Möriken-Wildegg

Schulbehörde: Eine Frau mit Ecken und Kanten tritt ab

Lisa Streit will sich vermehrt auch Zeit für eine Tasse Kaffee nehmen.

Lisa Streit will sich vermehrt auch Zeit für eine Tasse Kaffee nehmen.

Lisa Streit hat die Schulbehörde von Möriken-Wildegg durch eine turbulente Zeit geführt. Weder der Beginn noch das Ende der Amtszeit waren einfach.

Ende September hat Schulpflegepräsidentin Lisa Streit alle Ämter «rund um die Schule» niedergelegt. Per sofort. Dieser Abgang kommt für die Öffentlichkeit überraschend.

Freiwillig ist der Schritt nicht. Gesundheitliche Gründe haben Streit den Schritt abverlangt. Ein medizinischer Eingriff habe ihr mehr zugesetzt als erwartet, sagt sie und und folgert, Gesundung brauche nun halt seine Zeit.

Damit habe beim Entscheid die Vernunft gesiegt, doch einfach sei es ihr nicht gefallen, einen Schlussstrich unter die langjährige Tätigkeit in der Schulbehörde zu ziehen. «Es kommt mir vor, wie eine Trennung, der Schmerz ist im Moment gross», gesteht sie.

Tatsächlich war die Schule Möriken-Wildegg lange fester Bestandteil ihres Alltags: Über 17 Jahre hat Streit als Mitglied der Schulpflege, davon ein Jahrzehnt lang als Präsidentin die Geschicke der Schule Möriken-Wildegg entscheidend mitgeprägt. Dabei musste sie schwierige Momente bewältigen – als die Schule wegen unrühmlicher Vorkommnisse ins Rampenlicht gerückt wurde.

Streit war bereits Präsidentin der Schulbehörde, als ein Zwischenfall auf dem Pausenhof und Mobbingvorwürfe die Schule sogar in die nationalen Medien katapultierte.

Das Ereignis hat die Präsidentin geprägt. Noch jetzt wählt sie jedes Wort mit Bedacht, wenn sie über den Vorfall spricht. Es habe sie erschreckt, wie eine Geschichte sich entwickeln, zu einem Selbstläufer werden könne.

Die Sache ist ihr nahe gegangen, hat sie an persönliche Grenzen gebracht, gesteht sie. Doch heute ist sie überzeugt. «Ich bin an heiklen Situationen gewachsen.»

Ihre Erfahrungen hat die 53-jährige Kauffrau in Seminaren des VASP (Verband Aargauischer Schulpflegepräsidenten) und der Fachhochschule Nordostschweiz, Hochschule für Wirtschaft als Dozentin für angehende Schulpflegemitglieder weitergegeben. Auch dieses Amt hat sie nun zur Verfügung gestellt.

Dass Lisa Streit 1998 überhaupt Schulpflegerin wurde, hat ebenfalls einen tragischen Hintergrund: Ein Turnlehrer hatte sich an seinen Schülerinnen vergangen. Dieser Vorfall sorgte im Dorf lange Zeit für grosse Unruhe. Man suchte einen Neuanfang, die Schulpflege inklusive. Der Beginn war hart, erinnert sich Streit. Niemand war da, der die unerfahrenen Schulpfleger in ihre Aufgaben einführte, das kantonale Schulinspektorat ist schlussendlich in die Bresche gesprungen. Rückblickend zieht Lisa Streit auch aus dieser Erfahrung eine positive Bilanz. «Dieser Umstand hat die Schulbehörde zusammengeschweisst.»

In Streits Amtszeit als Präsidentin der Schulpflege fällt die grosse Umwälzung der aargauischen Schullandschaft. Weg von der operativen Tätigkeit hin zu strategischen Aufgaben. Diese hatte in der Gemeinde Möriken-Wildegg die Verkleinerung des Gremiums von 7 auf 5 Personen zur Folge.

Die Einführung der Schulleitung und der Schulsozialarbeit, die externe Schulevaluation, die neue Promotionsverordnung, Schulhaussanierungen und zuletzt noch die Umstellung der Schulstruktur auf 6/3 prägten Streits Präsidialzeit. «Wir gehörten zu den ersten Gemeinden im Kanton, die einen Schulleiter anstellten», sagt sie nicht ohne Stolz. Bruno Glettig ist noch immer im Amt, 11 Jahre hat er Seite an Seite mit Lisa Streit gearbeitet.

Sie ist auch angeeckt

Er windet seiner ehemaligen Chefin ein Kränzchen. «Sie ist eine ausserordentliche Person. Und sie hat viel geleistet in all den Jahren», sagt er. Eine Frau mit Ecken und Kanten sei sie, stets habe sie sich eingesetzt für die Interessen der Schule und ebenso für einzelne Personen. Glettig beschreibt Streit als lösungsorientierte, pragmatische Persönlichkeit. Wenn nötig konnte sie recht resolut auftreten, sei manchmal auch angeeckt. Doch habe sie mit den Leuten das Gespräch immer wieder gesucht. Als Vorgesetzte habe er sie sehr geschätzt, sagt Glettig. «Man hat immer gewusst, woran man mit ihr ist.»

Für Streits Nachfolge in der Schulbehörde stellen sich am 30. November drei Kandidatinnen zur Wahl. Sehr zur Freude der scheidenden Präsidentin. Sie deutet dies als klares Indiz, dass die Schulpflege kein Auslaufmodell ist. «Für die Entwicklung der Schule ist es wichtig, dass weiterhin direkt vom Volk gewählte Personen da sind, die sich um schulische Interessen kümmern», macht sich Streit für die zur Diskussion stehende Schulbehörde stark. Sollte die Schule nämlich vollständig in die politische Behörde integriert werden, geht es nur noch um finanzielle Belange, äussert sie ihre Befürchtungen.

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