Lenzburg

«Schreckliches Bauwerk»: Einwohnerrat kritisiert Lärmschutzwand und tadelt den Kanton

FDP-Einwohnerrat Jürg Haller nervt sich über die Lärmschutzwand am Westeingang der Stadt Lenzburg.

FDP-Einwohnerrat Jürg Haller nervt sich über die Lärmschutzwand am Westeingang der Stadt Lenzburg.

Einwohnerrat Jürg Haller kann es nicht fassen: «Eine der schönsten Zufahrten der Stadt Lenzburg wurde verschandelt». Er kritisiert die Lärmschutzwand an der Aarauerstrasse und tadelt den Kanton.

Der Kanton verschandele «eine der schönsten Zufahrten zu unserer schützenswerten Stadt» mit dem «wohl schrecklichsten Bauwerk», das je in Lenzburg erstellt worden sei.

Gemeint ist die rund 360 Meter Lärmschutzwand links der Aarauerstrasse, wenn wann vom Kantonshauptort ins Städtchen fährt.

Einwohnerrat Jürg Haller (FDP) liess das Bauwerk, das im letzten Dreivierteljahr entstand, den Kragen platzen.

In seinen emotional geprägten Ausführungen an der letzten Sitzung vor der Sommerpause geisselte er die dunkelbraungraue Wand am westlichen Stadtrand.

Der spontane Applaus der Mehrheit der Ratsmitglieder zeigte, dass er mit seiner Meinung nicht alleine steht.

Kanton verspielt Legitimation

Haller machte bei der Rede aus seinem Herzen keine Mördergrube: Das Werk sei «unerwünscht, unnötig und ungefragt in schlimmster Ausführung erstellt» worden.

Der Kanton habe sich «mit dem Aussehen dieser Schallschluckmauer jegliche Einmischung in die Bau-Ästethik in unserer Stadt verscherzt und im wahrsten Sinne des Wortes ‹verbaut›.»

Der dienstälteste FDP-Einwohnerrat und aktuelles Mitglied der Ortsbildkommission erinnerte daran, dass restriktive Auflagen bei andern Bauten Rücksichtnahme aufs Stadtbild gefordert hatten.

Oder dass das Stadtparlament für ästethetische Verbesserungen an Bauprojekten schon oft einen «Zusatzbatzen» habe bewilligen müssen.

Anwohner profitieren

Nicht ganz verstehen kann man Hallers Ärger auf dem Stadtbauamt. Gemäss Christian Brenner, dem Abteilungsleiter Tiefbau, hat das Baugesuch für die Lärmschutzmassnahmen an der Aarauerstrasse 2012 das normale Verfahren durchlaufen:

«Es gab zwei Einwendungen: Eine stammte von der Stiftung für Behinderte, die verlangte, dass gleichzeitig ein sicherer Fussgänger-Übergang installiert wird. Dieser Wunsch wurde umgesetzt. Eine zweite Einwendung stammte von einem Stockwerkeigentümer und ist mittlerweile auch abgetragen.»

Natürlich, da macht man in der Szene kein Geheimnis draus, sind Einwendungen gegen Lärmschutzmassnahmen erfahrungsgemäss eher selten: Die eigentlich betroffenen Anwohner haben kein Interesse, das Vorhaben zu verhindern; sie sind ja die grossen Profiteure.
Die Eigendynamik der Lärmschutzverordnung (LSV) und der kantonalen Beamten, die sie umsetzen, sind Jürg Haller aus eigener Erfahrung bekannt.

Hier werde viel Schindluder betrieben. Im Hinblick auf zu erfüllende Budgetzahlen, versuche man, auch Leute zu Lärmschutzmassnahmen (etwa dem Einbau von teuren Schallschutzfenstern) zu nötigen, die – etwa wegen des grossen Selbstbehalts – gar keine wollen, so Haller weiter.

Je nach Kooperationsbereitschaft der betroffenen Strassenanwohner werde die LSV unterschiedlich ausgelegt.

Haller im Einwohnerrat: «Jeder, der in Lenzburg schon mit der LSV zu tun hatte, weiss, dass die Vorschriften sehr flexibel gehandhabt werden können; ich würde fast sagen, immer labil im Sinne des entsprechenden Beamten im Baudepartement.»

Bäume kommen im Herbst

Im Stadtbauamt sieht man das Ganze weniger emotionell und verweist auf interne Grundsätze. Gemäss Christian Brenner versucht man, die nötigen Lärmschutzwände im Stadtgebiet einheitlich zu gestalten: Die dunklen Lava-Beton-Elemente seien «zurückhaltend und dauerhaft».

Zum konkreten Projekt gebe es einen «landschaftspflegerischen Begleitplan». Dieser umfasse die Versetzung der langen Mauerelemente; «dies bewusst, dass keine Riesenwand entsteht», so Brenner.

Zudem wird das Werk noch begrünt: Im Herbst werden vor die Mauern etwa
20 Strassenbäume, voraussichtlich Säuleneichen, gepflanzt.

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