (SP) aus Möriken-Wildegg. Zurückgetreten als Bezirksrichter und Bezirksrichterin sind Die- ter Schäfer (FDP), Lenzburg, und Margrit Kaufmann (CVP), Seon. Für die frei werdenden Sitze im Bezirk Lenzburg gibt es zwei Kandidaten und eine Kandidatin. Zwei, die den Sitz ihrer Partei verteidigen wollen und ein junger GLP-Mann, der den Etablierten einen Sitz abjagen will.

Ein Seetaler mit Herz für die Umwelt

Tim Güttinger wäre mit seinen 27 Jahren schon ein Jahr älter, als der jüngste Bezirksrichter, Luca Cirigliano, der 2007 ins Amt gewählt wurde. Sein Alter sieht Güttinger nicht als Nachteil. «Es trägt zur Diversifizierung am Gericht bei», sagt er. Zumal die Delinquenten sich auch auf der gesamten Altersskala bewegen würden. Tim Güttinger lebt mit seiner Freundin in Lenzburg, er arbeitet bei einer Rechtsschutzversicherung in Aarau und studiert berufsbegleitend im Master Jus an der Universität Zürich. Bald beginnt das neue Semester, noch ist unklar, ob Güttinger im Homeoffice oder im Vorlesungssaal weiterstudieren kann. Das Interesse für das Rechtssystem ist bei Güttinger schon länger vorhanden. Als die Partei ihn anfragte, kam er zum Schluss, dass das Richteramt auch gut zu seiner Persönlichkeit passen würde. «Ich bin kompromissinteressiert und mag es, mich in neue Fälle einzulesen», sagt er. Tim Güttinger hatte sich schon in seiner Jugend für Politik interessiert und trat vor vier Jahren der GLP bei. «Ich bin im Seetal aufgewachsen, Umweltschutz ist mir ein wichtiges Anliegen», sagt er. Die GLP passe zu ihm, weil er wirtschaftspolitisch sehr liberal eingestellt sei. Für das Richteramt spiele die Parteizugehörigkeit jedoch keine grosse Rolle. «Es gilt das Recht», sagt Tim Güttinger.

Bereit für einen Seitenwechsel

Kandidatin der CVP ist ebenfalls Juristin. Elisabeth Tribaldos (41) arbeitet als Juristin in einem Fachverlag. Das Interesse und Fachwissen für die juristische Tätigkeit sind also ebenfalls schon länger da. «2010 bis 2018 war ich selber als Rechtsanwältin tätig und bin als Parteiverteidigerin vor Gericht aufgetreten», sagt sie. Einem Wechsel von dieser Rolle in diejenige der Bezirksrichterin stehe nichts im Weg, sagt Tribaldos. «Ich würde mich freuen, in einer Sachverhaltsanalyse zu einem Entscheid beizutragen», sagt sie. Auch aus menschlicher Sicht finde sie Prozesse vor Gericht spannend, da die Akten nie den gesamten Eindruck einer Person vermitteln können. Elisabeth Tribaldos ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und seit 13 Jahren Mitglied bei der CVP, in der sie sich sehr wohl fühle. Das C verstehe sie nicht im engen religiösen Sinn, sondern als kul­turelle Zugehörigkeit. Aktuell ist Tribaldos Co-Präsidentin der Ortspartei Lenzburg und in der Sozialkommission der Stadt. Den Parteienproporz am Bezirksgericht findet sie wichtig, um die Bevölkerung und deren Meinung abzubilden.

«Mit Recht und Gerechtigkeit aufgewachsen»

Der dritte neue Kandidat hat als einziger keine juristische Ausbildung. Das ist Absicht. Als Nachfolger von Dieter Schäfer soll wieder ein Unternehmer das Richteramt übernehmen. Kandidat Christoph Nyfeler (37) aus Lenzburg soll es sein. Nach intensiven Gesprächen habe er sich entschieden, zu kandidieren. Durch seinen Vater, der 40 Jahre lang Kantonspolizist war, wurde ihm schon früh bewusst, dass Gesetzesangelegenheiten nicht immer eine einfache Aufgabe seien. In den Gesprächen vor seiner Kandidatur wurde er wieder daran erinnert, dass auch über Sachen verhandelt wird, die ans Gemüt gehen.

Trotzdem habe er sich bewusst für eine Kandidatur entschieden. «Als Polizistensohn bin ich mit Recht und Gerechtigkeit aufgewachsen, als Unternehmer und Fraktionspräsident setze ich mich täglich dafür ein und nach sieben Jahren Singapur weiss ich, unser System zu schätzen», sagt er. Als Unternehmer bringe er die Fähigkeiten mit, in breit gefächerten Gremien einen lösungsorientierten Ansatz zu finden. Christoph Nyfeler ist Einwohnerrat sowie Fraktionspräsident der FDP Lenzburg. Seinen Einstieg in die Berufswelt machte er mit ei- ner Lehre bei Hypothekarbank Lenzburg. Heute ist er Inhaber und Gründer der Schweizer Mälzerei AG, sowie beteiligt an weiteren KMU-Betrieben in der Schweiz. Er hat ein Kind und wohnt in Lenzburg.

Meistgesehen

Artboard 1