Lenzburg/Niederlenz

Schulen wehren sich gegen Sparpaket – es drohe Zweiklassengesellschaft

Grindel, Bärschwil und Kleinlützel wollen einen gemeinsamen Schulkreis bilden und einen gemeinsamen Schulleiter (Geleitete Schule) suchen.

Mit dem Sparpaket droht eine Zweiklassengesellschaft, sagen Lehrer aus Lenzburg und Niederlenz (Symbolbild).

Grindel, Bärschwil und Kleinlützel wollen einen gemeinsamen Schulkreis bilden und einen gemeinsamen Schulleiter (Geleitete Schule) suchen.

In einem Brief an die Regierung wehren sich Schulleiter und Lehrer gegen den Bildungsabbau. Werde das Sparpaket so umgesetzt, werde künftig nur noch das Mittelmass gefördert, kritisieren die Betroffenen. Es hätte zudem viele weitere negative Folgen.

«Ein kurzsichtiger Sparentscheid.» So lautet das Fazit von Herbert Rinderknecht und seinem Lehrerkollegium der Lenzburger Bezirksschule zu der angekündigten Budgetkürzung von gut 30 Millionen Franken zulasten der Volksschulbildung. Die Lehrerschaft hat ihrer Empörung dieser Tage in einem Brief an Regierungsrat Alex Hürzeler Luft verschafft. Darin protestiert sie gegen die geplanten Sparandrohungen, welche ihres Erachtens den derzeitigen Qualitätsstandard in der Grundausbildung zunichtemacht.

Wird das Sparpaket umgesetzt, werde künftig nur noch das Mittelmass gefördert, heisst es seitens der Lehrfachkräfte. Begabtenförderung und notwendige Stützkurse würden an private Anbieter delegiert – zumindest für jene, die sich das leisten können. Wer nicht über das notwendige Kleingeld verfüge, bleibe auf der Strecke, das komme einer Förderung einer Zweiklassengesellschaft gleich, sind sie überzeugt.

«Dieses Sparpaket schaufelt die Schüler von der Schule weg auf die Strasse. Sie werden vermehrt herumhängen», ist eine weitere Befürchtung von Bezirkslehrer Rinderknecht.

Bisherige Bemühungen zerstören

«Gespart wird auf Kosten unserer schwächsten Schüler», schreibt Schulleiterin Jeannette Egli von der Schule Niederlenz. Auch von ihr hat die Regierung kürzlich Post erhalten. Das Vorhaben würde zu einem merklichen und schmerzhaften Qualitätsabbau führen. Besonders stossend sei, dass die Aargauer Regierung und Verwaltung landauf und landab die Einführung der Integrativen Schulung propagiert hätten, führt Egli als Beispiel an.

Die Schule Niederlenz habe trotz Mehraufwand für alle Beteiligten mit grossem Engagement an deren Umsetzung gearbeitet. Werden die Gelder für die Bildung gekürzt, «so werden unsere Bemühungen grob fahrlässig unterlaufen. Dies zum Schaden aller Schüler.»

Mit dem Beispiel Freifach stossen die Lenzburger Bezirksschulfachkräfte ins gleiche Horn: «Freifächer sind für die Jugendlichen eine gute Gelegenheit, ihre spezifischen Fähigkeiten zu fördern. Ausserhalb des ‹Schulkorsetts› können sie das machen, was sie gerne tun und können zeigen, was sie drauf haben. Eine optimale Möglichkeit, die Selbst- und Sozialkompetenz zu entwickeln», sagt Regula Thomas. Über 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler an der Lenzburger Bezirksschule belegen ein freiwilliges Angebot. «Zwei Freifach-Stunden pro Woche. Das ist alles, was übrig bleiben würde mit der Sparrunde.»

Heute umfasst das Angebot für die Viertbezler in diesem Bereich satte zwölf Stunden, also sechsmal mehr. Als Folge davon würden die traditionellen Theateraufführungen der Lenzburger Schulen mit weiteren attraktiven Freifachangeboten wegrationalisiert werden müssen, sind die Lehrkräfte besorgt. Dies ist nur einer der Bereiche, bei denen die Regierung Einsparungen vornehmen will. Doch sie hat die Rechnung ohne die Lehrpersonen gemacht. Im ganzen Kanton stehen sie auf und wehren sich – am 6. Mai wird in Aarau mit einer Kundgebung öffentlich gegen das Sparvorhaben demonstriert.

In welchen Bereichen der Volksschule – nebst dem Freifachangebot – will die Regierung den Hebel ansetzen und Gelder sparen? Es drohen die Abschaffung der Einschulungsklasse an der Unterstufe sowie des Werkjahrs und des Berufswahljahrs an der Oberstufe. Die Mindestklassengrösse soll von heute 12 auf 15 Schüler erhöht werden, ebenso die Teilnehmerzahl an den Wahlfächern. Letzteres wird zur Folge haben, dass diese gar nicht mehr angeboten werden können, mangels genügend Anmeldungen. Die musische Ausbildung wird zurückgefahren wie auch das Angebot für Sprachheilunterricht für Legasthenie und Logopädie und des Schulpsychologischen Dienstes. Die Lenzburger Bezirksschule hat die Eltern ihrer Schüler in einem Informationsschreiben über die Schritte orientiert und Rückendeckung erhalten: «Die Eltern würden bei Aktionen mitmachen.»

Kein Eigeninteresse der Lehrerschaft

Die Lehrpersonen sind entschlossen, sich für den Qualitätserhalt in der Bildung zu engagieren. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob bei all den Bemühungen letztendlich nicht ein Mass an Eigeninteressen vorhanden ist. Der Sparentscheid kommt nämlich just in dem Moment, wo der Oberstufe durch den Systemwechsel ein Klassenzug wegfällt. Bei dieser Anpassung geht den Fachlehrpersonen bereits ein stattliches Mass an Schulstunden verloren. Die Lenzburger Lehrerrunde stellt diese Begründung entschieden in Abrede: «Freifächer bieten sowieso nur jene Lehrpersonen an, welche Spass am Lehren haben.»

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