Rouven aus Sarmenstorf weiss genau, dass er Schreiner werden will. Der Neuntklässler schnupperte diese Woche in der Schreinerei Blum in Meisterschwanden – aber nicht nur zum Plausch: Es geht um die Lehrstelle für den kommenden Sommer, um alles oder nichts. Am Donnerstagnachmittag bekam er für knapp zwei Stunden Gesellschaft: zwei Jungs und ein Mädchen der Kreisschule Oberes Seetal.

«Erkundigungstage Berufe Oberes Seetal» nennt sich das Projekt zur Berufsfindung, wie Schulleiter Michael Lutz beim Besuch in der Schreinerei ausführt. Es dauert zwei Tage, insgesamt nehmen 85 Schülerinnen und Schüler der dritten Oberstufe teil. Sie durften bis zu fünf Berufe auswählen, in die sie Einblick erhalten möchten. Jeweils 90 Minuten dauert die Kurz-Schnupperlehre als Drogist, Motorradmechanikerin, Masseur. «Auf diese Weise können die Schüler einen ersten Blick in den Betrieb werfen», sagt der Schulleiter. «Erfahren, wie es dort aussieht, wie es riecht.»

Betriebe bemühen sich

Angeregt wurde das Projekt von einem lokalen Gewerbetreibenden. «Wir fanden die Idee sehr gut und schrieben 200 Betriebe in unserer Region an. Schliesslich haben 25 mitgemacht», erzählt der Schulleiter. Er hofft, dass es nächstes Jahr deutlich mehr werden, wenn das Projekt wiederholt wird. Lutz schwärmt von Betrieben, die «sich wirklich ein Bein ausreissen» für die Schüler: «Die Gemeindeverwaltung von Sarmenstorf und Fahrwangen hat zum Beispiel ein halbes Dutzend Angestellte aus verschiedenen Abteilungen aus ihrem Arbeitsalltag erzählen lassen.» Man merke, dass auch den Betrieben daran gelegen sei, gute Lehrlinge aus der Region zu finden.

Auch die Schreinerei Blum vergibt jedes Jahr eine Lehrstelle für die vierjährige Ausbildung zum Schreiner. Im Moment sind zwei der vier Lernenden weiblich. Schreiner sei keineswegs nur ein Männerberuf – das stellt das Blum-Team unisono klar. Passenderweise werden die Schnupperstunden für die Achtklässler der Kreisschule Oberes Seetal von einer Frau geleitet: Alexandra Stutz ist gelernte Schreinerin und frischgebackene Fertigungsspezialistin. Bei der Schreinerei Blum ist Alexandra Stutz für die Lernenden zuständig. Die Schreinertochter, wollte selber eigentlich etwas ganz anderes lernen, erzählt sie. «Dann hat es mir beim Schnuppern aber so gut gefallen, dass ich mich doch für die Schreinerlehre entschieden habe.»

Stutz zeigt ihren Schnupperlernenden nicht nur wie eine CNC-Fräse und ein Kantenleimer funktionieren. Die Jugendlichen dürfen auch praktisch arbeiten: Zwei Holzstücke müssen in einem 90-Grad-Winkel verbunden werden. Dazu braucht eines einen Zapfen, das andere einen Schlitz. Abmessen, anzeichnen, sägen, schleifen und schliesslich spritzen – da ist Geschick gefragt. Nebenbei erfahren sie, ganz im Sinne des Schnuppertages, wonach es in einer Schreinerei riecht: Sägespäne und Lösungsmittel.

Manchmal fehlt die Motivation

Auf die letzte Lehrstelle hätten sich rund 25 Jugendliche beworben, erzählt Alexandra Stutz. «Aber es ist schwieriger geworden, geeignete Lernende zu finden. Die Ersten schickt man nach einem Schnuppertag wieder heim. Oft fehlt es an der Motivation – wenn sie jede Gelegenheit zum sich Hinsetzen nutzen, ist das kein sehr gutes Zeichen.»

Bei den drei Kurz-Schnupperlernenden der dritten Oberstufe wird nicht ganz klar, ob ihnen der Schreinerberuf wirklich zusagt. Sie stellen kaum Fragen und sind auffallend still. Die Bandbreite reicht von konzentriertem Arbeiten bis hin zu offensichtlichem Desinteresse. Als einer der Mitarbeiter gegen Ende der Schnupperstunden fragt, ob die Schüler mit ihrem fertiggestellten Werk zufrieden sind, erntet er nur ein stummes, halbherziges Nicken. «Begeisterung?», hakt er nach – «Hält sich in Grenzen», antwortet das Mädchen kühl. Schreiner zu werden komme für sie nicht infrage, sagt die Achtklässlerin später. Spass mache es schon, aber sie arbeite zu ungenau.