Schloss Hallwyl
Schutzdekret stoppt grossen Event zur Berner Schloss-Belagerung

1415 belagerten die Berner Schloss Hallwyl. Diese sollte über Pfingsten an einem grossen Event rekonstruiert werden. Doch das Hallwilerseeschutzdekret machen den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung.

Fritz Thut
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Silvan Wegmann
Schloss Hallwyl, Event abgesagt

Schloss Hallwyl, Event abgesagt

AZ-Archiv

«Die Berner greifen an.» Unter diesem Titel war vom 22. bis 25. Mai zum Jahrestag der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im und ums Schloss Hallwyl ein grosser Event geplant.

Doch die aufwendig inszenierte historische Darstellung der Schlossbelagerung von 1415 findet nicht statt. 600 Jahre später werden die Berner nicht etwa durch aufmüpfige Habsburger gestoppt: Die wortgenaue Interpretation des Hallwilerseeschutzdekrets (HSD) führte dazu, dass das Museum Aargau als Veranstalter das entsprechende Baugesuch Anfang Monat zurückzog.

Gemäss Projektleiter Thomas Rorato, Vizedirektor von Museum Aargau, war vorgesehen, dass die für mittelalterliche Darstellungen bekannte Company of Saynt George «mit rund 100 Personen» die Belagerung und Eroberung des Seetaler Wasserschlosses authentisch nachstellen sollte.

Nach Angaben auf ihrem Internetauftritt ist die Company «eine Gruppe von Enthusiasten, die das 15. Jahrhundert zu neuem Leben erwecken»; die Mitglieder «stammen aus ganz Europa». «Enttäuscht, aber professionell» hätten die Company-Verantwortlichen die Absage aufgenommen, so Rorato.

Gründe für den relativ kurzfristigen Rückzieher gibt es viele. «Der Zeitfaktor war nicht optimal», gibt Thomas Rorato zu. Erst spät wurde bei Museum Aargau, das auch das Schloss Hallwyl betreut, realisiert, dass für den Anlass ein Baugesuch eingereicht werden muss. Routinemässig wird ein solches Gesuch in der Schloss-Standortgemeinde Seengen nicht nur öffentlich ausgeschrieben, sondern – sobald es den Bereich des Hallwilerseeschutzdekrets (HSD) tangiert – an die zuständigen kantonalen Stellen weitergeleitet.

Suche nach Lösungen

Von hier gehen die Dokumente zurück ins Seetal, wo die vom Regierungsrat eingesetzte, paritätisch zusammengesetzte Seeuferschutzkommission (SUK) Gesuche im Bereich des HSD beurteilt und zuhanden der Regierung eine Empfehlung abgibt.

Die SUK prüft die HSD-Tauglichkeit der Ansinnen, entscheidet jedoch nicht schlicht nach dem Schwarz-oder-weiss-Schema. «Wir suchen immer nach Lösungen, damit eine Veranstaltung oder ein Bauvorhaben realisiert werden kann – natürlich unter Einhaltung des Dekrets», hält SUK-Präsident Gianni Asquini fest.

Im Fall der nachgespielten Belagerung übers Pfingstwochenende lagen jedoch mehrere Verstösse gegen den Paragrafen 7a «Spezialzone Schloss Hallwyl» vor, so dass alle Kompromissbereitschaft der SUK nichts ausrichten konnte. Da half auch der freiwillige Verzicht auf Kanonen- und Böllerschüsse, die unter Ziffer 2 explizit verboten sind, nicht weiter.

Das Gesuch für die Company of Saynt George verstösst laut Asquini «gleich gegen mehrere Punkte». Kulturelle Grossveranstaltungen sind nur vom 1. Juli bis 31. Oktober möglich. Diese terminliche Einschränkung gilt vor allem aus Rücksicht auf die Natur. Ende Mai dauert die Brut- und Aufzuchtzeit der berühmten Turmdohlen beispielsweise noch an.

Die maximale Personenzahl für Anlässe ist auf 700 pro Tag limitiert. In den Projektunterlagen ging Museum Aargau von 4500 bis 6500 Besuchern an den vier Tagen aus. Ein kleiner Teil des Lagers der Berner sei zudem beim Schlosspark nicht nur in einer Schutz-, sondern gar in einer Sperrzone vorgesehen gewesen. Und der beantragte provisorische Steg über den Aabach liegt ebenfalls nicht drin.

Rückzug statt Ablehnung

Gemäss dem SUK-Präsidenten habe man hier keinen Ansatz für eine Ausnahmebewilligung gefunden: «Man würde sonst Präjudizien schaffen.» Unter den vorliegenden Umständen habe die Rücksicht auf die Natur höher gewichtet werden müssen, so Gianni Asquini.

Das Museum Aargau will keine Spezialbehandlung. Um einer Ablehnung zuvorzukommen, hat man das Gesuch Anfang März zurückgezogen und den Anlass abgesagt: «Wir haben die Situation etwas unterschätzt und respektieren dieses sensible Gebiet und die entsprechenden Regeln», hält Edith von Arx, Leiterin Kommunikation von Museum Aargau, fest.

Anstelle der grossen Schau plant man nun Anlässe in deutlich kleinerem Rahmen, die voll dekretsgerecht sind.