Lenzburg
Schulleiterin hat gekündigt: «Ich habe die Notbremse gezogen»

Angelrain-Schulleiterin Susann Müller hat gekündigt. Grund ist die Überbelastung.

ruth Steiner
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Der Spielplatz im «Angelrain» fällt in Müllers Zeit als Schulleiterin.

Der Spielplatz im «Angelrain» fällt in Müllers Zeit als Schulleiterin.

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Schulleiterin Susann Müller hat der zunehmenden Belastung ein Ende gesetzt und auf Ende des Schuljahres gekündigt. Im April schrieb sie in einem Elternbrief: «Die Umstrukturierung der Schule Lenzburg bringt es mit sich, dass im ‹Angelrain› die Aufgaben immer vielfältiger werden und der Arbeitsumfang weiter ansteigt – und somit meine Kraft übersteigen.»

Müller beschönigt nichts und spricht über ihren Weggang Klartext. Sie handle, bevor es zu spät sei, sagt sie. Es bringe nichts, seine Überlastung ständig vor sich herzuschieben und zu glauben, alles werde sich schon wieder richten. Zumal die Zeichen an der Regionalschule Lenzburg und die grösser werdende Angelrain-Anlage eher auf weiter zunehmende denn abnehmende Belastung stünden. In der Tat kommen auf die künftige Angelrain-Schulleitung grosse Brocken zu. Dazu gehören der Umbau und die Sanierung des Schulhauses Bleicherain und die Arbeiten rund um die Überführung der Primarstufe ins Angelrain-Areal. Zu viel, findet die 50-Jährige und hat nun die Konsequenzen gezogen.

«Ich habe ein 60- Prozent-Pensum angetreten, mittlerweile sind über 80 Prozent daraus geworden, auf dem Papier», so die Erklärung. «Es wäre schleichend zu einem 100-Prozent-Job gewachsen. Und das ist mir zu viel. Ich habe die Notbremse gezogen.»

Positive Angelrain-Kultur etabliert

In diesem Pensum enthalten sind Aufgaben der Gesamtschulleitung. Nach dem überraschenden Abgang des Gesamtschulleiters Tim Schaerer vor einem Jahr blieb die Stelle des Gesamtschulleiters vakant, die Aufgaben wurden auf die verbleibenden Mitglieder der Schulleitung aufgeteilt.

Müller betont jedoch, dass sie dieser einstufigen Schulleitung durchaus positive Aspekte abgewinnen kann: «Jetzt bin ich besser informiert als vorher und weiss, was läuft.» Hingegen sei der Informationsaustausch des fünfköpfigen Kollegiums eine überaus zeitintensive Angelegenheit und zusätzliche Belastung für sie und ihre Kollegen der Schulleitung.

Nach 27 Jahren Lehrtätigkeit hat Susann Müller vor drei Jahren den Schritt in Richtung Schulleitung gewagt und hat sich als Schulleiterin für den Kindergarten/Primarstufe nach Lenzburg wählen lassen. Dass in dieser Zeit das Lehrerkollegium im Angelrain zu einem homogenen Team zusammenwuchs und sich die «Angelrain»-Kultur positiv entwickeln konnte, ist für Müller eine grosse Errungenschaft und erfüllt sie mit Befriedigung. Die vielseitige Frontarbeit, so sagt sie, das Schaffen mit Lehrpersonen, Schulsozialarbeitern und Behörden, die Kontakte Schülern und der Austausch mit Eltern, das sei ihr Kerngeschäft. Geschätzt hat sie dabei die Unterstützung der Schulsozialarbeit. «Sie übernimmt viele Aufgaben, die bei der Schulleitung landen würden.»

Vorerst kein Jobsharing möglich

Ein strategischer Entscheid der Schulpflege habe ein Aufteilen des Pensums auf zwei Personen vor Ort verunmöglicht, bedauert Müller. Das breite Aufgabengebiet nicht im Alleingang stemmen zu müssen, hätte ihr in Lenzburg andere Perspektiven eröffnet. Diese hat die 50-jährige Beinwilerin jedoch in der Zwischenzeit an einem andern Ort gefunden: Auf das neue Schuljahr übernimmt sie in einem 50-Prozent-Pensum die Schulleitung an einer kleineren Schule.

Müllers Posten ist noch vakant. Susanne Buri, Präsidentin der Regionalschulpflege, gibt dazu, dass die Schulpflege von der Kündigung Müllers überrascht wurde. Nun sei man auf der Suche nach einer Nachfolge. «Wir haben Gespräche mit Kandidaten geführt. Die geeignete Person, welche ins Team der Lehrpersonen passen würde, war noch nicht dabei.» Man habe nicht einfach jemanden einstellen wollen – sozusagen als Notnagel.

Ein Jobsharing, wie von Müller gewünscht, sei im jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. «Es ist der Schulbehörde jedoch klar, dass die Arbeitsbelastung mit der Realisation des Kompetenzzentrums für die Primarstufe im Angelrain weiter zunehmen wird. Dann wird das Thema Jobsharing wieder diskutiert werden müssen.»