Drohungen

Schwulenhasser bedroht in anonymem Hetz-Brief Aargauer Juso-Politiker

Juso-Politiker Ruben Ott. zvg

Juso-Politiker Ruben Ott. zvg

Der 26-jährige Jungsozialist Ruben Ott hat einen Brief erhalten, in dem ihm «Massnahmen» gegen ihn angedroht werden. Der unbekannte Verfasser stösst sich offenbar an Otts politischer Gesinnung - aber auch an dessen Homosexualität.

Dass man als Politiker eine dicke Haut haben muss, ist längst bekannt. Das bekam kürzlich auch der Jungsozialist Ruben Ott zum ersten Mal am eigenen Leib zu spüren. Am Donnerstag, 5. Januar 2012, bekam der 26-Jährige einen anonymen Brief zugestellt. «Als ich den Brief las, bin ich erschrocken. Aber nicht weil ich Angst habe. Ich lasse mich nicht einschüchtern», sagt Ott. Er sei darüber erschrocken, dass seine politische Einstellung gepaart mit seiner sexuellen Orientierung so viel Hass erzeugen könne.

Der Drohbrief beinhaltet massive Beschimpfungen

Der Drohbrief beinhaltet massive Beschimpfungen

Ott ging mit dem Brief zur Polizei. Doch diese konnte nicht helfen. Denn «es ist keine Drohung gegen Leib und Leben, daher ist es nicht möglich, Anzeige zu erstatten», erklärt Ott. Die Polizei wird also keine weiteren Untersuchungen durchführen. Doch er habe nun den Vorfall gemeldet und hätte somit einen ersten Beweis für spätere Vorkommnisse, wenn denn Ähnliches wieder vorkommen sollte, meinte Ott.

«Das Schreiben ist gut gemacht»

Ebenfalls schockiert über den Drohbrief ist Florian Vock, Präsident der Juso Aargau: «Das Schreiben ist so gut gemacht, dass man keine Anzeige machen kann. Das zeugt von einer intelligenten Person, die den Brief verfasst hat.» Und Vock geht noch einen Schritt weiter: «Eigentlich müsste man meinen, dass man mit so einer intelligenten Person mithilfe einer Konversation Probleme lösen könnte. Das anonyme Schreiben ist armselig und zeugt von Feigheit.»

Gezeichnet war der Brief mit «Anwohner an der Ringstrasse West». «Der oder die Schreibende will mir weismachen, dass er oder sie in der Nähe wohnt», sagt der Primarlehrer Ott. Er hat aber niemanden im Verdacht. Die Juso-Fahne, die seit dem letzten September aufgrund der Nationalratswahlen an der Hauswand von Otts WG hängt, kann jeder Autolenker sehen. «Theoretisch könnte der Verfasser des Briefes also jeder sein», erläutert Ott.

Der 26-Jährige wohnt erst seit letztem November fix in Lenzburg. Zuvor war er in der gleichen WG bereits Wochenaufenthalter. Daher sieht er keinen Zusammenhang zwischen dem definitiven Einzug und dem Datum der eingegangenen Drohungen. «Es war wohl purer Zufall, dass der Brief nun angekommen ist», so Ott.

Ott ist nicht der Einzige

Der homosexuelle Politiker hatte im ersten Moment schon ein ungutes Gefühl, denn auf der Strasse hätte jeder Passant der Verfasser sein können. «Ich finde es schrecklich, dass so was vorkommt. Und leider bin ich nicht der Einzige. Ich weiss, dass auch schon andere Juso-Mitglieder bedroht wurden», sagt Ott.

Das bestätigt Vock. Er selber wurde zwar noch nie bedroht, aber er bekam auch schon ein Schreiben: «Dem anonymen Brief war eine Bibel beigelegt. Da wollte mich wohl eine ältere Dame von der Homosexualität abbringen.» Doch er weiss, dass zum Beispiel der ehemalige Juso-Präsident und heutige SP-Nationalrat Cédric Wermuth schon einige Drohungen zugestellt bekam.

Vock ist überrascht, dass gerade Ott bedroht wird. Er, der kein politisches Amt innehat und nicht speziell exponiert ist. Ob der Grund für die Drohung Otts Homosexualität ist, kann Vock nicht beurteilen. Doch er ist überzeugt, «dass die Drohung nicht aus dem Nichts kommt. Sie ist eine Folge des aktuellen politischen Klimas», gibt Vock zu bedenken. Er hofft, dass es nur bei der Drohung bleibt und nicht noch weitergeht.

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