Lenzburg
Schon mehrere hundert zahnlose Mini-Schnecken wurden umgesiedelt

Die Rettungsaktion für die gefährdete Zahnlose Schliessmundschnecke an der Kastanie beim «Mülimärt» läuft. Wie erfolgreich, ist derzeit noch offen.

Ruth Steiner
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Sorgfältig klauben Monica Locher und Andrea Häfliger vom Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg die kleinen Tierchen (links) aus den Ritzen in der Baumrinde. Foto: Chris Iseli

Sorgfältig klauben Monica Locher und Andrea Häfliger vom Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg die kleinen Tierchen (links) aus den Ritzen in der Baumrinde. Foto: Chris Iseli

Chris Iseli

Im letzten Jahr wurde an einer alten Kastanie an der Bahnhofstrasse die Zahnlose Schliessmundschnecke entdeckt – zum ersten Mal im Kanton Aargau und eher zufällig.

Dieser Baum wird jedoch aus Sicherheitsgründen gefällt. Bis es soweit ist, sollen möglichst viele der kleinen Tiere gerettet und in der Stadt umgesiedelt werden. Dafür wurde sogar der Fälltermin der Katanie verschoben. Die Mini-Schnecke befindet sich nämlich auf der Roten Liste gefährdeter Tiere. Das neue Zuhause: im Lütisbuech und in den Trockensteinmauern beim Schloss.

«Es ist eine richtige ‹Chnübliarbet›.» Andrea Häfliger vom Natur- und Vogelschutzverein seufzt. Trotzdem interessieren sie die Stunden, in denen sie zusammen mit Kollegin Monica Locher und Peter Ulmann von Bauamt Lenzburg, Zahnlose Schliessmundschnecken aus den schmalen Rindenöffnungen des baufälligen Kastanienbaumes klaubt, kaum. Umso genauer zählen die zwei Frauen die winzigen Tierchen, die sie mit einer extra weichen Pinzette sorgfältig vom Baum ernten: Das kleinste hat die Grösse einer Ameise, grössere sind bis sieben Millimeter lang.
An diesem Nachmittag sind es 32 Stück, die auf einem feuchten Tüchlein im Kunststoffgefäss liegen. Nicht sehr viel, meint Locher. Doch sind die klimatischen Verhältnisse für einen ergiebigeren Sammelertrag alles andere als ideal. «Das Wetter muss stimmig sein für die Tierchen. Heute ist es etwas kühl und und die Bise ist ihnen abträglich», stellt Monica Locher fest. «Die Schnecken bewegen sich am liebsten bei mildem, feuchtem Wetter und Temperaturen ab vier Grad.» Zwei Tage zuvor hatten Locher und Häfliger mehr Glück und 100 Tiere gerettet. Begünstigt wird die «Ernte», wenn der Baum kurz vor der Suche mit reichlich Wasser genässt wird. «Dank der zusätzlichen Feuchtigkeit können sich die Schnecken rascher bewegen», erklärt Locher.

Kastanie fällt im Januar

Mit ihrer Arbeit erregen die zwei Frauen die Aufmerksamkeit der Passanten. Die einen belassen es bei einigen neugierigen Blicken, andere fragen nach. Der Tenor ist unisono. «Jö.» Und: «Überleben die auch wirklich?» Diese Frage bleibt vorerst offen. «Eine seriöse Kontrolle wird erst zwei Jahre nach der Ausbringung möglich sein», sagt Peter Ulmann, der die Rettungsaktion der Schliessmundschnecke leitet. Im kommenden Jahr will er an den neuen Standorten eine erste Zählung durchführen. Vorerst läuft die letztes Jahr angelaufene Sammelaktion an der Kastanie beim «Mülimärt» weiter. Laut Ulmann solange, bis keine Schnecken mehr gesichtet werden. Im kommenden Januar wird die Kastanie dann gefällt.

Sie wird jedoch nicht zu Brennholz verarbeitet werden, sondern – in Stücke gefräst – an bestehende Bäume nahe der Aussiedlungsstandorte gestellt. In der Hoffnung, dass die übrig gebliebenen Mini-Schnecken aus eigener Kraft ein neues Zuhause finden. Für die Rettungsaktion haben der Kanton und die Stadt gemeinsam ein Budget von 5000 Franken gesprochen. Dieses Geld ist laut Ulmann aufgebraucht, für Prüfungs- und Umsiedlungsberichte. Die Frauen vom Natur- und Vogelschutzverein machen weiter. Sie arbeiten ehrenamtlich.

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