Lenzburg
Schüler gehen voran bei nachhaltiger Neophytenbekämpfung

Dieses Jahr beteiligt sich die Stadt als Neobiota-Pilotgemeinde des Kantons Aargau. Im Rahmen des Versuchsprojektes organisieren die Forstdienste Lenzia die systematische Ausrottung des drüsigen Springkrautes.

Heiner Halder
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Unter der Leitung von Forstwart Roger Studer sind die Zweit-Sekundarschüler der Klasse Hörner ob dem Chaibegarte fleissig am Ausrotten.

Unter der Leitung von Forstwart Roger Studer sind die Zweit-Sekundarschüler der Klasse Hörner ob dem Chaibegarte fleissig am Ausrotten.

Neobiota sind unerwünschte Ausländer, die sich hierzulande breitmachen und die Einheimischen verdrängen und deshalb bekämpft werden müssen.

Gemeint sind natürlich Pflanzen (Neophyten) und Tiere (Neozoen), die seit der Entdeckung Amerikas 1492 gezielt oder zufällig in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen.

Invasive Neophyten wie das drüsige Springkraut verbreiten sich rasch, verdrängen die heimischen Pflanzen und erschweren durch die Licht- und Wurzelkonkurrenz die Waldverjüngung, erläutert Projektleiter Markus Dietiker das Problem.

Eine einzelne Pflanze produziert rund 2000 Samen, das sind 32 000 pro Quadratmeter. Sie bleiben rund sechs Jahre keimfähig und verbreiten sich durch den Schleudermechanismus (Springkraut) der Frucht bis sieben Meter weit, oder sie lassen sich in Fliessgewässern mitführen; auch die Vögel verbreiten das weiss, violett und rot blühende Kraut, das aus dem Himalaja stammt.

In Lenzburg ist das Springkraut insbesondere in den Eichenwaldreservaten Lütisbuech und Lind verbreitet. Hier setzt denn auch das Projekt an, bei welchem die ganze Bevölkerung beteiligt werden soll.

Gegenwärtig sind 13 Oberstufenklassen an der Arbeit, für den 6. Juli ist ein Arbeitstag mit Natur- und Vogelschutzverein und Gartenbauverein im Lütisbuech sowie mit Freiwilligen der Ortsbürgergemeinde im Lind angesagt.

Das Forstamt setzt in Strassennähe den neuen Mulcher ein. Das Springkraut lässt sich leicht ausreissen und muss nicht speziell entsorgt werden. Das Problem ist die Masse, was den Einsatz vieler Freiwilliger bedingt.

Ende Jahr wird über den Versuch Bilanz gezogen: Kommt die Übung bei den Erwachsenen an? In der zweiten Phase sollen freiwillige Dreierteams die langfristige Überwachung der Rodungsflächen übernehmen.

Bei den 2.-Sekundarschülern sind die Meinungen geteilt: «Alles ist besser als die Schule», flachsen sie am regnerischen Morgen draussen im Wald. Klassenlehrer Joachim Hörner hingegen findet das Projekt eindeutig gut – solche Einsätze für die Öffentlichkeit sind doch selbstverständlich. Und es gibt erst noch einen Beitrag in die Klassenkasse.