Schwingfest
Der König hat schlecht geschlafen – na und? Stucki gewinnt in Lenzburg

Am Sonntag fand in Lenzburg das Aargauer Kantonalschwingfest statt. Das Pilotprojekt für zukünftige Grossanlässe endete mit dem Sieg von Gast und Schwingerkönig Christian Stucki.

Martin Probst und Marcel Kuchta
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Der Triumphator: Christian Stucki wird nach seinem Festsieg in Lenzburg auf den Schultern getragen.
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Christian Stucki (rechts) erhält den Kranz.
Festsieger Christian Stucki mit dem Lebendpreis Bärbeli
Nick Alpiger (l.) gratuliert Christian Stucki nach dem gestellten Schussgang zum Festsieg.
Christoph Bieri aus Untersiggenthal gewann den 100. Kranz.
Der König und das Schloss: Schwingerkönig Christian Stucki, im Hintergrund das Schloss Lenzburg.
Schöne Tradition: Die Nationalhymne wird vor dem ersten Gang in Lenzburg gesungen.
Der König regiert mit eiserner Faust: Christian Stucki bodigt auch den Freiämter Joel Strebel.
Der Paukenschlag zum Auftakt: Schwingerkönig Christian Stucki besiegt Lokalmatador Nick Alpiger deutlich.
Angenehm ist anders: In der Reithalle müssen sich Selbsttester das Stäbchen in die Nase stecken.
Warten auf das Ergebnis des Schnelltests im Testzentrum.
Auch die Ehrendamen dürfen in Lenzburg selbstverständlich nicht fehlen.
Die Mehrheit der Zuschauer hält sich an die Maskenpflicht vor Ort. Sie wird höchstens zur Konsumation von Speisen oder Getränken entfernt.
Den 100. Kranz im Visier: Christoph Bieri freut sich über seinen überraschenden Auftaktsieg gegen Patrick Räbmatter.
Bei der Einlasskontrolle war Geduld gefragt.
Eine Mitarbeiterin instruiert einen Schwinger, wie er den Schnelltest anwenden muss.
Der Aargauer Eidgenosse Andreas Döbeli (Mitte) im Interview mit Tele M1.
Grossratspräsident Pascal Furer im Visier der TV-Kameras.
EIn Proband tunkt seinen Teststab in der Flüssigkeit. (KEYSTONE/Alexander Wagner)
Schwinger Andreas Henzer beim Check-In.
Lokalmatador Nick Alpiger betritt das Wettkampfareal. Im Hintergrund das Schloss Lenzburg.

Der Triumphator: Christian Stucki wird nach seinem Festsieg in Lenzburg auf den Schultern getragen.

Alexander Wagner

Wer hätte gedacht, dass Christian Stucki noch irgendetwas aus der Ruhe bringen könnte? Zumindest, wenn es ums Schwingen geht. In Zug wurde er vor 21 Monaten König, mit dem Unspunnen (2017) und dem Kilchberger (2008) hat der Berner auch die zwei anderen Schwingfeste mit eid­genössischem Charakter ge­wonnen. Hinzu kamen 128 Kränze und 42 Kranzfestsiege, als er sich am Sonntagmorgen von Lyss auf den Weg nach Lenzburg machte. Und trotz all dieser Erfolge hat Stucki in der Nacht schlecht geschlafen.

«Ich war sehr nervös, wachte oft auf, manchmal schweissgebadet», sagt der 36-Jährige. Wie ist das möglich? Stucki selbst sagt, die lange Coronazwangspause sei speziell gewesen. Er wurde quasi aus dem Erfolgsrythmus gerissen, wusste nicht, wo er steht.

Der Druck als König ist nochmals höher

Natürlich ging das den anderen Teilnehmern am Aargauer Kantonalschwingfest gleich. Aber bei Stucki kommt noch mehr dazu. Es war sein erstes Fest als König. Er musste ­liefern, alle schauten auf ihn. In Zug hat er am Eidgenössischen den letzten Gang vor Corona bestritten, 652 Tage später kehrte er zurück. Bei der ersten Möglichkeit.

«Das hat unbewusst wohl auch noch mitgespielt», sagt Stucki. Der Erfolgsdruck des Königs ist nochmals ­höher. Selbst für einen, der schon so viel gewonnen hat. Und darum lag er wach.

Doch als es um 9.30 Uhr für ihn losging, war davon nichts zu spüren. Im ersten Gang bekam es Stucki gleich mit Nick Alpiger zu tun, dem Leader der Nordwestschweizer. Alpiger hatte 2019 das Innerschweizerische Fest gewonnen und wurde zum Mitfavoriten auf den Königstitel. Erst eine Verletzung stoppte ihn. Doch davon liess sich Stucki nicht beeindrucken, legte den 25-Jährigen im Stile eines Königs im Eiltempo auf den Rücken.

«Das geht auf meine Kappe», sagt Alpiger. «Er hat mich erwischt. Es war aber auch ein sehr guter Angriff von ihm.»

Nick Alpiger zieht im Videointerview Bilanz.

Tele M1

Egal welcher Eidgenosse da kam, Stucki legte alle auf den Rücken

Und so ging es weiter. Ihm zweiten Gang besiegte Stucki mit Tiago Vieira den einzigen Nicht-Eidgenossen, der an diesem Sonntag auf seinem Notenblatt landen sollte. Danach erwischte es der Reihe nach die Aargauer Eid­genossen Joel Strebel, Andreas Döbeli und Christoph Bieri. Zwar kamen sowohl Strebel als auch Döbeli selbst zu einer Chance. «Zu Beginn fühlte ich mich gut», sagt Döbeli. «Dann übernahm er die Kontrolle.» Und bog auf die Autobahn in Richtung Schlussgang ein.

Mit fünf Siegen in fünf Kämpfen hatte Stucki eindrücklich bewiesen, dass die Pause keine Spuren hinter­lassen hatte und er grundlos nervös war. «Ich bin sehr zufrieden», sagt der Berner. Dass er ein Fest als Gast so sehr dominiert, kommt selbst bei ihm selten vor. Der Rücken, der ihm in der Vorbereitung noch zu schaffen machte, «bereitete gar keine Probleme».

Ein ereignisarmer Schlussgang

Weil sich Alpiger von der Nieder­lage im ersten Gang gut erholte und selbst vier Siege in Serie aneinanderreihte, belegte er nach fünf Gängen punktgleich mit Joel Strebel Rang zwei und die Einteilung musste entscheiden, wer Stucki im Schlussgang ein zweites Mal fordern durfte. «Natürlich wäre ich gerne im Schlussgang gestanden», sagt Strebel. Aber der 24-Jährige ahnte, dass wohl Alpiger beim Heimauftritt – der 25-Jährige ist Mitglied im Schwingklub Lenzburg – den Vorzug erhalten würde.

Und so kam es dann auch und rund acht Stunden nach dem ersten Zusammentreffen zwischen Alpiger und Stucki zum zweiten.

Im Schlussgang liess sich Alpiger nicht noch einmal vom König über­raschen. Dieses Mal hielt er dagegen und gestaltete ein ereignisarmes Duell ausgeglichen. Stucki reichte allerdings ein Gestellter, um das Fest zu gewinnen – und so kam es dann auch. Der König wehrte die wenigen Versuche von Nick Alpiger ab und wurde souverän zum Festsieger. Die Nacht danach dürfte er ruhiger geschlafen haben.

Christian Stucki gewinnt Aargauer Kantonalschwingfest königlich

Tele M1

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