Hendschiken
Schüler versprayen ihr eigenes Schulhaus – und stellen das aus

Bevor das Schulhaus abgerissen wird, wurde es im Rahmen eines Kunstprojekts mit Sprayereien verziert. Doch es wurde nicht einfach wild drauflos gesprayt.

Fabio Baranzini
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Schüler versprayen ihr eigenes Schulhaus und stellen das aus
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Schüler versprayen ihr eigenes Schulhaus und stellen das aus

Fabio Baranzini

Das Schulhaus in Hendschiken wurde vergangene Woche mit Graffiti vollgesprayt – innen und aussen. Was normalerweise als Vandalismus bezeichnet und als öffentliches Ärgernis taxiert wird, ist im Falle der Schule Hendschiken jedoch ein Grund, um eine Ausstellung für die Bevölkerung zu organisieren, denn die «Täter» waren alle Kindergärtler und Primarschüler aus Hendschiken. Sie durften im Rahmen eines Kunstprojektes ihr eigenes Schulhaus besprayen, da dieses bald abgerissen wird.

«Eine solche Gelegenheit muss man packen. Man hat ja nur einmal die Chance, aus einem Schulhaus, so etwas zu machen», sagt Schulleiterin Marion Lamezan. Kurzerhand hatte die Schulleitung im Sommer entschieden, den Umbau zum Jahresthema zu machen und alle Schülerinnen und Schüler in einem passenden Projekt einzubinden. Mithilfe des Bundesamtes für Kultur und Sport stiess man auf den freischaffenden Künstler und Graffiti-Experten Pirmin Breu, der sich bereit erklärte, mit den Kindern das Projekt umzusetzen.

Aber die Kinder durften nicht einfach wild drauflos sprayen, sondern taten dies mit genauen Vorgaben. «Schliesslich ist es Kunstform und nicht eine Anleitung, um irgendwo illegal zu sprayen», hält Lamezan fest. Deswegen besuchte Breu auch jede Klasse und erklärte die Anwendungsbereiche und die Entstehung der Graffiti.

Jedes Kind sprayt einen Wagen

Vergangene Woche wurde dann an zwei Tagen gesprayt. Daraus entstand ein gemeinsames Kunstwerk. Als Motiv wurde ein Zug gewählt, bei dem jedes Kind seinen eigenen Wagen gestalten konnte. «Der Zug steht symbolisch dafür, dass er vieles verbindet. Diese Idee von Herrn Breu hat uns gut gefallen», sagt Lamezan. So gut, dass das Projekt mit Bildern und Filmsequenzen dokumentiert wurde, um später einen Kurzfilm beim Wettbewerb «Funkenflug» einzureichen. Zudem werden die Fotos der gesprayten Zugwagen im neuen Schulhaus die Wände zieren.

Am Dienstagabend wurden die Graffiti der Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Vernissage der Bevölkerung präsentiert. Die Kinder zeigten ihre Werke voller Stolz den Eltern und Verwandten und die Anwesenden kamen in den Genuss einer Demonstration von Breu, der innerhalb von wenigen Minuten eine zuvor graue Wand in ein Graffiti-Kunstwerk verwandelte.

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