Den Zugang zur Galerie in den Gewölbekellern des Müllerhauses flankieren schräge Vögel: Die wendigen Windspiele sind das Markenzeichen von Ueli Schneider. Wo auf Schlosszinnen und Villendächern Wetterfahnen, goldene Kugeln oder gar Drachen stehen, hat der Lenzburger Kunstschmied bei der Sanierung sicher Hand angelegt.

Wenn er nicht aufwendig und exakt antike Stücke vom Wirtshausschild bis zu Parkgittern restauriert, entstehen in seiner Werkstatt auch im freien Schaffen Werke von handwerklicher Präzision, von vollendeter Klarheit und Einfachheit.

«Wenn ich Stahl in kaltem oder warmem Zustand verarbeite, ist bei mir Form und Formgebung das zentrale Anliegen».

Ursula Schneider-Tanner präsentiert ein umfangreiches Oeuvre farbenprächtiger abstrakter Bilder. Sie bedient sich virtuos der Elemente Linie, Form und Farbe, probiert alles aus mit Stift und Pinsel, malt, ritzt, spritzt, spachtelt, vermischt Leim mit Sand auf der Leinwand. «Sie wagt es, ein Fragment stehen zu lassen, etwas Unvollendetes als Vollendet zu bezeichnen, probiert gewagte Farbkombinationen aus oder entwirft zarte Stimmungsbilder», schildert Vernissagerednerin Ulli Blomeier-Zillich die Vorgehensweise. Ursula Schneider «taucht ein in eine Welt voller Klang, Harmonie und Entdeckungen, hat sich auf das Abenteuer Kunst eingelassen», stelle sich mutig den Betrachtern.

Freundschaftlich verbunden

Diese waren an der Vernissage zahlreich vertreten, um das Anliegen der Ausstellenden mitzutragen. Bevor die Villa von Dr. med. Hans Müller (1897-1989) und seiner Schwester Gertrud Müller (1901-2001) vor rund 25 Jahren in Form einer Stiftung der Stadt und damit der Öffentlichkeit geschenkt wurde, war sie auch von Dr. Paul Müller (1894-1975) bewohnt. Der ausgebildete Pädagoge führte im heimischen Park eine Staudengärtnerei. Jugendlichen hat er auf dem Weg zur Berufsfindung geholfen, so auch Ueli Schneider, welcher sein erstes Atelier im alten Waschhaus (heute die «Dichterklause» des Literaturhauses) einrichten durfte. Zwischen der Gast-, Kunst- und Kulturfreundlichen Familie Müller und der jungen Familie Schneider entstand eine tiefe Freundschaft, die ein halbes Jahrhundert andauerte. Sie betreuten insbesondere Trudi Müller, welche kurz vor ihrem 100. Geburtstag verstarb. Für Ursula Schneider ist es ihre erste Ausstellung, für Ueli Schneider, wie er sagt, vielleicht die letzte.

Skulpturen und Bilderwelten im Müllerhaus Mittwoch bis Freitag 17-20 Uhr, Samstag/Sonntag 15-18.30 Uhr. Finissage Sonntag, 30. November 2014, 14 Uhr: Worte zu Arbeit, Freundschaft und Kunst von Michael Rhonheimer, Geigenbauer.