Urteil
Schuldsprüche im Fall des Baustellenunfalls von Niederlenz

Das Bezirksgericht hat drei Männer wegen des tödlichen Baustellenunfalls von Niederlenz der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Die Richterin sprach in allen Fällen bedingte Geldstrafen und Bussen aus.

Michael Spillmann
Merken
Drucken
Teilen

Aargauer Zeitung

Das Urteil im Fall des Baustellenunfalls von Niederlenz, bei dem 2004 ein 34-jähriger Mann auf ein nicht mehr abgestütztes Schalenelement getreten und in den Tod gestürzt war, ist bekannt. Einzelrichterin Eva Lüscher hat die drei Angeklagten – einen Polier, einen Maurer und einen Bauführer – der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Der Polier und der Bauführer wurden zudem wegen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde verurteilt.

Die Richterin sprach in allen Fällen bedingte Geldstrafen und Bussen aus. Konkret wurde der Polier – ein 59-jähriger Deutscher, der an beiden Prozessterminen nicht anwesend war – zu einer Strafe von 150 Tagessätzen zu 20 Franken und einer Busse von 600 Franken verurteilt.

Der Bauführer erhielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Franken und eine Busse von 900 Franken, der 47-jährige Maurer aus Deutschland 90 Tagessätze zu 10 Franken und eine Busse von 180 Franken. Wie beim Bezirksgericht zu erfahren war, hat sich die Verfahrensdauer von rund sieben Jahren hingegen strafmildernd ausgewirkt.

«Polier für Sicherheit zuständig»

Der verurteilte Bauführer – ein heute 65-jähriger Schweizer – hatte sowohl beim ersten Gerichtstermin im September 2010 als auch beim zweiten Termin vor rund drei Wochen jegliche Verantwortung von sich gewiesen. «Mit meinem Pensum war ich für administrative Belange zuständig», erklärte der Bauführer vor der Einzelrichterin. Sein Verteidiger sagte: «Mein Mandant befand sich am Tag des Unfalls nicht auf der Baustelle. Für die Sicherheit auf dem Bau war der Polier verantwortlich.»

Auch der Maurer hatte vor Gericht versucht, die Schuld am tödlichen Sturz auf den Polier zu schieben. Er habe die Stützen auf Anweisung des Poliers abmontiert, so der Deutsche, der damals von einer Firma aus dem Fürstentum Liechtenstein auf den Bau in Niederlenz vermittelt worden war. Der von den beiden anderen Angeklagten beschuldigte 59-jährige Polier liess die Chance, sich vor Gericht zu erklären, verstreichen. Erst hatte er sich per ärztliches Attest krankschreiben lassen, dann fehlte er unentschuldigt.