Bis vor kurzer Zeit hatte ich mit Klettern nichts am Hut. Bewunderung für diese Extremsportler, die mit Seilen an den Felswänden hängen und immer höher steigen, hatte ich aber schon immer. Der Kletterausrüster Mammut hat mich dazu eingeladen, ein Probeschnuppern in der Kletterhalle Lenzburg zu erleben.

Nachdem ich die Kletterausrüstung angezogen habe, führt mich Marco Toretti zu einer acht Meter hohen Kletterwand. Er hat mich mit einem Seil gesichert, ich brauche keinen Absturz zu befürchten. So steige ich ohne grosse Mühe die erste Wand empor.

Mein Herz schlägt erst höher, als mich der Kletterlehrer abseilt. Ich muss meine Hände von diesen zwei Griffen loslassen, die meinen freien Fall verhindern und einfach «in die Luft liegen». Das brauche am Anfang etwas Mut, sagt Toretti, als ich wieder mit beiden Füssen auf dem Boden stehe.

Klettern ist Kopfsache

Dann wählt Toretti anspruchsvollere Kletterwände aus und nach und nach begreife ich die Klettertechnik. Je breiter ich auf den Tritten stehe, desto stabiler bin ich und kann mich erholen. Will ich in die Höhe steigen, muss ich die breite Stellung verlassen und die Füsse möglichst nahe beieinander halten. Nur so kann ich entweder nach einem höheren Griff greifen oder mit den Füssen eine höhere Stufe erreichen. «Beim Klettern wechseln sich diese zwei Kletterstellungen immer ab», erklärt Toretti.

An der Kletterwand merke ich auch, dass ich immer wieder neu überlegen muss, welches der nächste Schritt ist. Kraft und Ausdauer bringen wenig, wenn ich im Kopf die falschen Entscheidungen treffe. Deshalb ist es wichtig, dass man sich während des Kletterns immer wieder erholen kann.

Bouldern in der Kletterhalle

Dass man in der Kletterhalle auch ohne Seil klettern kann, wusste ich nicht. «Bouldern» nennt sich eine neue Variante des Klettersports. «Boulder» ist das englische Wort für «Felsblock». Die Sportart sei besonders bei der jungen Generation im Trend, sagt Toretti. «Der Unterschied zum traditionellen Klettern ist, dass die Felswände beim Bouldern nur einige Meter hoch sind und wir deshalb kein Sicherungsmaterial brauchen», sagt Toretti.

So versuche ich mich auch noch als «Boulderer» – und bin begeistert. Ohne die Kletterausrüstung fühle ich mich so frei wie ein Affe im Regenwald. Obwohl die Blöcke nur einige Meter hoch sind, herausfordernd sind sie allemal. Besonders schwierig wird es, wenn die Wand nicht mehr senkrecht verläuft, sondern sich gegen den Boden neigt. Dann wird der Kampf gegen die Schwerkraft umso kräfteraubender. Zum Glück liegt unter mir eine grosse, weiche Matte, die mich bei einem Absturz auffängt.