Vierfachmord
Schwerster Abschied: Wie sich Rupperswil auf die Gottesdienste vorbereitet

Für die vier Mordopfer von Rupperswil stehen zwei Trauergottesdienste am Freitag und am Samstag an. Jener am Freitag für die Mutter Carla S. und ihre Söhne soll den speziellen Umständen angepasst werden, wie Pfarrer Christian Bühler sagt.

Mario Fuchs und Remo Hess
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Kerzen, Herzen, Briefe: Auch zwei Wochen nach der Tat kann in Rupperswil niemand fassen, warum die vier Gemeindemitglieder sterben mussten.
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Carla Schauer während ihres Barbezugs am Schalter in der AKB-Filiale in Wildegg am Montagmorgen, 21. Dezember 2015. Geld hob sie auch bei einer Bank in Rupperswil ab - zirka eine Stunde später war sie tot.
In einer Wohnung dieses Doppel-Einfamilienhauses stiessen Feuerwehrleute bei einem Brand am 21. Dezember auf vier Leichen.
Die Lenzhardstrasse in Rupperswil, wo die Familie Schauer wohnte.
Die Feuerwehr waren um 11.20 Uhr wegen eines Brands zum Haus an der Lenzhardstrasse in Rupperswil ausgerückt.
Schnell ist klar: Hier ist es zu einem äusserst brutalen Verbrechen gekommen. Die Opfer wurden erstochen und angezündet.
Es handelte sich um Carla Schauer (48), ihre beiden Söhne (13 und 19) und die Freundin des älteren Sohnes (21). Dieses Bild vor dem Haus der Opfer wurde zirka 9 Tage nach der Tat aufgenommen.
Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, informiert Medienschaffende nach der Tat.
Ein Grossaufgebot von Feuerwehr, Polizei und Ambulanz ist an der Lenzhardstrasse in Rupperswil im Einsatz.
Das Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr lockt auch zahlreiche aufgewühlte Anwohner an.
Vor Ort ermitteln Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft zum Brand und der Todesursache der Opfer.
Die Ermittler machen sich bereit, im Innern des Hauses die Spuren zu sichern
Für die Ermittler ist Knochenarbeit angesagt.
Auch das Care-Team Aargau ist vor Ort.
Das Quartier, in dem das Verbrechen geschah.
In der linken Doppelhaushälfte kam es zu den vier Tötungsdelikten.
Schüler und Anwohner haben vor dem Haus Kerzen aufgestellt.
Schüler und Anwohner haben vor dem Haus Kerzen aufgestellt.
Zwischen den Kernen finden sich persönliche Abschiedsbotschaften.
Blick auf das Dorfzentrum von Rupperswil.
Flugblatt statt Facebook: Die Polizei sucht direkt in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit vier Toten geben können.
9 Tage nach der Tat stehen nach wie vor viele Kerzen vor dem Haus der Opfer.
Vierfachmord von Rupperswil

Kerzen, Herzen, Briefe: Auch zwei Wochen nach der Tat kann in Rupperswil niemand fassen, warum die vier Gemeindemitglieder sterben mussten.

Sandra Ardizzone

«Einmal sehen wir uns wieder . . .» – es sind bewegende Worte, mit denen die am Dienstag publizierte Todesanzeige von Simona F. beginnt. Die 21-Jährige wurde zusammen mit ihrem 19-jährigen Freund Dion, dessen 13-jährigem Bruder Davin und deren Mutter Carla Schauer (48) beim Vierfachmord von Rupperswil getötet. Am 21. Dezember trafen Feuerwehrleute das Haus der Familie brennend an. Die vier Opfer wurden tot geborgen, sie wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.

Angehörige und Freunde von Simona F. werden am Samstag mit einem Trauergottesdienst in der evangelisch-methodistischen Kirche Hunzenschwil Abschied von ihr nehmen. In der Anzeige bittet die Familie darum, nicht in Trauerkleidung zu erscheinen. Stattdessen solle man Turnschuhe als Zeichen der Verbundenheit tragen. «Wer Simona kannte, weiss, wie sehr sie Sneakers mochte. Sie würde sich sicher freuen, wenn diejenigen, die mögen, solche Schuhe tragen», schreibt die Familie. «In ihren 22 Lebensjahren hat sie uns so viel gegeben. Uns fehlen die Worte.»

Auch Simonas Arbeitgeber, der Seoner Bergsportausrüster Mammut, drückt in einer Todesanzeige in der gestrigen Ausgabe der az seine Trauer aus: «Wir alle hatten Simona sehr gern und haben sie sehr geschätzt. Ihre positive Lebenseinstellung, ihre Menschlichkeit und ihr strahlendes Wesen haben uns bereichert.»

Grosses Medieninteresse erwartet

Bereits am Freitag findet in Rupperswil ein Gedenkgottesdienst für Carla Schauer und ihre Söhne Dion und Davin statt. In der Anzeige schreibt die Familie: «Nicht auf Erden suchet uns, von den Sternen leuchten wir.» Auf Wunsch der Verstorbenen finde «eine Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis» statt. Weiter schreiben die Angehörigen: «Traurig nehmen wir Abschied von unseren Liebsten» – «wir werden euch sehr vermissen.»

Pfarrer Christian Bühler von der reformierten Kirchgemeinde Rupperswil bereitet den Gottesdienst vom Freitag gemeinsam mit der Trauerfamilie vor. Auf Anfrage sagt Bühler: «Es wird einen Abdankungsgottesdienst geben, der den speziellen Umständen angepasst ist.»

Wer sich daran alles beteiligen werde, werde jetzt geplant. «Das wird in den nächsten Tagen konkretisiert», sagt Bühler. Jetzt schon klar ist, dass das Interesse der Öffentlichkeit gross sein wird. Das lassen die Organisatoren nicht ausser Acht.

Für die in grosser Zahl erwarteten Medien werden die Trauerfamilie und die Kirchgemeinde Rupperswil Unterstützung von der reformierten Landeskirche erhalten: Frank Worbs, Leiter des Informationsdienstes, wird anwesend sein und die Medienschaffenden betreuen.

Gemeinderat wird teilnehmen

David Bürge ist als Kommandant des kantonalen Katastrophen-Einsatz-Elements für das Care-Team Aargau verantwortlich. Das Care-Team betreute nach der Tat in Rupperswil die Angehörigen der Opfer sowie Nachbarn und Feuerwehrleute.

Im «TalkTäglich» auf Tele M1 sagte Bürge am Dienstag, ob Angehörige der Feuerwehr am Gottesdienst teilnehmen werden, sei eine sehr individuelle Frage. «Von jenen, die dabei waren, muss jeder für sich entscheiden, ob ihm die Teilnahme hilft, das Erlebte zu verarbeiten.»

Voraussichtlich teilnehmen wird Gemeindeammann Ruedi Hediger. Man stehe im Kontakt mit der Familie, sagte Hediger am Dienstag. An einer Gemeinderatssitzung am Dienstagabend diskutierte der Rat, mit welcher Delegation die politische Gemeinde am Freitag vertreten sein wird.